"Ganz der Jesus!"

„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Lk 10,16a

„Ganz der Vater!“, „ganz die Mutter! - so sagen wir manchmal, wenn man ein Kind anschaut und die Eltern schier vor sich stehen sieht. Weil die Ähnlichkeit so verblüffend ist. Nicht nur beim äußerlichen Erscheinungsbild. Auch die Art, wie jemand sich bewegt, der Gesichtsausdruck, wie eine(r) reagiert, eine Geste, die vom Vater oder der Mutter kommen könnte, das Verhalten in bestimmten Situationen. All so was kann manchmal den Eindruck aufkommen lassen, als seien die Kinder eine leicht veränderte Neuauflage der Eltern.

Denn Kinder kopieren manchmal das Verhalten ihrer Eltern, ohne darüber nachzudenken, ganz automatisch.

Es ist eben so eine Verhaltensweise, so eine Reaktion, so ein gemeinsamer Gedanke, den man da in der Familie als Antwort auf eine bestimmte Situation hat. Und das führt dazu, dass man nicht nur dasselbe denkt, sondern dafür auch dieselbe Ausdrucksweise hat: denselben Gesichtsausdruck, dieselbe Geste, dieselben Worte findet.

Auch Jesus merkt: die Menschen, die ihm nachfolgen, beginnen so zu denken und zu handeln, wie er es tut. Sie lassen sich von seiner Art und Weise, die Dinge zu betrachten, anstecken. Von seiner Sicht der Welt – als einem Ort, an dem jederzeit das Reich Gottes beginnen kann. „Ganz der Jesus!“ - hat sich vielleicht auch der ein oder andere gedacht, als er/sie Jesu Jünger beobachtete. Als der/die Beobachtende bemerkt hat, wie die Jünger Jesu die Welt immer mehr als den Ort ansehen, an dem das Reich Gottes beginnt.

„Ganz der Vater, ganz die Mutter!“ hat man als Kind zu mir gesagt. Damals kam mir das etwas komisch vor. Als ob ich „nur“ das Produkt von Erziehung und Familiengewöhnung wäre. Heute weiß ich: es ist nett gemeint. Jemand bemerkt, dass etwas weiter geht. Dass etwas Gutes erhalten geblieben ist und in der nächste Generation weiter lebt. Wenn die Oma ganz stolzerfüllt ihrem Enkel mit den Worten begrüßt: ganz wie der Vater/die Mutter. Ganz wie mein Sohn/meine Tochter. Ganz die gute Einstellung, die ich weiter geben wollte. Mit der ich die Welt ein bisschen besser machen wollte.

„Wer euch (an-)hört, der hört mich (an). Und wer euch verachtet, verachtet mich.“ sagt Jesus selbst. Sein Blick auf die Welt hat die Welt zu einer besseren gemacht. Dadurch, dass Menschen sich seine Botschaft angeeignet haben. Mit tiefgreifenden Veränderungen, die bis hinein ins Fühlen und Denken reichen. Und dann ihren Ausdruck finden, in einer neuen Weltsicht, die das Reich Gottes beginnen lässt.

„Ganz der Jesus!“ - es wäre schön, wenn das heute jemand zu uns Christen sagen würde. Dass man bei uns etwas spüren kann davon, dass in dieser Welt das Reich Gottes beginnt.

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

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