Barmherzigkeit gilt für alle!

„Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Gal 6,2

Liebe Gemeinde,

seit letztem Donnerstag ist es beschlossene Sache: Die Grundrente für alle kommt. Bezugsberechtigt ist jede(r), der/die mindestens 33 Jahre gearbeitet, Kinder großgezogen oder Familienangehörige gepflegt hat. Gut – das sind ehrenhafte Tätigkeiten, die bisher wenig berücksichtigt wurden. Dennoch sitzt der Ärger bei manch einem tief: Ist die Grundrente nicht unfair gegenüber jenen, die seit der Lehre immer Vollzeit gearbeitet und brav eingezahlt haben? 40 Jahre und mehr. Und am Ende nicht mehr besser da stehen als die Nichteinzahler? Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Dahinter steckt die Logik: Wer viel geschafft hat, darf auch viel kriegen. Wer weniger geleistet hat, muss sich eben mit weniger begnügen. Sonst passt das ganze System nicht mehr. Deshalb können wir als Gesellschaft nicht einfach die Lasten von denjenigen tragen, die zu wenig in die Kasse eingezahlt haben.

Als Christen werden wir vom heutigen Wochenspruch aufgefordert, es dennoch zu tun. Damit wir das Gesetz Christi erfüllen. Damit wir verstehen, was die Gerechtigkeit ist, die bei Gott gilt: das Gesetz, das Jesus gelebt hat. Indem er zu denen gegangen ist, die es nicht verdient hatten: die chancenlos waren, die nicht genügend vorweisen konnten, nicht mehr mitkamen. Bei Gott liegt die „Würde“ eines Menschen nicht am Geld oder an seiner Produktivität, sondern darin, dass er von Gott geliebt ist. Wer dies anerkennt, der erfüllt die Gerechtigkeit Gottes.

Einer trage des anderen Last – auch wenn der andere „nur“ sein Minimum gezahlt hat, weil es aus welchen Umständen auch immer nur zum „Minijob“ reichte.

Es mag dem ein oder anderen manchmal ungerecht vorkommen, wenn die Allgemeinheit für Menschen aufkommt, die weniger Leistungen vorzuweisen haben. Doch nach Gottes Gesetz hängt das, was jemand verdient hat, nicht an dem, was er geleistet hat. Sondern an seiner Würde. Die gibt Gott uns allen.

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

 

Pfrin. Sigrid Ullmann

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