Der Heilige Geist überwindet den Abstand

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Je länger die Coronazeit dauert, desto mehr Erfahrungen sammeln alle, Wissenschaftler, Politiker, Kirchenleitungen, Behörden, kleine Leute. Dadurch wachsen auch mehr Freiheiten trotz (Abstands)regeln und Masken.

So haben viele von uns schon seit fast einem Monat Erfahrungen mit Coronagottesdiensten gemacht. Vieles ist vergleichbar mit den Regeln beim Einkaufen, Behörden, Gaststätten … Dennoch ist es in der Kirche ungewohnt, so künstlich Abstand halten zu müssen.

Als ich neulich einem afghanischen Flüchtling beim Taufgespräch die Bedeutung von “Sünde“ erklären wollte kam mir ein interessanter Nebengedanke: Im Althochdeutschen ist Sünde “Sund“ das ist Abstand, Abgrund. So wie der coronabedingte Abstand. Falsches Verhalten gegen Gott, Menschen, Schöpfung und mir selbst schafft Abstand, etwas Schlechtes, Trennendes, Belastendes, Schuld. Der Coronaabstand wird als gut, als Schutz der Gesundheit gesehen. Das mag im Blick auf eine Infektionsgefahr stimmen. Im Blick aber auf gesundes menschliches Miteinander ist es Sünde. Nicht nur ich kenne Menschen, deren Seele durch Coronaabstand erst recht krank wird. Abstand ist daher weder da noch dort wirklich gut, auch wenn er aus jetziger Sicht richtig sein mag! Kommt es dabei nicht darauf an, was man aus der Abstandsregel macht? Vielleicht beobachten Sie auch zweierlei Art, die Regeln für den Gottesdienst aufzufassen.

Die einen nehmen sie sehr schwer und ernst, leiden darunter, wehren sich innerlich gegen die Mund-Nase-Bedeckung es kostet sie deshalb Überwindung, sie denken dauernd daran. So können sie das Mögliche nicht genießen, sind froh, wen es bald vorbei ist, haben Angst etwas falsch zu machen und sich so doch anzustecken. Nach dem Gottesdienst gehen sie gleich nach Hause.

Die anderen sehen es entspannter, nehmen es mit Humor wählen gezielt Farben oder Maskenmotive; setzen halt die Maske auf, halten in der Kirche die 2m Abstand, schauen sich nach den anderen um, nicken einander zu, genießen die Gottesdienste doch, ein bisschen Singen mit möglichst schönen Liedern, erleben auf ungewohnten Plätzen den Kirchenraum aus ganz anderer Perspektive. Draußen und mit größerem Abstand lässt sich reden und lachen … Ich finde, langsam gewöhnt man sich daran, trägt die Maske am Gummi wir eine Handtasche mit; entdeckt, es lässt sich auch mit Maske und Abstand kreativ sein, die möglichen Freiheiten nützen. Das heißt sich nicht auf die Sünde – den Abstand, die Schwere einlassen, ihn äußerlich halten, innerlich einander heiter und entspannt begegnen, und so Abstand überspringen. Dabei hilft besonders der Heilige Geist mit, dessen Kommen wir letzten Sonntag feierten. Den stört der Abstand, so oder so, nicht, auch das Coronavirus, der ist stattdessen demokratisch, kreativ, fröhlich, brennend, farbig, knisternd, aufmüpfig. Echte Veränderungen, neue Aufbrüche, Verbesserungen auch für “nach Corona“ kommen weniger durch menschliche Strategien, Regeln mit Strafe bei Nichtbeachtung, sondern durch den Heiligen Geist: “Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth“, so das Pfingstwort aus Sacharja 4.

Dieser Geist ist nicht nur bei den Christen zuhause, sondern überall, wo Menschenherzen für ihn offen sind. Wir können ihn einladen. In Dreieinigkeit haben wir das während der Lesung der Pfingstgeschichte gemacht: Unsere Osterkerze am Pfingstfeuer vor der Kirche angezündet, mit dem Läuten unserer Heilig-Geist-Glocke und dem Lied “Zieh ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast“ die Pfingstflamme auf der Kerze wie auf den Köpfen der Jünger in die Kirche getragen, sie freudig begrüßt und gebetet, dass Der Heilige Geist uns berührt, ansteckt, unser Gemeinden und Kirchen inspiriert über dass er um “neuer Normalität“ und “weiter so “ hinaus, sondern dass er uns “beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt“ (Luther), Sorge, Bangigkeit und Verzagtheit aus den Herzen nimmt und stattdessen, Fantasie, Kreativität, Freude und heitere Gelassenheit einziehen. Ich wünsche uns allen solche Geschenke des Heiligen Geistes.

Eva Loos, Dreieinigkeit.

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