Alles auf einer Karte

Da liegt sie, diese kleine, unscheinbare Karte. Schon Anfang des Jahres, Mitte Januar, ist sie mir ins Auge gesprungen und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sie wichtig werden könnte. Mein erster Gedanke beim Lesen: „Was für eine tolle Aussage!“. Mein Zweiter: „Ob dieses Jahr wirklich so viele Herausforderung und Last bereit hält?! Ich hoffe ja nicht!“

Da sitze ich nun, halte die Karte in der Hand und lese sie zum wiederholten Male: „Der du die Zeit in Händen hältst, Herr, nimm auch diese Jahres Last und wandle sie in Segen.“

Die Worte von Jochen Klepper treffen mich direkt in Herz. Sie sind so erstaunlich präzise und passend, so ernüchternd und zugleich hoffnungsreich.

Ernüchternd, weil „Last“ ein Wort ist, wie ich es selten gebrauche, das für mich zugleich veraltet und fremd wirkt. Probleme und Sorgen, ja die habe ich immer wieder. Aber „Last“, das scheint mir eine andere Kategorie. Last ist etwas, was nicht nur eine Phase, positiv beschrieben, eine Herausforderung ist. Last ist schmerzlich spürbar, die Tragenden mühen sich und ächzen vor dem Druck auf ihren Schultern. Dass es in dem Zitat „Jahres Last“ heißt, machen die Worte auch nicht leichter.

Doch zugleich ist dieser Satz so voll von Hoffnung. „Nimm diese Jahres Last und wandle sie in Segen.“ - ein tröstlicher, zuversichtlicher Gedanke. Bei allen Fragen, aller augenscheinlicher Bedrückung, täglichen Sorgen und Abmühen formulieret diese simple Aneinanderreihung von Wörtern eine starke, hoffnungsfrohe Bitte: Wandle du, allmächtiger Gott, die Lage zum Guten.

„Der du die Zeit in Händen hältst, Herr, nimm auch diese Jahres Last und wandle sie in Segen.“

Ich atme durch, besinne mich und bete. Wandle du meine, unsere Last in Segen.

Ich atme durch und es kommt mir Jeremia 29,11 in den Sinn: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“

Ich atme durch. Ich atme auf. Egal also ob meine Last ein ansteckender Virus ist, die Gedanken wie es mit dem Job weitergehen soll, das Mittragen von Leid in der Familie oder unter Freunden, die Verunsicherung in Blick auf lang gehegte Urlaubspläne oder Familienfeierlichkeiten. Egal wie groß oder präsent diese Last gerade ist, diese Lasten gerade sind und wirkt. Ich bin gewiss, dass ich sie nicht alleine tragen muss. Ich vertraue darauf, dass in jeder Frage, in jeder Angst, in jeder Planung Gott seine Finger mit im Spiel hat.

Ich atme durch und ein Stück leichter wird es mir ums Herz. Denn wenn ich recht darüber nachdenke: Ein kleines Stückchen davon habe ich schon erfahren, diese Segensumwandlung. Dass sind in der Last auch Segen zeigt. Die kreativen Gedanken, die die Jugendlichen haben um gemeinsam trotz Kontaktbeschränkung digital Zeit miteinander zu verbringen - wie wir gelacht haben bei unserem Online Krimi Dinner der Evangelischen Jugend, die Freude über einen handgeschriebenen Brief einer Freundin, der kollegiale Austausch mit Kolleg_innen bei einer Videokonferenz zu treffen, ja Verständnis füreinander und Rücksicht aufeinander.

„Der du die Zeit in Händen hältst, Herr, nimm auch diese Jahres Last und wandle sie in Segen.“

Die Worte treffen mich. Sie berühren mich. So bewahrheitet sich diese kleine Karte. Und ich atme durch und ich atme auf.

Einen guten Tag wünscht dir, wünscht Ihnen, Maria Aderhold, Dekanatsjugendreferent, Evangelischen Jugend Schweinfurt

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