Der Menschensohn muss erhöht werden

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

Liebe Gemeinde,

täglich sehen wir es in den Medien: Statistiken und Zahlen, die steigen - bei den Infizierten, den Toten, den harten Schicksalen in Deutschland, Italien, Spanien, England, in der USA, in der Welt. Man zählt die Betten in der Intensivmedizin, die Beatmungsgeräte, die Schutzkleidung. Man zählt die Insolvenzanträge, die Arbeitslosen. Es wird einem Angst bei dem Tempo und der Höhe der Zahlen. Die Frage taucht auf: „Ist Covid 19 Strafe Gottes? Hat Gott die Menschheit bewusst auf einen Leidensweg geschickt?“

Das Schriftwort, das über dieser Woche steht, nimmt Bezug auf einen biblischen Leidensweg. Die Israeliten durchqueren auf ihrem Weg ins gelobte Land ein Tal voller giftiger Schlangen - und werden gerettet, indem sie auf eine metallene Schlange sehen, die auf einem Stab in die Höhe gehalten wird. Ein Bild dafür, worauf wir den Blick richten. Ob wir mit unserer Blickrichtung unten bleiben, bei uns und unseren Zahlen und Statistiken. Oder ob wir nach oben zum Himmel hochsehen. Woran wir glauben, was wichtig für uns ist.

In vielen Gegenden war und ist es heute noch üblich, dass bei Bestattungen ein Kreuz auf dem Weg zum Friedhof vorangetragen wird. Wie bei der biblischen Geschichte mit der Schlange. Im Angesicht von Schmerz, Traurigkeit und Tod den Blick nach oben auf das Kreuz richten. Der Blick, der Leben auch nach Leid und Tod verheißt.

Ist Covid 19 eine Strafe Gottes? Vielleicht hat sich der Mensch in seinem Wohlstand und seiner Überheblichkeit selbst bestraft. Anstatt den Blick nach oben zu richten, hat er die meiste Zeit auf sich selbst geschaut und keine Zufriedenheit und Erfüllung gefunden. Der Wohlstand hat uns zwar reich, aber nicht glücklich gemacht. Er hat uns entfernt von dem, was wirklich wichtig ist.

Manche von uns sehen im Leidensweg mit Covid 19 nach oben zu Gott, auf das, was zählt. Sie stellen ihr Leben um und spüren die Veränderung: Es wird ruhiger, langsamer. Wir verbringen viel Zeit zu Hause. Zeit, die wir nutzen können, um liegengebliebenes anzugehen, zu ordnen und uns neu zu sortieren. Von Wohlstandsproblemen zur Angst vor dem Überleben - wir haben eine beachtliche Wandlung in den letzten drei Wochen durchgemacht, Prioritäten verändert. Die Wahrnehmung geschärft auf einem gemeinsamen globalen Leidensweg. Um der Einsamkeit zu entgehen, können wir Freunde, Familie anrufen und uns wieder um alte Kontakte kümmern. Es sind Zeiten der Einkehr und der Besinnung. Vielleicht hinterfragen wir sogar unser Leben, unsere Rolle in der Gesellschaft vor (und nach) der Epidemie. Indem wir den Blick nach oben richten. Auf das, woran wir glauben, was wichtig ist. Und was und wer uns trägt – durch die Angst der hohen Zahlen, durch die Arbeitslosigkeit, vielleicht sogar durch Krankheit und Tod hindurch.

Der Blick nach oben, auf den erhöhten Jesus zeigt uns: es geht weiter. Es gibt wichtigeres. Es gibt Leben, das stärker ist als Krankheit, Arbeitslosigkeit, ja sogar als der Tod.

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin Sigrid Ullmann

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