Andacht zum Sonntag Rogate

Guten Morgen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

wir begrüßen Sie heute Morgen zu unserer vorläufig letzten Audio-Andacht am 5. Sonntag nach Ostern. Am nächsten Sonntag ist es endlich wieder so weit. Die Verantwortlichen unserer Kirchengemeinde haben beschlossen, ab Sonntag wieder Gottesdienste im Kirchengebäude zu halten.

Der heutige 5. Sonntag nach Ostern heißt Rogate – betet! Das Gebet ist ein wunderbares Geschenk.

Alles, was uns bewegt, das Schöne und das Schwere, dürfen wir vor Gott bringen. Er erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber er erhört unsere Gebete. Das hat uns Christus versprochen. Darauf können wir uns verlassen.

Gott unser Vater, in deinem Sohn Jesus Christus hast du uns den Weg zum Leben gezeigt. Uns aber fällt es oft schwer, dir nachzufolgen.
Vergib, wo wir unsere Zeit vergeuden und unsere Gaben missbraucht haben.
Öffne unsere Herzen und Sinne für deine Botschaft. Vergib, wo wir schuldig geworden sind.


 


 

Barmherziger Vater,

du erhörst uns, wenn wir im Namen deines Sohnes zu dir beten.

Mache uns frei, nach deinem Willen zu fragen

und alle Hilfe von Dir zu erwarten.

Das bitten wir dich durch Jesus Christus,

unseren Herrn und Bruder.


 

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Sie alle kennen den Predigttext heute. Es ist das Vaterunser. Dieses soll heute im Mittelpunkt stehen.
Wie sollen wir zu Gott beten, so wurde Jesus von den Jüngern damals gefragt. Jedes Gebet beginnt mit einer Anrede Gottes. Doch da geht es schon an. Wie sollen wir mit Gott sprechen, wie sollen wir ihn nennen? Gerne greifen wir auf die Worte zurück, die Jesu gelehrt hat. „Vater unser im Himmel“. Der Vaterbegriff drückt Vertrauen und Nähe aus. Da ist jemand, der auf mich aufpasst und für mich sorgt. Aber nicht nur bei der Anrede, sondern auch beim Beten selbst gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, wie das folgende Gebet uns zeigt.


Zwiegespräch über Vaterunser

Beter: Vater unser im Himmel
Gott: Na was gibt’s denn?
Beter: Nanu, da redet ja jemand.
Gott: Na wenn Du mich ansprichst, will ich Dir ja auch antworten
Beter: Bist Du das wirklich? Ich bin verblüfft.
Gott: Du bist ja gut, erst fängst Du an, mit mir zu reden, und wenn ich antworte, bist Du verblüfft.
Warum tust Du das dann?
Beter: Na ja, weil man das halt so macht. Gewohnheit eben.
Gott: Machst Du das öfter, so einfach aus Gewohnheit mit jemanden reden?
Beter: Nein, eigentlich nicht. Aber als Christ macht man das eben so.
Gott: Aha, ohne damit zu rechnen, dass es jemand hört.
Beter: Du machst es einem aber auch wirklich schwer. Man sieht Dich nicht, und soll an Dich glauben.
Gott: Nun, damit musst Du leben. Das wusstest Du aber, als Du Dich für mich
entschieden hast. Vielleicht noch nicht bei Deiner Taufe, aber bei Deiner Konfirmation auf jeden
Fall. Und - es gibt schließlich auch noch andere Dinge, die man auch nicht sieht, und die es
trotzdem gibt. Denk mal an Liebe oder Trauer.
Beter: Hast ja recht.
Gott: Aber jetzt red mal weiter. Was wolltest Du mir denn sagen?
Beter: Geheiligt werde Dein Name.
Gott: Das freut mich. Ich hoffe, Du meinst das ernst, oder ist das auch nur eine Gewohnheit?
Wie machst Du das denn, meinen Namen heiligen?
Beter: Hmmm, lass mich mal überlegen.
Gott: Ich helfe Dir ein wenig, es bedeutet, dass Du mich schätzt, dass ich Dir wertvoll bin und dass
Du mich achtest.
Beter: Genau das wollte ich sagen, Du hast das sehr gut ausgedrückt. Danke.
Gott: Bitte, gern geschehen. Aber mach weiter.
Beter: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
Gott: Na, jetzt bin ich gespannt, was Dir dazu einfällt.
Beter: Zum Beispiel, indem ich versuche, nach Deinem Willen zu handeln.
Gott: O.K. das ist schön. Und wie sieht das in der Praxis aus?
Beter: Wie meinst Du das?
Gott: Na, was tust Du dafür?
Beter: Na, ich trenne zum Beispiel den Müll, weil ich weiß, wieviel Dir an Deiner Schöpfung
gelegen ist.
Gott: Moment mal. MEINE Schöpfung trägt nicht unerheblich dazu bei, dass DEINE Schöpfung
- damit meine ich Dich und Deine Artgenossen – noch weiter besteht. Schon in Deinem eigenen
Interesse solltest Du an die Erhaltung der Schöpfung denken. Und findest Du nicht, dass Müll
trennen ein bisschen wenig ist?
Beter: Was soll ich denn machen? Soll ich vielleicht eine noch nie dagewesene Erfindung machen
die schlagartig all unsere Umweltprobleme löst?
Gott: Das verlange ich gar nicht, aber Du könntest zu Beispiel bei jeder Autofahrt erst mal überlegen,
ob sie vermeidbar wäre, oder ob Du die Bahn oder den Bus nutzen kannst.
Beter: O.K. kann ich machen. Darf ich jetzt weiterbeten?
Gott: Nur zu, ich bin ganz Ohr.
Beter: Unser tägliches Brot gib uns heute
Gott: Also, wenn ich Dich so anschaue, fehlt Dir eigentlich nichts.
Beter: Danke, sehr charmant von Dir. Das sagt man halt so.
Gott: Wärst Du denn mit Brot noch zufrieden? Viele Erdenbewohner bevorzugen dann doch eher
Hamburger, Pommes, Pizza.
Beter: Die sind natürlich auch nicht schlecht. Brot ist einfach der Sammelbegriff für sämtliche
Nahrung, die wir von Dir erbitten.
Gott: Jetzt hast Du was gesagt: „wir“ und vorhin „unser“ tägliches Brot. Denkst Du dabei denn
auch an Andere, oder doch in erster Linie an Dich? Für Dich ist es leicht, täglich an Brot
zu kommen, selbst sonntags kannst Du Dir ganz leicht frisches Brot und Brötchen kaufen.
Aber wie sieht es woanders aus? Zum Beispiel in Sambia, in Zentralafrika und im Tschad?
Sag jetzt bitte nicht, Du hast das nicht gewusst. Ein Knopfdruck am Fernseher reicht und
Du weißt Bescheid.
Beter: Du hast recht, das ist hinreichend bekannt. Aber was soll ich Einzelperson denn machen?
Ich spende jedes Jahr bei Brot für die Welt.
Gott: Da machst Du es Dir aber auch sehr einfach. Da ist durchaus noch mehr drin.
Beter: Ich weiß schon, worauf Du abzielst. Fair gehandelte Produkte meinst Du und den Ver-
zicht auf Regenwaldhölzer und andere existenzvernichtende Rohstoffe.
Gott: Ich sehe, Du weißt Bescheid. Also jetzt kommt’s auf’s Umsetzen an.
Beter: Es ist ganz schön anstrengend, mit Dir zu beten.
Gott: Was hast Du mir noch zu sagen?
Beter: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Gott: An mir solls nicht scheitern. Mit Vergeben kenn ich mich aus. Und bei Dir?
Beter: Bei mir? Klar, ich bin dabei.
Gott: Ganz ehrlich? Bist Du Dir da sicher? Denk mal an Deinen Kollegen, der Dir neulich
den Kundenauftrag weggeschnappt hat, von dem Du dachtest, dass er Dir ganz sicher ist.
Beter: Fang nicht damit an, da kann ich mich jetzt noch tierisch drüber aufregen. So viel steht
fest, ich hätte das nicht gemacht, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre. Das war
sowas von gemein. Er wusste genau, wieviel Zeit ich in diesen Auftrag schon gesteckt
hatte. Das vergess ich ihm nicht so schnell.
Gott: Aha. Und wie willst Du das Problem lösen? Willst Du um ihn von nun an immer einen
großen Bogen machen? Ihn mit Nichtbeachtung strafen?
Beter: Soll ich vielleicht so tun, als wenn nichts gewesen wäre? Dann macht er das beim nächsten
Mal wieder. Tut mir leid, aber da verlangst Du wirklich zu viel von mir.
Gott: Darf ich Dich daran erinnern, dass der Vorschlag von Dir kam? Wie auch wir vergeben unseren
Schuldigern.
Beter: Musst Du denn alles gleich so wörtlich nehmen? Manchmal meint man es eben nicht genauso
wie man es sagt.
Gott: Sollte man beim Beten aber schon. Und überleg mal, ob es Dir nicht auch besser gehen würde,
wenn Du die Sache mit Deinem Kollegen ganz schnell vergessen würdest. Wer weiß, vielleicht
hat er den Auftrag ganz dringend gebraucht. Er hat schließlich eine große Familie.
Beter: Ich denk nochmal drüber nach.
Gott: Na, das ist doch schon mal was. Ich unterstütz Dich dabei.
Gibt’s noch was, das Du mir sagen möchtest?
Beter: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Gott: Das kriegen wir hin. Aber Du musst mitmachen.
Beter: Wie meinst Du das jetzt? Verstehe ich nicht.
Gott: Na, meinst Du, ich würde mir erst diese ganze Mühe mit euch machen, um Euch dann
eine Stolperfalle nach der anderen zu stellen?
Beter: Wohl eher nicht. Und was ist jetzt meine Aufgabe bei der Sache?
Gott: Nun, Du weißt ja, worauf es mir alles ankommt, und Du weißt auch, wo Deine wunden
Punkte sitzen. Dann setz Dich Deinen Versuchungen doch gleich gar nicht aus, dann
gerätst Du erst gar nicht ins Straucheln.
Beter: Ich wird‘s versuchen.
Gott: Schön von Dir. Ich merke schon, unser Gespräch hat sich gelohnt.
Noch was?
Beter: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen
Gott: Das sind starke Worte. Und Du meinst das ernst, das sind keine leeren
Worthülsen?
Beter: Nein, keine leeren Worthülsen. Mir ist während unserer Unterhaltung so Einiges
klar geworden. Beten bedeutet, im Gedanken ganz bei der Sache zu sein. Beten
ist kein Automatismus, den man zur „Beruhigung seines religiösen Gewissens“ einfach
herunterleiert und insgeheim schon überlegt, was man danach macht. Gebete und
gerade das Vaterunser sind Orientierung, Stärkung und geben Hoffnung auf ein
ewiges Leben nach dem Tod. Deshalb hat dieses Gebet all unsere Aufrichtigkeit und
Aufmerksamkeit verdient. Ende


 

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.

Im Vaterunser fasst Jesus alles Wichtige zusammen. wir sollen ehrlich beten.
Was zum Gebet noch gehört, davon hat Jesus in der Bergpredigt aus der unser Predigtext stammt, wir finden in bei Matthäus 6, 5-15, klare Vorstellungen. Zuerst fügt er vor das Vaterunser zwei Regeln zum Gebet:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Das Gebet ist ein Gespräch mit Gott, dem Vater. Wenn wir Gott als gemeinsamen Vater ernst nehmen, ist das Kämmerlein nur ein Bild. Es meint:
Das Gebet ist keine Darstellung des Gebets vor anderen Leuten.


Die zweite Regel ist:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

An dieses zweite Wort schließt Jesus dann das Vater unser an. Es geht also darum, auch unserem himmlischen Vater nichts vorzumachen. Es kommt nicht auf die Zahl der Wörter an. ES geht es nicht darum, wer am schönsten und am längsten betet, wer die besten Gebetsideen hat oder die ausgefeilteste Sprache verwendet.

Gott kennt uns und freut sich über unsere Worte, auch wenn es wenige sind. Er lehrt uns ein Gebet, in dem alles vorhanden ist.
Es verleiht mir einen festen Stand und zeigt uns, wo oben und unten ist. Wir sollen Menschen sein und nicht Gott, sagt Martin Luther


 

Heiliger Gott.

du bist wie ein guter Vater und wie eine
Mutter. Um Christi willen erhörst du unsere Gebete.
Durch ihn bitten wir dich: Für deine Kirche:
Gib ihr offene Augen für die Nöte dieser Welt
und Kraft, für alle einzutreten, die in Not sind.
Für die Regierenden:
Steh ihnen bei und hilf ihnen, Frieden zu schaffen
und zu erhalten.
Für alle, die nach Sinn und Halt für ihr Leben suchen:
dass sie dich finden in Jesus Christus, deinem Ebenbild.
Für unsere Kranken und Leidenden:
Schenke ihnen deine Nähe und Hilfe.
Für uns selbst:
Hilf uns, jeden Tag auf dich zu hören und alles vor dich zu bringen, was uns bewegt.
Herr, unser Gott, dir befehlen wir uns und alles, worum wir bitten, an. Du hast deinen Sohn aus dem Tod befreit und befreist auch uns zum Leben durch ihn, Christus, unseren Herrn.

alle Online-Andachten

alle Online-Andachten: Klick hier

Die aktuelle Andacht auch telefonisch anhören unter 09721-3701193