Gott kennt mein Herz

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott, „du allein kennst das Herz der Menschenkinder.“ Dieser Satz ist eher eine Nebenbemerkung in dem großen Gebet von König Salomo in 1. Buch der Könige. Diese Nebenbemerkung ist als Monatsspruch für den Monat Juni ausgewählt ist. Aber für eine Nebenbemerkung hat sie es ganz schön in sich!

Das Herz des Menschen ist in der Bibel der Begriff für die Mitte der Person, der Kern des Wesens. Kein Mensch könnte sagen, dass er oder sie alle Menschen wirklich im Kern ihres Wesens kennt. Welchen Menschen kennen wir denn wirklich? Manchmal kann sogar die Frage kommen: Kenne ich mich selbst überhaupt?

Gott kennt mich bis in die Tiefen meines Wesens.
Das kann einerseits erschrecken. Es ist ja nicht alles toll, was da in mir schlummert. Und davon kann ich nichts vor Gott verstecken.
Das kann aber andererseits auch gelassen machen: Ich muss vor Gott nichts verstecken.

An dem Punkt merke ich, dass die entscheidende Frage dahinter ist, an welchen Gott ich tief in meinem Herzen glaube
Glaube ich an einen Gott, der mit scharfem Blick aufpasst, dass ich ja nichts verkehrt mache – und wehe, wenn doch?
Oder glaube ich an einen Gott, der sehr wohl sieht, was ich mache, und auch was ich sage und denke, der mir aber in Liebe zugewandt ist? Dieser Gott will Gemeinschaft mit mir.

Er kennt mein Herz, mit allen seinen hellen und strahlenden Seiten und mit allen seinen Schattenseiten – mit der Schuld und mit dem Leid.

Diesem Gott ist es ein großes Anliegen, dass ich mein Leben so gestalten kann, dass es ein gutes Leben ist, dass es in seinen Augen ein gutes Leben ist.

Immer mehr merke ich, dass es eine Frage der Kraft ist: Woher nehme ich die Kraft, mein Leben so zu gestalten, dass es in den Augen Gottes ein gutes Leben ist?

Wir feiern gerade Pfingsten. Dieses Fest ist anders als Weihnachten und Ostern ohne ein sichtbares Zeichen wie Krippe oder leeres Grab.
Und doch brauchen wir auch Pfingsten. Dieses Fest erinnert mich daran, dass Gott seinen Geist geschickt hat. Dieser Geist ist eine Kraft, die in dieser Welt, die in meinem Leben wirkt.

Die Jünger von Jesus bekamen damals die Kraft, sie wurden im Herzen ermutigt, hinaus zu gehen und den Menschen von Jesus zu erzählen und sie zum Glauben an ihn einzuladen. Der Geist Gottes wirkte auch, dass die Menschen das verstanden.

Dieser Geist Gottes wirkt auch heute. Er gibt mir Kraft, mit meinen Gaben und Fähigkeiten vor Gott zu leben und tätig zu sein. Das gilt nicht nur für einen Pfarrer, das gilt für den Hausmeister und für die Hausfrau und für den Mitarbeiter im Büro und für die Ingenieurin.

Der Geist Gottes wird schon in der Bibel mit dem Wind verglichen: ich kann ihn nicht fassen, aber sein Wirken spüren. Er kann mich in Bewegung setzen und voranbringen.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Pfingsten – vom Geist Gottes, der Sie kennt, bewegt.

Ihr Pfarrer Stefan Bonawitz

alle Online-Andachten

alle Online-Andachten: Klick hier

Die aktuelle Andacht auch telefonisch anhören unter 09721-3701193