echtes Leben

Mit einen herzlichen Grüß Gott aus dem Pfarrhaus in Obbach möchte ich meine Andacht an Sie heute beginnen.

Ich sitze auf meiner Terrasse; höre, wie die Vögel schon aus voller Kraft singen; sehe meine Forsythien schon gelbe Blüten bekommen; auch die Bienen und Hummeln sonnen sich an meiner Hauswand. Ich rutsche ein bisschen in den Schatten, denn die Sonne hat schon viel Kraft. 

Da kommt es mir so unwirklich vor, dass wir gerade unter Katastrophenalarm stehen; Es kommt mir so unwirklich vor, dass uns ein Virus bedroht, dass das Leben vernichten kann. 
Ich bin froh, in diesen Zeiten zu hausen bleiben zu können, einfacher als viele andere, die nicht von zuhause aus arbeiten oder Dinge regeln können wie eine Pfarrerin, die im Pfarrhaus wohnt und arbeitet. 

Und in meinem Dahinsinnen bemerke ich, dass die Bienen, Hummeln und die Vögel viel lauter zwitschern und summen als sonst. Ich merke, dass weniger Verkehr auf meiner sonst so befahrenen Straße vor dem Pfarrhaus vorbeifährt. 

Und vielleicht ist es genau das, was uns gerade wieder wichtig wird: Das Leben! 

Nicht die Hektik mit dem Auto von einem Termin zu anderen zu hetzten, und mit seinem Lärm das Leben zu übertöten. Nicht der Stress, der uns so oft nicht hinhören und hinsehen lässt, wie das Leben wächst und blüht. 

Nicht die bedruckten Scheinchen, um die sich die Welt sonst dreht, sondern die Sonne in all ihrer Kraft zu spüren – die wir uns mit keinem Geld kaufen können. 

Nicht irgendwelche Zahlen auf einem Stück Papier, das man dann Zeugnis nennt, sondern einfach mal dazusitzen und über die Natur zu staunen, die übrigens nach unserem Benotungssystem auch „nur“ eine Zwei bekommen hätte, weil Gott sprach „Es war GUT!“ 

Auch wenn es mir auf meiner Terrasse gerade so unwirklich vorkommt, wird es irgendwie trotzdem gerade Frühling. Und das ist nicht unwirklich, sondern ECHT. 

Denn der Frühling, mit allen Vögeln und Bienen und Hummeln und Forsythien, sagt mir: Gott hat dem Leben so viel Kraft gegeben, bis ins kleinste Detail hinein, dass Wir Menschen es nicht klein kriegen werden. Und gerade der Frühling ist eine Zeit der Hoffnung, dass eben nach jedem Winter doch alles, was vorher leblos erschien, wieder Kraft bekommt, Kraft zum Leben. 

Dazu gibt es auch ein altes Psalmwort aus dem Alten Testament, das sagt: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“ (Psalm 27,1). 

Ich wünsche Ihnen, dass sie diese Kraft des Lebens ganz besonders spüren können, wenn sie auf Ihre Terrasse gehen oder einfach das Fenster aufmachen und eben nicht den Autolärm, sondern die Vögel hören. 

Bleiben Sie behütet.

Ihre Pfrin. Corinna Bandorf 

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