Ihr Wort in Gottes Ohr

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Ich kann das Wort nicht mehr hören.“ sagte dieser Tage eine Gesprächspartnerin zu mir. Sie meinte das Wort „Corona“. Mir fiel gelegentlich in den Nachrichten auf, dass der Moderator sagte: „Und jetzt noch Meldungen nicht zu Corona.“ Sind dies Zeichen, dass Menschen die Geduld verlieren?
Sind die Proteste dafür, dass die Beschränkungen wegen Corona schnell aufgehoben werden, auch ein Stück Zeichen dafür, dass Menschen es nicht mehr hören können, dass die Angst steigt, die Nerven blank liegen? Dabei meine ich jetzt nicht die, die Demonstrationen für ihre radikalen politischen Parolen ausnutzen.

Andererseits: dass die Infektionszahlen zumindest bisher nicht schneller steigen, verstehe ich als Zeichen dafür, dass die große Mehrzahl der Menschen sich weiter verantwortungsvoll verhält – übrigens auch meine Gesprächspartnerin, die das Wort nicht mehr hören mochte.

Wie wird es weitergehen? Kein Zweifel, dass die Nerven angespannt sind – unterschiedlich stark und mehr oder weniger bewusst, aber angespannt.

Was können Christen in dieser Zeit tun?
Sicher ist es unverzichtbar, weiter verantwortlich mit der Situation umzugehen, besonnen zu bleiben – auch wenn es anstrengend ist – sowie die Sicherheitsabstände und die noch bestehenden Beschränkungen zu beachten.
Keine Frage ist auch, dass es bei Einhaltung der Sicherheitsabstände auf der anderen Seite die innere Nähe zueinander braucht. Wo kann ich anderen helfen, und sei es durch einen Telefonanruf? Wie können wir als Gemeinschaft diese Herausforderung bewältigen?
Nicht zuletzt macht mich heute ein Vers aus dem Alten Testament auf das Gebet aufmerksam. In Israel erinnerten sich die Menschen damals daran, dass Gott ihr Gebet erhört hat. Das liest sich im 5. Mose, Kapitel 26 so: „Der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.“.

An das Gebet will ich heute erinnern. Denn da in der Bibel haben Glaubende vor vielen Jahrhunderten bezeugt: Gott hat unser Gebet erhört und unsere Not gesehen. Und sie bezeugen weiter: Gott hat uns geholfen und uns gerettet.
Sie meinen dabei nicht nur ein Gebet „halt mal so zwischendurch“: hinter dem Satz, dass Gott das Schreien erhört hat, steht ein Leben, bei dem der Kontakt mit Gott ein fester Bestandteil war.

Zu einem solchen Kontakt mit Gott wollen sie andere auch ermutigen.

Lassen wir uns auch von den Glaubenden der früheren Zeit zum Gebet einladen: Elend, Angst und Not hat Gott gesehen und gehört. Die Israeliten haben ihm alle Not ihres Herzens gesagt. Ihr Wort war in Gottes Ohr.

Je nachdem, wie es Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser ergeht: ob Sie eher genervt sind, ob Ihnen manchmal zum Schreien zumute ist, oder ob Sie eher noch innerlich ruhig sind, wird das Gebet ausfallen.
Es muss nicht immer ein ruhiges, wohlgesetztes und durchdachtes Gebet sein. Immerhin haben die alten Glaubenden damals auch vom „Schreien zu Gott“ gesprochen. Ich bin überzeugt, dass es auch kein Schreien sein muss, das sich in äußerlich hörbarer Lautstärke äußert. Gott hört auch den stillen Schrei des Herzens.

Wie auch immer Sie beten – leise oder laut, ruhig oder heftig bewegt, und auch ob Sie zu Gott, zu Jesus Christus, oder zum Heiligen Geist beten – lassen Sie das Gebet einen festen Bestandteil Ihres Lebens sein. Ihr Wort ist in Gottes Ohr!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag

Ihr Pfarrer Stefan Bonawitz

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