Andacht aus Obereisenheim

Bild des Benutzers Ivar Brückner

Begrüßung

Guten Morgen.

Heute ist der Sonntag Miserikordias Domini, der zweite Sonntag nach Ostern – und ich grüße Sie und Euch ganz herzlich!

Um die Barmherzigkeit Gottes geht es an diesem Sonntag,

Wie Menschen diese Barmherzigkeit Gottes erleben, das beschreiben sie – seit Jahrtausenden – mit den einfachen Worten: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Gott verspricht uns, der gute Hirte unseres Lebens zu sein. An seinem Sohn erkennen wir, was gute Hirten ausmacht. Das gibt Trost und Orientierung.

Gerade in dieser ungewissen Zeit.

Die Corona-Thematik bestimmt derzeit das Leben in unserem Land und auch in den Kirchengemeinden. Nach mehreren Wochen mit verschiedenen Einschränkungen leiden nicht nur die Infizierten unter diesem Virus; von den wirtschaftlichen Folgen bis zu Einsamkeit und psychischen Problemen gibt es verschiedene Formen von Leiden.

Wie behütet uns da Gott, fragen wir. In einer Welt, die gerade gar kein Bild von Geborgenheit abgibt. Wir wollen uns trotz allem dem anvertrauen, was uns der Wochenspruch aus dem Johannesevangelium ans Herz legt: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Im Vertrauen auf diesen Hirten hören Sie und hört Ihr diese Andacht.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Confiteor

Gott, du willst, dass wir nach deinem Bild leben: freundlich, aufmerksam, einander Freiheit und Geborgenheit schenkend. Wie oft aber ist es das Gegenteil davon: wir belauern uns, zeigen auf den anderen, neiden ihm sein Wohlergehen oder schauen weg von seinem Leid.

Wir bitten dich um dein Erbarmen, Gott.

[kurze Stille] 

Christus sagt: Wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben. Sein Friede sei mit uns allen. Amen.

 

Psalmlesung

Ich spreche Psalm 23:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

- Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und allezeit. Amen.

 

Kyrie / Gloria

Du, Gott, bist unser Hirte. Bringst uns zur Quelle des Lebens. Warum können wir das füreinander nicht auch? Was hat unsere Menschlichkeit bloß so heruntergebracht? Wir rufen zu Dir: Kyrie eleison. Herr, erbarme dich!

Allem Schlechten zum Trotz, bleibst Du unser großer Trost. Die Quelle, aus der wir immer trinken können, der Stab, der uns den Weg durch das Leben weist, damit wir unverzagt gehen. Dafür loben wir dich und danken dir! Amen.

 

Gebet des Tages

Gott, du hast uns Jesus Christus gegeben, als Hirten. Er leitet uns. Er trägt uns, wenn wir verzagt und müde sind. Er gibt uns, was wir zum Leben brauchen. Er lässt uns nie allein. Er rettet uns, wenn sich Abgründe vor uns auftun. Lass uns seine Stimme hören und ihm nachfolgen.

Öffne unsere Herzen. Darum bitten wir dich, der du lebst und unser Leben trägst in Zeit und Ewigkeit. Amen.

 

Ansprache

Corona – dieses Virus lehrt uns zu lernen oder es uns wieder neu bewusst zu machen, dass es zum Leben dazugehört, dass es Einschränkungen und Leid in verschiedensten Formen gibt. Leiden erfahren in diesen Wochen nicht nur die Infizierten oder schwer Erkrankten und ihre Angehörigen. Mit Einschränkungen müssen zurzeit alle leben, und darunter leiden Menschen verschieden schwer. Die Kontaktbeschränkungen führen dazu, dass viele alte Menschen keinen Besuch bekommen und unter Einsamkeit leiden. Aber auch Jüngere, die allein leben, leiden unter den fehlenden Kontakten; nicht alles lässt sich mit Telefon, Videobotschaften und Skype auffangen. Es gibt viele Menschen, die in dieser Situation unter psychischen Problemen leiden. Auf der anderen Seite gibt es in vielen Wohnungen Ärger und Streit, weil Kinder und Erwachsene auf engem Raum miteinander auskommen müssen. Viele leiden unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen, und andere darunter, dass ihr Arbeitsplatz und ihr Einkommen gefährdet sind. Nicht zu vergessen, in welch schwierige Situationen Obdachlose derzeit geraten, oder und wie viel dramatischer sich das Coronavirus in den armen Ländern der Welt auswirkt.

All das wird nicht in wenigen Wochen vergessen sein, im Gegenteil: Die Erfahrung, dass Leiden Teil unseres Lebens ist, wird unsere Welt und unser Leben verändern.

Niemand wünscht sich zu leiden, krank zu sein, ohne Arbeit oder allein. Es ist schon schwer genug zu akzeptieren, dass Leiden zu unserem Leben dazugehört. Umso erstaunlicher ist es, was in der Bibel zum Thema Leid steht. Da schreibt der Verfasser des 1. Petrusbriefs am Ende des 1. Jahrhunderts: „Wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott.“ (1. Petrus, 2,20b)

Leiden als Gnade? Geht das nicht einen Schritt zu weit? Zumal der Briefautor das an Menschen schreibt, die schwer zu leiden haben. Die Christen, an die er sich wendet, wurden wegen ihres Glaubens verhöhnt und zum Teil verfolgt. Auf jeden Fall hatten sie Nachteile zu erwarten. Erst recht galt das für die Sklaven, von denen sich auch einige zur christlichen Gemeinde hielten. Gerade an solche Leute richtet sich der Briefschreiber, wenn er sagt: Wenn ihr leidet, ist dies Gnade bei Gott.

Wie kann er so etwas sagen? In den folgenden Sätzen im 1. Petrusbrief begründet er das mit dem Hinweis auf Jesus. Ich lese aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 2, die Verse 21-25:

 

Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Leiden als Gnade? Der Briefautor verweist auf Jesus Christus: Der hat richtig gelitten. Ausführlich wird sein Leiden benannt: Wie er geschmäht wurde und gekreuzigt wurde, wie er das Leid ertragen hat, ohne sich zur Wehr zu setzen; und dass, obwohl er selbst ohne Sünde war. Doch entscheidend ist nicht, was er alles erlitten hat, sondern vielmehr: Er hat das für andere getan: „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden“, sagt der Verfasser des 1. Petrusbriefes. Jesu Leiden hat keinen Selbstzweck. Es ist auch keine Leidenssehnsucht dahinter, wie dem christlichen Glauben früher manchmal unterstellt wurde. Jesu Leiden hat Sinn, er hat für uns gelitten, damit wir leben können. Wir können von Jesu Leid und Tod ja nicht sprechen, ohne auch seine Auferstehung zu glauben. Vor zwei Wochen haben wir Ostern gefeiert, von Ostern her können wir auch das Leid als Gnade erfahren. Denn der Auferstandene ist der Hirte und Bischof unserer Seelen.

 

Doch dieser Hirte und Bischof unserer Seelen ist für uns zugleich das Vorbild, dem wir nachfolgen sollen. So sagt es der Verfasser des 1. Petrusbriefs: „Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.“ Auch wenn diese Fußstapfen uns zu groß erscheinen: wir sollen Christus in seinem Leiden nachfolgen. Mit seinem Leiden hat er uns eine Vorlage gegeben. Es geht nicht darum, im Einzelnen nachzuahmen, was Jesus getan hat, sondern sich im Leiden nach dem Muster zu richten, das wir in Jesus haben.

Heißt: Jesus hat nicht gelitten um des Leidens willen. Und für Christen ist das Leiden darum auch kein Selbstzweck, sondern es soll hilfreich sein für andere. Es geht nicht darum, sich selbst zu quälen. Es geht vielmehr darum, für andere auch Leiden in Kauf zu nehmen. „Wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott“, schreibt der Briefautor. Das Gute tun: darauf kommt es hier an. Wenn wir das Gute tun, und das führt uns in das Leid, dann gehen wir immerhin in den Fußstapfen Christi.

 

Leiden in Kauf nehmen, um anderen zu helfen: Genau das können wir in unseren Coronazeiten einüben. Das Leid, das wir in unterschiedlicher Form derzeit alle erfahren, ist nicht an sich gut. Aber vielfach ist es gerade dafür gut, anderen zu helfen und sie zu schützen. Wenn derzeit Arbeitsplätze gefährdet sind, dann lässt sich solches Leid nur ertragen im Blick darauf, dass es der Gesundheit von vielen dient. Die Abstandsregeln und Kontaktverbote dienen dem Schutz von Menschen insbesondere in den Risikogruppen, und in diesem Bewusstsein lassen sich auch Einschränkungen und Einsamkeit eher aushalten. Deutlich wird das für mich beim Mundschutz, der ab morgen für bestimmte Handlungen und Tätigkeiten Pflicht wird, wohl auch Pflicht werden wird für die Gottesdienste, die die Politik ab Mai wieder zulassen will. Der Mundschutz bedeutet ja keine große Einschränkung, dennoch ist er eine kleine, aber bedeutsame Geste: Mit meinem Mundschutz schütze ich ja weniger mich, sondern vielmehr die Menschen in meiner Nähe.

Das sind Zeichen der Solidarität, von der Bundespräsident Steinmeier in seiner Ansprache zu Ostern gesprochen hat: „Solidarität – ich weiß, das ist ein großes Wort“, hat er gesagt, und weiter: „Aber erfährt nicht jeder und jede von uns derzeit ganz konkret, ganz existenziell, was Solidarität bedeutet? Mein Handeln ist für andere überlebenswichtig.“

Sicher hat der Bundespräsident recht, wenn er sagt: Unsere Welt wird nach Corona eine andere sein. Ich erinnere mich daran – ich war damals 12 Jahre alt, wie sehr der Reaktorunfall von Tschernobyl unsere Welt verändert hat. Das war heute vor 34 Jahren, am 26. April 1986. Haltungen und Handlungen in unserer Gesellschaft haben sich seitdem in vielerlei Hinsicht geändert. Wie viel mehr wird das in einer Zeit nach Corona sein.

Jetzt schon können wir aber die Zeit nutzen, unseren Umgang mit dem Leid zu ändern und Solidarität einzuüben. Oder in der Sprache des 1. Petrusbriefes: In den Fußstapfen Jesu Christi füreinander Hirten sein. Denn „wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott“. Amen.

 

Fürbittengebet / Vaterunser

Gott, sein Sohn Jesus Christus ist unser guter Hirte und der Bischof unserer Seelen.

Du willst, dass wir dein Heil durch ihn erfahren und leben können.

Dafür danken wir dir und wir kommen zu dir mit unseren Bitten:

Wir bitten dich für alle, die unter der Corona-Pandemie leiden:

Wir denken an die Erkrankten.

Wir denken auch an die Ärzte und das Pflegepersonal in den Kliniken, in den Heimen, in den Arztpraxen und ambulanten Diensten, die für die Kranken da sind.

Lass sie alle in Gesundheit und Krankheit auf deine Gnade und dein Heil trauen.

Wir bitten dich für all die anderen, die unter den Einschränkungen dieser Zeit leiden:

Wir denken an die, deren Alltag zu Hause zur Hölle wird, wir denken an die Gestressten und die Einsamen und an die, denen die Situation psychisch zusetzt.

Wir denken aber auch an all diejenigen, die unter den wirtschaftlichen Folgen jetzt schon leiden, weil sie ihre Betriebe nicht öffnen können oder um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Sei ihnen allen ein guter Hirte, der für sie sorgt in schweren Zeiten.

Wir bitten dich für die Menschen in aller Welt, die besonders schwer unter der Corona-Pandemie leiden: Menschen die auf der Flucht sind oder in Lagern leben, Menschen, denen es sowieso am nötigsten zum Leben fehlt, die kein Haus haben, in das sie sich zurückziehen können, oder die keine ausreichende ärztliche Versorgung erhalten können.

Lass sie Gerechtigkeit erfahren und hilf zu besserem Leben auf dieser Erde.

Wir bitten dich für uns und deine Kirche in aller Welt, lass uns vertrauen auf deine Liebe und führe uns in die Nachfolge, dass wir lernen, für andere einzustehen, auch Leid auf uns zu nehmen und in der Hoffnung auf dein Heil trotzdem getrost zu leben.

Gott, diese Bitten bringen wir zu dir, und noch viel mehr liegen in unseren Herzen.

Im Vertrauen, dass Du uns hörst, beten wir, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Der Herr segne und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie, bleibt Ihr Gott befohlen! Ich wünsche Ihnen und Euch einen gesegneten Sonntag!

 

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