Christen im Ernstfall

Grüß Gott aus der Kreuzkirche in Schweinfurt - Oberndorf

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

Heute ist Gründonnerstag. Da denken wir, wie jedes Jahr als Christen an das letzte Zusammenkommen Jesu mit seinen Jüngern und an seine Verhaftung im Garten Gethsemane. Angesichts der weltweiten Pandemie stellt sich mir am heutigen Gründonnerstag allerdings die Frage: Sind wir als Christen vorbereitet auf den Ernstfall? Oder stolpern wir in diese Situation wie die Jünger Jesu damals, ohnmächtig und erstarrt, obwohl er sie doch vorbereitet hat? Der Ernstfall bringt es an den Tag, ob wir als Christen wissen, was unsere Aufgabe ist, wenn’s drauf ankommt. Auch wir sind nicht völlig unvorbereitet. Viele von uns kennen z.B. den 23. Psalm „Der Herr ist mein Hirte“, in dem es weiter heißt: … „und ob ich schon wanderte im finsteren Tal fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“

Der Evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer hat unter der Gewaltherrschaft der Nazis den Ernstfall erlebt und durchlitten. Er leistete Widerstand und wurde verhaftet. Heute, vor 75 Jahren ist er ermordet worden. Aber an seinen Briefen aus dem Gefängnis, können wir erkennen, dass er vorbereitet war, wenn er selbst Angst bekam, oder von der Todesangst seiner Mithäftlinge erschüttert wurde.

In so einer Situation, auch in einer wie unserer jetzt, da liegt es nahe, sich an einen Gott zu wenden, der unsere Wünsche befriedigen und erfüllen soll.

So schreibt Dietrich Bonhoeffer in einem Gedicht aus dem Gefängnis:

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, Christen und Heiden.

Doch Bonhoeffer sieht hier die Gefahr, dass wir die eigenen Wünsche verwechseln mit dem Stab des guten Hirten. Der ist womöglich ganz woanders zu sehen und zu hören als wir dachten. Und da kam ihm nun seine Vorbereitung zu Hilfe: Nicht zuerst auf die eigenen Wünsche hören, sondern auf ihn.

„Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“ fragt Jesus verzweifelt im Garten Gethsemane seine ohnmächtigen Jünger, kurz bevor er verhaftet wurde.

Und so schreibt Bonhoeffer die zweite Strophe:

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod,
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Das ist für ihn entscheidend. Dieser Auftrag. Dass wir da aushalten, wo alles gegen Gott zu sprechen scheint. Auch, wenn wir, wie die Jünger im Garten Gethsemane, uns ohnmächtig und hilflos fühlen. Der Stab des guten Hirten ist jetzt nur gerade hier zu finden, im unendlichen Mitleiden Gottes in den Ängsten und Leiden der Menschen auch zu unserer Zeit, in der Überforderung von Ärztinnen und Pflegern in den Krankenhäusern. Jetzt kommt es darauf an, dass wir uns nicht rausziehen und nicht verurteilen, sondern wach und aufmerksam darauf hören, was dran ist.

Ist das ein Trost? Nein und Ja. Es ist noch das dunkle Tal. Aber wir bekommen darin einen Weg gezeigt. Wir scheinen allein unterwegs zu sein mit unserer Angst und den Entscheidungen, die wir, Politiker, Ärzte und andere zu treffen haben. Aber während wir noch unsicher tasten, oder ohnmächtig alles verdrängen, ist doch schon wahr, was wir glauben:

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden
.

So sind wir unterwegs auf Seinem Weg. Dem österlichen Weg.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Pfarrerin Kerstin Vocke

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