in allem

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Liebe Schwestern, liebe Brüder,
 
ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen. Mein Name ist Michaela Lynes und ich unterrichte Religion an 4 verschiedenen Schulen im Dekanat.

Auch wir sind natürlich von der jetzigen Situation betroffen. Meist sitze ich nun zuhause an meinem Schreibtisch, sortiere aus, gestalte neu, setze Stunden zusammen für die Zeit nach Corona.

Die ersten Tage waren schwierig. Ich kam mir sehr verloren vor und nach der ersten Ansprache von unserem Ministerpräsidenten Herrn Söder schossen mir tausend Gedanken durch den Sinn, wie Ihnen sicherlich auch.

Die drängendsten Gedanken waren die Gedanken an meine Familienmitglieder, die nicht bei mir wohnen:

  • ein Sohn, der alleine lebt und in der Logistikbranche tätig ist - also auch dringend weiterarbeiten muss, damit Lieferungen getätigt werden können,
  • ein Sohn, der mit seiner Frau ein neues Familienmitglied vor drei Monaten begrüßt hat und einen Pflegedienst hat. Jeden Tag ist er an der Front, geht an seine Grenzen und, ich befürchte, auch darüber hinaus. Zudem möchte er seine Familie schützen.
  • Und da gibt es noch die Schwiegereltern, beide über 80, beide mit schweren Vorerkrankungen und beide über 1200 km von uns entfernt in England.

Gerne würde ich jetzt alle zu meinem Mann und mir holen, um mich scharen und beschützen.

Unsere Tochter, ihr Mann und Sohn leben bei uns im Haus. Dafür bin ich unendlich dankbar. Wir alle arbeiten jetzt im Home Office. Und unser kleiner Enkel entlockt mir oft ein Lächeln mit seinen Kapriolen.
 
Doch zurück zur ersten Ansprache von Herrn Söder:

Als ich nun an meinem Schreibtisch saß, schnürte es mir die Kehle zu, Tränen stiegen auf als ich für meine Lieben, die fern von uns sind, ein Gebet sprach. Schließlich flossen immer mehr Tränen. Meine Angst, meine Grenzen hatten mich fest im Griff.
 
Werde ich meine Schwiegereltern wiedersehen? Wer versorgt sie, wenn wir so weit weg sind? Werden meine Söhne die Kraft haben für die Herausforderungen, die nun gestellt werden? Eng wurde es mir. Und ich denke, so geht es vielen.
 
Schließlich klappte ich meinen Computer zu und ging in unseren Hof. Schon als ich die Tür öffnete, hörte ich die Vögel singen. Und als ich meinen Blick schweifen ließ, sah ich Frühlingsboten im Garten - gelb, weiß, rosa. Ein Amselpärchen flog umher auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz.
 
....und mir ging das Herz auf!
 
Nein, viele Dinge, gerade jetzt, entziehen sich meiner/unserer Kontrolle. Wie gut ist es da zu wissen, dass es dennoch den EINEN gibt, der alles in seinen Händen hält. Der EINE, der mir das Lied des Vogels schickt, um mich aufzurichten. Der EINE, der mir Farben schickt als Balsam für meine rotgeweinten Augen.
 
Je länger ich an eben diesem Tag im Garten stand, desto mehr fühlte ich Gottes Liebe und die Weite der Seele die nur ER schenken kann.

ER stellt meine Füße auf weiten Raum. Dieser Vers wurde wahr für mich – in eben jenem Moment. Dafür bin ich auch heute noch unendlich dankbar.

Doch wie überbrücken wir die Zeit der Trennung von unseren Lieben?
 
Ich telefoniere jeden Tag mit meinem Enkelchen, der nicht im Haus lebt,/- per Videochat. So sehe ich, dass er wächst und Gedeiht.

Mit meinen Söhnen bleiben wir auch über die modernen Medien in regem Kontakt und ich weiß, es geht Ihnen gut, auch wenn sie müde sind.

Meine Schwiegereltern erhalten alle zwei Tage einen Anruf von uns. Inzwischen gibt es auch dort einen Einkaufsservice, der sie mit dem nötigsten versorgt. Masken habe ich für alle genäht und verschickt.

Und….Wir alle beten füreinander um Zuversicht, um Kraft, um Weisheit, um Schutz...
 
Ich versuche mich auf den EINEN zu verlassen, der meine Füße in dieser Enge und Einsamkeit der nötigen Distanzierung auf weiten Raum stellt.

Vor einigen Jahren schrieb ich das Lied "In Allem". Ein Lied, das die Weite in Gottes Schöpfung beschreibt. Gerade jetzt ist es mir ein Trost und die Worte, die ich vor einigen Jahren schrieb, sind heute genauso richtig und präsent als zu dem Zeitpunkt, an dem ich das Lied verfasste. Vielleicht kann dieses Lied auch Ihnen Trost sein in diesen Zeiten.

Sie finden das Lied auf Youtube. Geben Sie meinen Namen ein und den Liedtitel „In Allem“ und sie werden fündig werden. 
https://youtu.be/o5tPpwbdO7A
 
Bleiben Sie wohlbehütet,
es grüßt Sie herzlichst,

Ihre
Michaela Lynes

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