der gute Hirte

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Joh 10,11a.27-28a

Liebe Gemeinde,

75 Jahre Kriegsende! Ein Jubiläum, das in diesen Tagen fast schon in den Hintergrund rückt: Zum einen weil es lange zurück in der Vergangenheit liegt, zum anderen weil wir heute mit dem Krieg gegen Corona beschäftigt sind. Der „Kriegsschauplatz“ in dieser Woche war die Maskenpflicht.

So einen Mundschutz müssen wir also jetzt tragen. Nicht gerade angenehm. Man fühlt sich darin eingeengt. Braucht es das wirklich? Aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift! Man kann nur, wie ein braves Schaf zuschauen und machen, was einem die Politik vorgibt. Auch wenn es einschränkt und vielleicht sogar ärgert, dass über den Kopf hinweg bestimmt wird und man der Herde folgen muss.

Mit der Herde laufen, das hat angesichts des Jubiläums 75 Jahre Kriegsende einen bitteren Nachgeschmack. Da sind die Schwarz-Weiß-Fotos und Filme von damals: zerstörte Häuser, Menschen in Lumpen, Hunger, Elend. Ein ganzes Volk ging wie Schafe zur Schlachtbank, weil sie einem skrupellosen Führer bzw. „Hirten“ blind und ängstlich vertraut haben.

In unserem „Coronakrieg“ kommen Zweifel auf, was wir für den Erfolg schlachten. Was ist, wenn die „Kolateralschäden“ unserer Bemühungen, den Virus einzudämmen, größer werden als der Gewinn? Virustod gegen Arbeitslosigkeit, Depressionen, häusliche Gewalt, Erkrankungen durchs „Daheimbleiben“, durch fehlende Kontakte, zu wenig Sport? Leben gegen berufliche Existenz und persönliche Freiheit?

Der gute, integre Hirte und Führer schafft beides. Darum geht es in unserem Schriftwort für diese Woche. Jesus, der gute Hirte sorgt dafür, dass auf dem gefährlichen und steinigen Weg sowohl die ganze Herde, als auch die kranken, schwachen Schäfchen an der grünen Weide sicher ankommen. Wer auf seine Stimme hört, der weiß, dass beides zählt: Rücksicht auf die Schwachen und Fürsorge für die Gemeinschaft. Martin Luther hat dazu ein Buch geschrieben mit dem Titel „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Der Christ ist frei zu tun, was er will, und trotzdem darauf bedacht, dabei dem anderen zu helfen. Weil er auf Jesus, seinen Hirten hört.

Kein leichter Weg, diesem Hirten zu folgen, es verlangt uns einiges ab. Abwägen zwischen dem Wunsch nach eigener Freiheit, Selbständigkeit und Unabhängigkeit und der Sicherheit und Unversehrtheit der anderen. 75 Jahren Kriegsende lehren uns, dass der verheißene „totalen Krieg“ in den Abgrund führt, ebenso wie der grenzenlose, rücksichtlose Wunsch nach Freiheit. Kein leichter Weg sich einzuschränken und dabei frei zu bleiben, aber am Ende lohnt es sich, weil wir gemeinsam am Ziel ankommen.

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen Pfrin Sigrid Ullmann

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