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Der WahlkampfleiterPfarrer Jochen Wilde, Dekanatsbeauftragter für die KV-Wahl am So., 21. Oktober 2012 |
Jetzt aber schnell! Der Countdown für die KV-Wahlen am kommenden Sonntag läuft. Im Dekanatsbezirk Schweinfurt sind exakt 38.970 Wahlberechtigte in den 27 Kirchengemeinden aufgerufen, eine neue Gemeindeleitung zu bestimmen.
Vertrauens- und Wahlausschüsse sind dabei, die letzten Vorbereitungen zu treffen: Wahllokale ausstatten, Wahlunterlagen vervollständigen, Wahlverzeichnisse vorbereiten…
Pfarrer Jochen Wilde, als Dekanatsbeauftragter in ständigem Kontakt zu den Pfarrämtern und Verantwortlichen für die KV-Wahl, zeigt sich überzeugt davon, dass alle Gemeinden gut vorbereitet in den Wahlsonntag gehen. Spezielle Detailfragen hätten mit Hilfe des Amts für Gemeindedienst oder des Landeskirchenamts geklärt werden können. Besonders stellt er die hervorragende Unterstützung durch die Mitarbeitenden der Verwaltungsstelle im Kirchengemeindeamt heraus.
Aufgrund der vereinfachten Briefwahl, zu der sich etliche Gemeinden entschlossen haben, rechnet er mit einer höheren Wahlbeteiligung im Vergleich zur letzten KV-Wahl 2006.
„Ich glaub. Ich wähl.“ Dieses Motto unterstreicht, dass Glaube und Wahl etwas miteinander zu tun haben. Die persönliche Überzeugung zieht gewisse Konsequenzen nach sich. Etwa die, für seine Kirche Verantwortung zu übernehmen, nicht nur am Wahltag.
Der stellvertretende Dekan ist alles in allem jedenfalls überzeugt davon, dass sich der erhebliche Aufwand zu guter Letzt auch lohnt und auszahlt. „Denn“, so sein Credo, „beim Kirchenvorstand handelt es sich um ein evangelisches Markenzeichen! Deshalb geht es bei der Kirchenvorstandswahl nicht nur darum, ein paar Kreuzchen zu machen und ein Gremium zu bestimmen. Es geht auch darum, evangelisches Profil zu zeigen!“
Hier noch einmal die wichtigsten Fakten zur KV-Wahl:
Wer ist wahlberechtigt? Alle evangelischen Gemeindemitglieder, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind und mindestens seit dem 21.7.2012 in ihrer jetzigen Kirchengemeinde wohnen. Außerdem ist wahlberechtigt, wer am Wahltag 14 Jahre alt und konfirmiert ist.
Wo kann ich wählen?
Auf dem Wahlausweis, den jede/r Stimmberechtigte erhalten hat, sind die ieweiligen Wahllokale und Wahlzeiten genannt. Außerdem sind in den Gemeindebriefen oder auf den Homepages der eigenen Kirchengemeinde weitere Informationen zu finden. Der Wahlausweis (oder der Personalausweis) ist zur Stimmabgabe mitzubringen.
Wer also noch nicht (per Briefwahl) abgestimmt hat, hat am Sonntag Gelegenheit dazu, den Kandidatinnen und Kandidaten seines/ihres Vertrauens seine/ihre Stimme zu geben.
Am Sonntagabend heißt es dann für die Wahlausschüsse: „Ich glaub. Ich zähl.“ Damit die mit Spannung erwarteten Ergebnisse rasch ermittelt werden können.
Die Einführung der neuen Kirchenvorstände ist für den 2. Dezember (1. Advent) vorgesehen.
„Unterm Strich zähl ich“
Kennen Sie die Werbung der Postbank? „Unterm Strich zähl ich“, heißt es da verheißungsvoll. Auch wenn man über Qualität und Erfolg dieser Kampagne geteilter Meinung sein kann – so wird mir doch das Gefühl vermittelt: Ich bin wer, ich bin wertgeschätzt! Riesich, großartich, erstklass-ich…
Es gibt – oder sollte ich besser sagen: es gab? – ja leider Gottes eine unselige christliche Tradition, in der das Ich eher klein gemacht und gering geschätzt worden ist. Nach dem Motto: niedrich, sündich, demütich…
„Unterm Kreuz zähl ich“
Insofern könnten, ja sollten wir uns von dieser Kampagne durchaus eine gute Scheibe abschneiden. Gott hat uns Menschen wenig niedriger gemacht als sich selbst (Psalm 8) – und auch Jesus hat den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt gestellt; hat Frau und Mann, hat Kind stark gemacht, aufgerichtet, Lebensmut zugesprochen. Jesus gab denen, die ihm nahekamen, die Gewissheit: wichtich, liebenswürdich, einzigartich… Müsste die Kirche demnach den Menschen nicht auch das Gefühl vermitteln: „Unterm Kreuz zähl ich“?
Gewiss mag nun manch eine/r einwenden: Kirche, das ist doch eine Gemeinschaft! Sicher. Aber vergessen wir nicht, dass eine starke Gemeinschaft auch starke Personen braucht. Starke Personen und Persönlichkeiten, wie die 19 Frauen und Männer, die sich bereit erklären, für den Kirchenvorstand zu kandidieren.
„Es ist gut, eine Wahl zu haben“
Nun wirbt ja auch die Kampagne zur Kirchenvorstandswahl mit einem Slogan, in dem das Ich gleich zweimal vorkommt. „Ich glaub. Ich wähl.“ Da merke ich, dass es auf mich ankommt, dass jemand mit mir rechnet, auf meine Stimme zählt. Und das gefällt mir, auch wenn man ansonsten durchaus geteilter Meinung über dieses Motto sein kann.
Neulich sagte die deutsche Jury-Chefin Anke Engelke beim Eurovision Song Contest: „Es ist gut, eine Wahl zu haben“. Sie spielte damit auf die untragbaren politischen Zustände im Gastgeberland Aserbaidschan an.
„Es ist gut, eine Wahl zu haben“. Das gilt aber auch für mein Leben. Wenn ich keine Wahl mehr habe, wenn mir alles gleich gültig ist – dann habe ich im Grunde mit meinem Leben schon abgeschlossen, verspreche mir nichts mehr von der Zukunft: „Ich glaub gar nichts mehr. Ich hab ja eh keine Wahl…“
„Ich glaub. Ich wähl.“
Eine zupackende Sicht des Lebens, weit über die Kirchenvorstandswahlen hinaus: Zuversichtlich, hoffentlich – und darum auch verantwortlich! Mir ist es nicht gleichgültig, was aus mir und dieser Welt wird; wie wir in unserer Gesellschaft miteinander leben wollen, welche Zukunft unsere Kinder einmal haben sollen. Ich treffe Entscheidungen für mich, wähle aus zwischen verschiedenen Angeboten und Alternativen, sage bewusst Ja oder Nein.
Es ist gut, eine Wahl zu haben. Zu entscheiden, welchen Stellenwert Glaube und Kirche in Zukunft haben sollen. Mitzubestimmen, welche Angebote in unseren Gemeinden für Groß und Klein, Alt und Jung hilfreich oder gar vonnöten sein werden.
„Ich glaub. Ich wähl.“ Und entscheide mich deshalb für meine Kirche. Mir ist nicht gleichgültich, was aus ihr wird. Meine Kirche – fortschrittlich, notwendich und durch und durch menschlich. Wie ich.
Pfr. Jochen Wilde, Bad Kissingen
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