Eigentlich

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

eigentlich hätten wir heute Mitarbeitendenausflug in St. Johannis und St. Salvator.

Einmal im Jahr eine schöne Gelegenheit für alle, die hier rund um Kirche und Pfarramt und Kindertagesstätten im Dienst sind:

Dass wir uns treffen in anderem Rahmen, miteinander was unternehmen, Anregung bekommen, reden, hören, was sich gerade so tut, die Neuen kennenlernen.

Er steht noch immer im Kalender, so wie verschiedenes Andere, das für die Woche schon eingetragen war: Besprechungen, Planungen, Kirchenzeit mit den KiTa-Kindern, Kirchenvorstandssitzung, Besuche.

Alles muss ausfallen.

Ich merke, wie sich Unruhe breit macht in mir, Ungeduld.
Es soll doch endlich alles wieder normal sein!
Klar, und einiges läuft wieder an jetzt, aber alles halt sehr langsam, die Zeit wird lang …

Und gleichzeitig höre ich die Warnungen:
Es geht nicht, es ist zu früh, wir haben das Virus nicht im Griff.
Es muss so sein, wie es ist, damit es uns nicht doch überrollt.

Was also jetzt?
Aufräumen. Mein Arbeitszimmer.
Das ist dran, ganz dringend, ganz lange schon,
wie oft habe ich da Sachen nur abgelegt in Stapel und Häufen
und nicht wirklich weggeräumt, weil die Zeit knapp war.
Jetzt ist sie da.

Ich stoße auf einen Stapel Briefe zu Weihnachten, vor einiger Zeit, und fange an zu lesen. Ein Jahresrückblick. Eine Freundin schreibt. Von einer OP und Reha, die sie hatte. Es ist nicht gleich„alles gut“ geworden. Und vom Älterwerden schreibt sie, und von manchem Anderen, das nicht so leicht war, vom Abschied von ihrer Mutter.

Und dann:
„Und - das wollte ich auch sagen – ich habe soviel zum Dankbarsein. Und ich empfinde so oft, dass ich von Gott geleitet werde, gerade, wenn ich nicht weiß, wie alles gehen soll, was ein Tag erfordert. Es klingt so fromm, aber wenn ich es abgeben kann, was mich umtreibt, erlebe ich so oft das freundliche Angesicht Gottes und dass er mich rettet aus mancher Not. Wirklich, wirklich!“

Die Dankbarkeit, die ich da spüre, und das Vertrauen, macht mich selber ruhig.
Ich komme ins Nachdenken. Ich sehe so oft die Defizite – aber es gibt so Vieles, was gut und schön war und ist, was gelungen ist und gelingt, eigentlich, geschenkte Freude, geschenktes Leben.
Freundschaften, die geblieben sind auch über lange Entfernungen.
Menschen, die nachgefragt haben, wie’s mir geht, und es auch hören wollten.
Die da waren, wenn ich Hilfe gebraucht habe, wie ein Netz, das mich aufgefangen und gehalten hat.
Die mir Mut gemacht haben, etwas anzupacken und es mir zugetraut.

Der Psalm 103 fällt mir dazu ein:

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Nicht als Forderung, nur ja genug dankbar zu sein.
Sondern als Freude, die mir hilft, den Tag heute zu nehmen,
wie er ist, und das Beste draus zu machen.

Gottes Behütung und Segen, einen schönen Tag!

Ihre Pfarrerin Gisela Bruckmann

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