Eure Freude soll niemand von euch nehmen!

Einschneidende Maßnahmen sind zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus getroffen worden, Maßnahmen, die unseren Alltag in vielen Bereichen komplett verändern. Viele sind zwar damit einverstanden, aber doch traurig, dass sie bei dem schönen Frühlingswetter nicht gemütlich mit Freunden im Café sitzen können, dass der Ausflug am Wochenende mit Oma und Opa nicht möglich ist, dass sie nicht wie gewohnt sonntags in die Kirche gehen können und dort gemeinsam von Angesicht zu Angesicht Gottesdienst feiern können. Und je länger es dauert, desto mehr zehrt es an den Nerven und macht die Trauer über all das, was man verpasst, größer.

Ich denke in diesen Tagen aber auch oft an die Menschen, die um einen lieben Angehörigen trauern, egal, ob er an den Folgen des Coronavirus gestorben ist oder an einer anderen Ursache. Sie haben es momentan schwerer als sonst schon, denn Trauerfeiern sind nur in sehr eingeschränktem Maß überhaupt möglich. Sich in den Arm zu nehmen, womit wir unseren Trost sonst ausdrücken, das geht gerade nicht. Gute Freunde, Nachbarn und Bekannte zur Trauerfeier einladen, geht auch nicht. Nicht einmal nah beieinander zu sitzen, um zu merken: Ich bin mit meiner Trauer nicht allein. Vielen machen diese Einschränkungen das Herz noch schwerer.

Und dann lese ich in der Losung für heute: „Jesus sagt zu seinen Jüngern: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ Jesus redet die Trauer, die Traurigkeit nicht weg. Ja, jetzt ist Zeit, zu trauern über das, was alles nicht möglich ist, über all die Menschen, die sterben. Aber Jesus schaut auch nach vorne und lässt dort ein Licht aufscheinen: Es wird auch wieder anders werden. Es wird auch wieder eine Zeit geben, in der wir fröhlich feiern und uns von ganzem Herzen freuen. 

Der 93jährige italienische Soziologe Franco Ferrarotti ist überzeugt, dass es so kommt: "Ich glaube, wenn die Krise vorbei ist, werden wir eine enorme Wiederkehr von Lebensfreude und Lust am Wiederaufbau erleben. Ähnlich wie am Ende des Krieges wird es in ganz Europa eine unglaubliche Explosion an Lebensfreude geben."

Wir gehen auf Ostern zu, das Fest des Lebens und der Lebensfreude. Jedes Jahr feiern wir, dass Leid, Tod und Trauer nicht das letzte Wort haben, sondern dass Gott uns Leben schenkt, das stärker ist. Unser Gott ist ein Gott des Lebens und nicht des Todes. Er erspart uns Trauer und Tod nicht, aber er hat dem Tod die Macht genommen. Diese Osterbotschaft gilt seit 2000 Jahren und sie gibt mir Kraft, gerade in diesem Jahr, in dem alles ganz anders ist als sonst: „Jesus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

Amen

Behüte Sie Gott!

Ihre Pfarrerin Grit Plößel, Niederwerrn

Bild von klimkin auf Pixabay

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