gedeckter Tisch

Es ist Frühling. Überall grünt es. Vogelgezwitscher – die Natur erwacht. Ein Frühling, der zum Staunen einlädt. Und doch ist das Leben jetzt so anders. 

Sobald ich die Nachrichten einschalte, ist sie wieder da. Die Angst vor der unsichtbaren Gefahr. Und das Erschrecken angesichts so vieler, die sterben. 

Ich vermisse Begegnungen mit Freunden. So hatte ich mir die Fastenzeit nicht vorgestellt. Fasten von Nähe, von Umarmungen, von gemeinsamen Unternehmungen.  Aber jede Krise ist auch eine Chance! 

Der wohl bekannteste Psalm von David – Psalm 23 – erzählt vom dunklen Tal und von der Bedrohung durch Feinde. Aber mittendrin entdeckt David die Nähe Gottes und sein wunderbares Wirken. 

Du bereitest mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. (Psalm 23, 5)

In der aktuellen Situation verstehe ich diesen Vers ganz neu: Ein unsichtbarer Feind bedroht die ganze Welt und eben auch mein Leben - und doch schenkt Gott einen geschützten Raum. 
In der Bibel wird der Mensch ganz oft von Gott angesprochen mit den Worten: Fürchte dich nicht. Jemand hat nachgezählt, dass es genau 365 mal dort steht. Also für jeden Tag des Jahres. Menschen brauchen Zuspruch, jeden Tag neu, wenn sie in einer bedrohlichen Situation drin stecken.

„Du bereitest mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“

Werden wir wahrnehmen, wie Gott uns den Tisch deckt? Was ich bisher so selbstverständlich in Anspruch genommen hatte, wird nun zum kostbaren Gut. Ein gedeckter Tisch. Ein Telefongespräch, das ermutigt. Ein Lächeln von Menschen, die an mir mit Abstand vorbeigehen. Die Sonne, die mir warm ins Gesicht scheint. Die Farbenpracht der blühenden Bäume und Blumen. 

Mitten in der Bedrohung sagt David: Du, Gott, bist bei mir. Er richtet sich aus auf dieses großes Du. Er wendet den Blick weg von der Gefahr hin zu dem, der stärker ist. 

Ich kann jetzt weder auf Berge steigen, um Abstand von meinen Sorgen zu gewinnen, noch zu einem Nordseestrand laufen, um freier atmen zu können. Aber ich kann den geschützten Raum aufsuchen, den Gott mir schenkt. Ich bete, dass die Angst nicht übermächtig wird. Ich wende meinen Blick zu dem großen „Du“. Seine Nähe, seine Worte geben mir Frieden. Ich lasse mir die Worte zu sprechen: Fürchte dich nicht. 

Der Liedermacher Frieder Gutscher hat ein Lied geschrieben, das an den Regenbogen erinnert als Zeichen der bewahrenden Nähe Gottes. 

Über euch strahlt ein Licht,
das sich in bunten Farben bricht.
Meinen Bogen habe ich ausgebreitet,
bis hierher euch begleitet.
Ich bin da, der zu euch spricht:
Fürchtet euch nicht!

Ich vermute, dass wir alle uns an viele Situationen erinnern, in denen Gott uns die Treue gehalten hat. Aber weil ich das immer wieder vergesse – und vielleicht geht es ihnen auch so - will ich es heute neu hören: 

„Fürchte dich nicht. Ich bereite dir einen Tisch im Angesicht deiner  Feinde.“

Ich bete: 

Vater, viele Nachrichten, die wir in diesen Tagen hören, machen uns Angst. Und wir denken an jene, die ernsthaft krank geworden sind. Wir bitten dich um Heilung. 

Wir denken auch an jene, deren wirtschaftliche Existenz gefährdet ist. Wir bitten dich um Hilfe und Ermutigung.  

Wir können dem Leid nicht ausweichen. Aber wir glauben, dass es dein großer Plan ist, Menschen Gutes zu tun. Um Schutz und Bewahrung, um Trost in allem Leid bitten wir dich. 

Lass uns jeden Tag hören, wie du es uns zusprichst: Fürchtet euch nicht. 

Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen gedeckten Tisch, eine behütete Zeit.

Johannes Ziegler


Über euch strahlt ein Licht,
das sich in bunten Farben bricht.
Meinen Bogen habe ich ausgebreitet,
bis hierher euch begleitet.
Ich bin da, der zu euch spricht:
Fürchtet euch nicht!

1. Auch wenn dunkle Wolken aufziehn,
Regenschauer über euch hinweg gehen,
wenn ein rauer Wind euch ins Gesicht weht, 
und scheinbar nichts mehr weiter geht, dann haltet inne, werdet still, hütet die Sehnsucht, in der ich euch begegnen will.

2. Mit meinen Augen will ich Euch leiten,
eine Zukunft euch bereiten.
Wege mit euch gehen, die ihr noch nicht kennt, 
ich will euch führen in ein weites Land. 
Nehmt es ein mit eurem Mut, 
entfaltet was in euch verborgen ruht.

 

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