Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Ps 66,20

Liebe Gemeinde,
auch bei uns in Schweinfurt wurde die Woche auf dem Marktplatz gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie demonstriert. Menschen in ganz Deutschland sind wütend darüber, dass sie ihren Alltag einschränken müssen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. In Sachsen ist die Wut so groß, dass Abstandsregeln bei den Protesten nicht mehr eingehalten werden. Polizisten werden angebrüllt, beleidigt, angegriffen und verletzt. Das ist extrem und so geht es bei uns in Schweinfurt hoffentlich niemals zu. Trotzdem spürt man, wie die Menschen ungeduldig werden. 

Da ist die Wut und vielleicht auch die Angst, dass vor lauter Sicherheit die Bedürfnisse nach Freiheit, Leichtigkeit, Autonomie untergehen. Hinter der Wut steht die Erfahrung, dass wir im Leben oft genug dafür „kämpfen“ müssen, gesehen, gehört und verstanden zu werden. Wir bitten und erhalten von der anderen Seite ein „Nein!“ Das tut weh und die Enttäuschung sitzt tief. Dann fühlen wir uns dazu gerechtfertigt, mit Gewalt unseren Willen durchzusetzen oder uns vollständig zurückzuziehen und zu grollen.

Das mag auch einer der Gründe sein, warum es uns manchmal so schwer fällt zu beten. Wie oft höre ich den Satz: „Beten bringt nichts! Gott erhört meine Gebete nicht.“ Dahinter steckt die Erfahrung, dass wir, obwohl wir Gott innig um einen Lottogewinn, Gesundheit und Heilung, eine gute Note in der Probe, einen Arbeitsplatz und viele anderen Herzensangelegenheiten gebeten haben, unsere Wünsche jedoch nicht erfüllt wurden. Was für eine Enttäuschung! Es ist hart, das anzunehmen: Gott kann man nicht befehlen, manipulieren, umgehen oder mit Gewalt zwingen. Wir stehen mit leeren Händen vor Gott. Beten ist eine geistige Übung: Je mehr wir uns davon befreien, von Gott zu erwarten, Erfolg zu haben, desto inniger und näher verbinden wir uns mit ihm und spüren seine Liebe und Güte zu uns. Oft geschieht daraufhin das Wunder, dass etwas Positives unser Leben zum Guten verändert. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Wir bekommen vielleicht nicht die Hilfe, die wir uns wünschen, aber uns wird geholfen. Das ist eine bereichernde Erfahrung, die wir auch im Alltag erleben können.

Wir können uns freimachen von der Vorstellung, dass ein „Nein!“ als Antwort auf unsere Wünsche es rechtfertigt, mit Gewalt, Kampf und Rückzug gegen den anderen vorzugehen. Das letzte Jahrhundert hat uns mit Bonhoeffer, Martin Luther King, Gandhi und vielen mehr gezeigt, dass man sich für Freiheit und Menschenrechte sehr erfolgreich mit Gewaltlosigkeit und Frieden einsetzen kann. Doch dazu braucht es Geduld und die Haltung, gemeinsam etwas verändern zu wollen und nicht gegeneinander zu kämpfen. Das Gebet ist die geistige Übung, die uns dabei hilft, diesen Weg immer wieder in Liebe und Geduld zu gehen.

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