Bebauen und Bewahren

Bebauen und bewahren

Gustav Klimts „Bauerngarten mit Sonnenblumen“ und Gen 2,4b-9.15

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

„Bauerngarten mit Sonnenblumen“ heißt ein Bild das mich bezaubert, von Gustav Klimt, dem österreichischen Maler . Kein Kies mit großen Blumenkübeln, kein kurzgeschnittener Rasen mit außenrum Blumen, sondern einen Bauerngarten, in dem alles miteinander wächst, hat er gemalt: Blumen und Gemüse und Obst und Kräuter, nach Jahreszeit; eine Fülle aus Duft und Farben und Früchten zum Genießen, die Lebensraum bietet für Bienen und Schmetterlinge und Vögel, die da nisten und brüten, und Igel, die ihren Platz finden unter Laub und Büschen. Wenn man mit seinem inneren Ohr hineinlauscht in das Bild,

kann man es förmlich hören, wie es da summt und brummt und raschelt, und wie schön die Vögel singen!

Die goldglänzenden Bilder von Gustav Klimt sind bekannter: „Der Kuss“ oder „Die Frau in Gold“. Aber auch dieses Bild leuchtet: Sattgrün, das sich hoch auftürmt, mit lauter unterschiedlich großen Blüten in gelb und rot und blau und weiß als Leuchtpunkte.

Klimt malt flächig, nicht perspektivisch, also so, dass man nicht sozusagen „von außenoben“ auf etwas schaut, sondern praktisch mit drin ist im Bild; hier steht man gewissermaßen vor einer grünbunten Tür, die einlädt weiterzugehen und den Garten zu betreten, um noch viel mehr Schönes entdecken zu können.

Die wunderbare alte Paradieserzählung in der Bibel fällt mir dazu ein: Von Gott und Adam und Eva und dem Garten Eden, im 1. Buch Mose. Nicht um eine in unserem Sinne naturwissenschaftliche Erklärung der Entstehung der Erde und allen Lebens geht es da, sondern um Lebensraum, den Gott dem Menschen gibt, dem Erdling, den er wie ein Töpfer aus Erde geformt hat mit Kopf und Bauch und Händen und Füßen, dem er seinen Atem einhaucht, damit er lebendig wird und lebendiges, eigenständiges Gegenüber und Gesprächspartner sein kann. Verantwortung traut Gott ihm zu für den großen Garten. Und er bekommt auch noch ein ihm entsprechendes Wesen, einen weiteren Menschen, den Gott schafft, damit alles passt zum guten Miteinander in diesem Garten. Wahrhaft gut Lebensgrundlage für alle.

Die ist immer noch da,

auch wenn Adam und Eva und wir nicht mehr so in diesem Paradies des Anfangs leben, im Rahmen, wo alles klar und gut geordnet und geschützt ist. Aber noch immer – das ist geblieben – ist so vieles einfach schön, wie in diesem Paradiesgarten!, in unserer Welt! So schön, dass es Sinn macht, das zu erhalten, und nicht zu leben nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut“! Sondern Verantwortung zu übernehmen, die Gott uns zugedacht hat, dass es unserer Erde nicht immer noch heißer wird, dass sie weiterblühen kann als herrlicher Garten wie auf Gustav Klimts Bild, dass sie weiter atmen kann, und wir mit ihr!

Es wird gehen

mit Verzicht auf manchen Komfort und auf Bequemlichkeiten, mit Miteinander-Teilen mit anderen, mit Einsparen von Ressourcen bei Plastik und Wasser und Strom, mit Vermeiden von und Müll –

die berühmten kleinen Schritte im Alltag, die wir heute und jeden Tag gehen können. Aktiv dabeisein beim Weniger-Verbrauchen. Und gute Lebensräume schaffen und erhalten für Bienen und Vögel und für uns alle.

Auch in Corona-Zeiten, in denen manches an Umweltbewusstsein wieder in Vergessenheit gerät oder hintangestellt wird, können wir alle etwas tun, dass wir die schöne Lebensgrundlage, die uns anvertraut ist, bebauen und bewahren, wie es unser Auftrag ist, auch für die nachfolgenden Generationen. Sie ist es auf jeden Fall wert, unsere Erde, - unendlich wert-voll … und wir auch.

Gottes Segen und Behütung für diesen Tag heute!

Pfarrerin Gisela Bruckmann

Schweinfurt – St. Johannis und St. Salvator

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