Behaltet das Gute!

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Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

Es ist wieder Mittwoch – unser zweites öffentliches Friedensgebet nach zwei Monaten. Alle, auch ich, mit Mund-Nase-Bedeckung, 2 Meter Abstand, verkürztes Singen. Der Kreis ist überschaubar. Das Gespräch ist mühsam. Außer rund und Corona fällt uns erst nichts ein. Jemand sagt: “Die Masken nehmen die Energie.“ Es stimmt, sie sind wie ein Maulkorb, erschweren zu beißen, Kritisch zu sein, wie sonst!

Wie ist für Sie die Mund-Nase-Bedeckung?

Was war oder ist los in der Welt? Und stellen fest, Covid 19 ist ein gefräßiges Virus – es schluckt alles: die Karwoche und Ostern, alle Gedenktage und Feiern zu 75 Jahre Kriegsende, in Deutschland, in der ganzen Welt, nur nicht in Weißrussland!

Ende und Neubeginn für Stadt- und Kreisräte, Bürgermeister in Bayern; viele dramatische Ereignisse Weltweit – die immer noch brennenden Wälder um Tschernobyl, radioaktive verseucht; das Sterben von Migranten im Mittelmeer, die fürchterliche Lage in Flüchtlingslagern, die Kriege im Jemen, Syrien, Afghanistan, Libyen, die Klimakrise, steigende Arbeitslosigkeit, was wird wirklich in China gespielt? Oft sind das nur noch Randnotizen. Wir sind viel zu sehr mit unserem kleinen Alltag beschäftigt, halten uns ängstlich an die Regelung, sind unsicher; dürfen wir kritisch fragen. z.B. sind Mund-Nase-Bedeckung wirksam? Irgendwie sind wir coronanhörig! Und das Virus wird weiter fressen: Feste, Gedenktage, Olympia, Lokales – Globales… das Beethovenjahr, was mir persönlich sehr leid tut.

Das Virus frisst auch an uns oder versucht es, verengt den Horizont, dass wir Verbote, Einschränkungen so mancher Menschenrechte hinnehmen; vielleicht ist alles wirklich richtig… Das Erschreckende ist für mich, wie viele Helfershelfer werden, ihre kleine Macht ausnützen, Menschen anzeigen, denunzieren, manche saftige Strafe verhängt wird. Vor allem, es wird ständig Angst geschürt “jeder andere Mensch wird zum Feind, er könnte mich ja anstecken“, sagte ein Gemeindeglied.

Als Christ*innen und wache Menschen müssen wir wachsam sein, Maßnahmen und Verhalten hinterfragen, unseren gesunden Menschenverstand einsetzen. “Prüft aber alles und das Gute behaltet“, rät Paulus den Christen in Thessaloniki. So sind Christen in der Lage, die Geister zu unterscheiden, die das Virus mit sich bringt. Gute und Böse. Wir alle sind gemeint, nicht nur Kirchenleitungen. Gerade jetzt, wenn mit Regeln, die leider auch manche Gemeindeglieder ausschließen, Gottesdienst gefeiert werden darf.

Bonhoeffer würde seine Kirche mahnen, zuzugeben, zu bekennen, dass sie, wie alle sprach- und ratlos und unsicher war und Angst hatte. Und zu bekennen, dass sie vor allem auf der Suche ist, dass sie jetzt ihre ureigene Aufgabe, nach dem Evangelium zu leben, klarer wahrnimmt und “prüft“, sich nicht vom Virus schlucken lässt. Prüft, trotz Auflagen geschwisterliche Gottesdienste zu feiern, vielleicht im Freien, oder zu warten, bis sich die Lage weiter entschärft; dass alle, nicht nur Haupt- und Ehrenamtliche, mitdenken, wie z.B. eine Dame aus einem Seniorenheim mir Anregungen gab, wie dort ein Gottesdienst unter Einhaltung aller Regeln, möglich wäre. Vielleicht müssen Gottesdienste jetzt auch anders werden…

“Prüfet aber alles und das Gute behaltet“ – das ist wie eine Tür in einem verschlossenem Raum ins Freie öffnen (fürs Internet: siehe das Foto der geöffneten Kirchentür mit Blick auf den blühenden Kirschbaum in KiTahof) – das weitet den Horizont wieder, öffnet Verstand und alle Sinne für das Leben, die Menschen, die Schöpfung, den Himmel, die Sonne, die Weite, die Sorge, die Freude. Lässt trotz des Virus frei atmen, die Welt sehen, wie sie ist und einander wieder als Schwestern und Brüder Jesu, als Gottes Familie sehen.

Dann behalten wir das Gute!

Eva Loos

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