34 Jahre Tschernobyl

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Liebe Schwestern, liebe Brüder in Jesus Christus, dem Auferstandenen,

am 26. April – also gestern – jährte sich Tschernobyl zum 34. Mal. Wie jedes Jahr wollten wir mit einem ökumenischen Gottesdienst am Wegkreuz hinter dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld daran erinnern. Doch, warum in Corona-Zeiten Tschernobyl?

Meines Wissens verursachte der Super-GAU die erste Krise nach Kriegsende, die viele Regionen der Erde gleichzeitig betraf. Anfangs von der Sowjetunion verschwiegen, wurde einem Tag später eine sehr erhöhte radioaktive Strahlung über Finnland gemessen. Woher kam die “Strahlende“ Wolke? Moskau musste die Explosion in Tschernobyl zugeben, und – natürlich – herunterspielen. Dann drehte sich der Wind, die Wolke bestrahlte nach und nach Teile Russlands, ganz Europas, je länger, ja mehr, viele Länder der Erde, manche Regionen mehr, manche weniger. Noch war es sonnig und trocken. Doch, am 1. Mai regnete es. Ich war mit Konfis in Nürnberg; in der Mittagspause saßen wir im wieder trockenen Gras. Ich vergesse nie meinen Schrecken danach: der Regen war doch radioaktiv! Welche Folgen wird das haben? Denn alle, Experten und Politiker waren unsicher, wussten nichts. Wir hörten Schreckensnachrichten vom brennenden Reaktor in Tschernobyl, dem Löschen durch Feuerwehr, Soldaten, von vielen, die erkrankten, schnell starben von viel zu später Evakuierung, der Bevölkerung. Alles sei verseucht, auch bei uns!

Aber, man sah, roch, hörte doch nichts! Es war “strahlendes“ Wetter und doch unheimlich. Täglich wurde die Strahlung gemessen, Halbwertszeiten festgestellt, Thema in täglichen Nachrichten. Landwirte Europas mussten Salat und Gemüse unterpflügen, Kinder durften nicht im Sand spielen. Regen war gefährlich; sofort Duschen, Kleidung wechseln! Was essen? H-Milch oder Frischmilch? Konserven oder Frisches? Das Datum vor und nach dem 26.04. entschied, auch über Hamsterkäufe. Das Lebensnotwendige, Atmen, Essen und Trinken waren für Menschen und Tier zum Problem geworden! Und die Politik? Teilweise untergetaucht, Funkstille! Verharmlosung, Widersprüche, Aktionismus. Sogar: wir haben alle, im Griff Informationschaos! Durch die Nähe zum Atomkraftwerk, Demos, viele Fragen in Schweinfurt vor allem junger Familien: Ist es verantwortungsvoll, weiter Kinder zu bekommen? Schwangere waren in Sorge – hat mein Kind Schäden abbekommen? Was ist besser: Trocken- oder Muttermilch?

Sehen Sie, wie ich, Parallelen? Eine Krise, wenn auch damals nicht ganz weltweit! Riesige Verunsicherung, keiner weiß, was richtig ist, es gibt kein Mittel dagegen. Manche reagieren viel zu spät! Hot Spots entstehen. Verharmlosung oder Überreaktion. Haben Menschen alles im Griff? Radioaktivität, das Virus? Viele meinen das. Damals waren Kinder, jungen Leute Risikogruppen – so wie jetzt Ältere, Vorerkrankte. Der wirtschaftliche Schaden in betroffenen Ländern, vor allem für die Landwirtschaft, war immens. Wer wollte schon Verstrahltes? Hamsterkäufe, Messen und Testen damals und heute.

Und was wurde damals daraus gelernt? AKW´s im Westen sind sicher! Da musste leider erst noch Fukushima 2011 dazukommen! Einsicht und Umkehr begannen: der Mensch hat eben nicht alles im Griff.

Und jetzt, Corona? Genug Parallelen sind erkennbar. Alles machen, was man kann, keine Grenzen mehr achten, keine Ehrfurcht vor dem Leben. Stattdessen Globalisierung um jeden Preis, Gewinn und Gier! Und jetzt? Notbremsung! Dies kann die Technik eines Zuges, um eine Katastrophe zu vermieden. Also, Corona als Notbremsung und Warnung verstehen? Ihr seid eben nicht wie Gott!

Wacht auf, stoppt den Wahn, werdet ehrlich – Politiker, Wissenschaftler, Wirtschaftler, Menschen aller Religionen! Gebt zu, dass ihr vieles nicht wisst! Hört auf, den eigenen Vorteil und Gewinn zu suchen – auf Kosten der Armen, Flüchtlinge, Schwachen, kleinen der Schöpfung. Hört auf die Botschaft der Katastrophe, sonst könnte es noch schlimmer kommen! Auch wir alle, denken wir selber, übernehmen gerade als österliche Christen/Christinnen Verantwortung. Die Chance ist jetzt da, in Ehrfurcht und Demut vor Gott und dem Leben in Worten, Gebet und Taten zu leben. Denn

Gott sei Dank, müssen wir nicht sein wie Gott, sondern sollen in seinem Namen die Schöpfung erhalten und mitgestalten. Mit Mut zum Dienen.

Ihre Pfarrerin Eva Loos

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