Andacht aus Bergtheim zu Himmelfahrt

Andacht Himmelfahrt 21.05.2020

 

 

Begrüßung:

Herzlich Willkommen zu unserer online Andacht am Himmelfahrtstag. Wo ist Jesus jetzt? Sitzt er, wie ich es mir das als Kind vorgestellt habe, in einem weißen Gewand über den Wolken? „Zur rechten Gottes“, wie wir es im Glaubensbekenntnis beten? Oder ist er überall und wir sehen ihn nur manchmal nicht?

Wir feiern diese Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Gebet

Guter Gott, wo Du bist, da ist auch Dein himmlisches Reich. Lehre uns, dass Du nicht an einem bestimmten Ort zu finden bist, sondern Dein Reich mitten unter uns ist.

Amen

 

Verkündigung:

 

Predigttext: Apostelgeschichte 1, 6 –12 a

 

Jesus war mit seinen Jüngern auf dem Ölberg

 

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. 12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt

 

Lied: Über den Wolken

 

Liebe Gemeinde, schauen Sie schaut Ihr mal nach oben, in den Himmel….Seit einigen Tagen ist er schön blau, mit einigen Wolken. Bilderbuchwetter. Aber auch, wenn die Welt hier unten auf der Erde wolkenverhangen ist, das Wetter regnerisch, sehen wir über den Wolken die Sonne, die scheint. Sie beleuchtet ein weißes Wattemeer, das Flugzeuginsassen von oben bestaunen können. Über den Wolken –der von Reinhard Mey besungene Sehnsuchtsort, das Lied, das nun schon seit Jahrzehnten den Menschen aus den Herzen singt.

Auch wenn es auf einem Flughafen angesiedelt ist und von Flugzeugen handelt, spürt man: damit ist mehr gemeint, als der heute möglich gewordene Traum vom Fliegen. Mehr als eine Urlaubssehnsucht nach sonnenverwöhnten Ländern an einem regnerischen Tag und in dieser Corona Zeit.

 

Über den Wolken –der Ort der grenzenlosen Freiheit und der ungeahnten Möglichkeiten. Alle Sorgen, alle Ängste bleiben unten, geraten aus dem Blickfeld angesichts der Schwerelosigkeit im Himmelsblau. Größe und Wichtigkeit geraten in Umbruch, eine neue Sicht setzt neue Prioritäten aus dem Abstand.

Über den Wolken –da ist das Leben so, wie es sein sollte.

Ich wäre gerne mitgeflogen.

 

Bewegten die Jünger damals ähnliche Gefühle: Jesus emporgehoben und von einer Wolke ihren Blicken entzogen, sie zurückgelassen in Erdenschwere und Bodenhaftung.

Ihr Blick ist nach oben gerichtet und bleibt an den Wolken hängen. Jesus ist nicht mehr zu sehen. Doch lösen können sie ihre Augen noch nicht. Soviel Himmel auf Erden hatten sie mit ihm erlebt: Heilung, Versöhnung, Neuanfang, Gemeinschaft, Perspektivwechsel: Leben statt Tod.

Und nun –all das eine Hoffnung, die über den Wolken unerreichbar ist?

Zwei Engel holen sie ins Jetzt zurück: „Was steht ihr da und starrt zum Himmel?“

Ja, was stehen und starren sie? Gerade vorher hatte Jesus ihnen doch gesagt, wie es weitergehen sollte: dass die Leere und Verzagtheit, die sie jetzt vielleicht spüren, neu gefüllt werden wird durch den Geist, den sie doch auch schon gespürt haben im Zusammensein mit ihm, dass ihnen das Kraft geben wird, den Mut vom Himmel weg nach rechts und links zu schauen, in all die Ängste und Sorgen, all das Gerangel um Größe und Wichtigkeit, all das in den Blick zu nehmen, was zum Himmel schreit und zum Himmel stinkt. Und zwar nicht als Anfechtung, sondern als Aufgabe. Zeugen sollen sie werden. Zeugen für einen Himmel, der auch auf Erden spürbar und erlebbar sein kann, so wie Jesus es ihnen vorgelebt hat.

Lukas schreibt, dass die Jünger den Blick vom Himmel wenden, ihren Weg vom Berg herunter und ihre Aufmerksamkeit der Stadt und dem Neuen, das sie erwartet, zu. Die Engel werden nicht mehr erwähnt, sie brauchen sie jetzt nicht mehr.

Sie werden selber zu Engeln mit Bodenhaftung mitten in der Welt unter den Wolken.

Ob sich die Himmelfahrt Jesu tatsächlich so ereignet hat? Nur Lukas weiß davon zu erzählen: er schließt mit ihr sein Evangelium ab und stellt sie an den Anfang seiner Apostelgeschichte. Aber selbst, wenn sie –was wahrscheinlich ist-kein historisches Ereignis, sondern eine Glaubensgeschichte ist, enthält sie viel Ermutigendes.

 

Nein, den Himmel Gottes suchen wir nicht länger dort oben, wo Jets und Raketen die Schwerkraft überwinden, sondern da, wo Recht und Gerechtigkeit, Leben und Liebe, Vergebung und Versöhnung, Miteinander und Füreinander Wirklichkeit werden.

Gott ist nicht da, wo der Himmel ist, sondern wo Gott ist, da ist der Himmel.

Himmelfahrt ist kein Höhenflug ohne Hilfsmittel, sondern ein Ortswechsel Jesu von der Begrenztheit eines irdischen Standortes in die Unbegrenztheit göttlicher Wirksamkeit.

Wir wissen, dass Jesu Anhängerinnen und Anhänger seine Botschaft tatsächlich bis an die Enden der Welt trugen, wenn auch die Kirche oft genug nicht den Himmel auf Erde brachte.

 

Manchmal fragen wir uns: Wo ist Gott angesichts unserer Ängste und Sorgen im Kleinen wie im Großen?

Kriege, wie in Syrien. Armut, wie in Somalia. Eine lebensbedrohliche Krankheit oder die Angst um den Arbeitsplatz. Die Frage nach dem „wie geht’s weiter“ in der Coronakrise. Streit in der Familie oder unter Freunden. Die Sorge, dass das Geld nicht reichen wird in der Kurzarbeit oder in der Arbeitslosigkeit.

 

Gewitterwolken, bestehend aus Fragen und Zweifeln und Ängsten, versperren den Blick in den Himmel, zu Gott.

 

Ja, auch wir brauchen sie manchmal, solche Engel mit Bodenhaftung, wie in der Apostelgeschichte, die uns einerseits vom Himmel erzählen, der jenseits der Wolken blau und strahlend ist –der da war und ist und kommt –, die uns aber andererseits aufrütteln, nicht nur nach oben zu starren, sondern hier unten aktiv zu werden, allen Wolken zum Trotz. Die uns Mut machen –und sei es nur im ganz Kleinen unseres Umfeldes –selbst etwas Himmel auf Erden zu bringen, so wie Jesus es uns zutraut. Ja, über den Wolken mag die Freiheit grenzenlos sein, aber wir können hier unten die Nachfolge Jesu antreten und unsere Möglichkeiten sind, wenn schon nicht grenzenlos, viel weitreichender als wir oft glauben.

Dem Himmel Gottes bin ich hier unten so nah oder so fern, wie ich es zulasse, auch unter echten und symbolischen Wolken.

Und dann und wann reißen diese Wolken auf

und ich bekomme das Strahlen des Himmels zu spüren, auf meinem Gesicht, in meiner Seele und tanke auf: Licht und Freude, Kraft und Mut. Keine Wolke hat ewig Bestand.

 

Amen

 

 

Gott, Du lässt den Himmel über uns aufgehen. Durch Dich berühren sich Himmel und Erde.

Zu Dir beten wir:

Wir bitten Dich für alle, die ohne Freude und Hoffnung sind.

Wir bitten für Trauernde und Schwermütige, für Überforderte und Verbitterte, für Einsame und Verzweifelte.

Lass sie Menschen finden, die ihre Dunkelheit mit ihnen aushalten und ihnen Mut und Zuversicht geben.

 

Wir bitten für alle, denen die Kräfte ausgehen.

Wir bitten für Kranke und Sterbende, für Hungernde und Durstende, für Vertriebene und Flüchtlinge.

Belebe sie neu durch Deinen Geist.

 

Wir bitten für alle, die müde geworden sind. Wir bitten für Enttäuschte und Verzagte, für Bedürftige und Schwache, für Süchtige und Verlorene.

Zeige ihnen neue Wege und lohnende Ziele.

 

Wir bitten für uns selbst und unseren kleinen Glauben. Stärke unser Vertrauen auf Dich. Hilf uns, Dich als den Herrn der Welt zu erfahren und zu bezeugen.

 

Gott, Du lässt den Himmel über uns aufgehen. Durch Dich berühren sich Himmel und Erde. Wir danken Dir für Deine Gnade und Treue jetzt und in Ewigkeit.

 

Gemeinsam mit allen Christinnen und Christen beten wir das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

 

 

 

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und gebe euch Frieden.

Amen

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