Jesus blickt nach vorn

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Lk 19,10

Liebe Gemeinde,

die Unbeschwertheit des Sommers liegt über uns: die Sonne scheint am wolkenlosen Himmel, Urlaubsstimmung, Eis-essen, Freunde treffen, … man könnte die Epidemie fast vergessen. Während die einen die Tage genießen, sitzt bei anderen die Enttäuschung und Wut über die letzten Wochen tief. Am Wochenende entlud sie sich in Stuttgart. Als eine Drogenkontrolle eskalierte, demolierten junge Männer die Innenstadt und gingen auf Polizisten los. Wut und Enttäuschung auf den Staat, die Polizei, die Politiker, die rückblickend angeblich zu wenig oder das Falsche gemacht haben, um ihre Bürger zu schützen. Manch einer sieht hier sogar eine große Weltverschwörung am Werk.
Wut und Enttäuschung auch in der Gemeinde, über den Lockdown, die Kirchenleitung bis hin zu Gott, der diese Pandemie zugelassen hat. Jeder hat etwas, was ihn/sie auf die Palme bringt.

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ dieses Schriftwort stammt aus einer Geschichte, in der etwas viele Leute auf die Palme bringt.

Als Jesus mit seinen Jüngern durch Jericho zieht, klettert der Zöllner Zachäus auf einen Baum, um Jesus zu sehen. Jesus wird auf Zachäus aufmerksam und besucht ihn bei sich zu Hause. Die Begegnung mit Jesus führt dazu, dass Zachäus ein neues Leben beginnt und die Hälfte seines Besitzes an Bedürftige verschenkt. Die Menschen in Jesu Umgebung verstehen die Welt nicht mehr. Sie sind enttäuscht und wütend, weil Jesus bei einem ausbeuterischen Zöllner eingekehrt. Der Zöllner Zachäus ist ein stadtbekannter Betrüger, der sich jahrelang an der Not der Menschen bereichert hat.

Doch Jesus ist egal, was gestern gewesen ist. Was alles falsch gemacht worden ist. Der Augenblick zählt: Dass man etwas erkannt hat und es jetzt richtig gemacht wird. Gott spricht uns immer wieder an, von unserer Palme und unserem Baum herunterzukommen, uns miteinander zu versöhnen und ein neues Leben zu beginnen.
In der Vergangenheit nach Fehlern und Schuldigen zu fragen, reibt auf. Als der Lockdown kam, waren wir alle ohnmächtig und verloren einer Situation gegenübergestanden, die wir so noch nie erlebt hatten. Für die es keinen Masterplan gab. Im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen, wie man es hätte besser machen können. Doch es übersieht, dass alle in dieser Situation ihr Bestes gegeben haben. Schuldgefühle, Wut und Enttäuschung verhindern, dass wir im hier und jetzt leben. Wir verlieren die Orientierung in einem Gedankengebüsch der Rechthaberei: Wir sind Auf der Suche nach Bestätigung von dem, was wir für das absolut Richtige halten. Und weil keiner sich genau so verhalten hat, wie wir es wollen, bringt uns das auf die Palme. Dabei übersehen wir, wie viele hilfreiche Ideen es gegeben hat. Wie viele gute und richtige Maßnahmen schon durchgeführt wurden. Die vielen kleinen Schritte, die zwar nicht alles gelöst haben, aber doch einiges Gutes bewirkt haben. Wo viele vieles richtig gemacht haben.

Wo sitzen oder stehen Sie? Oben auf der Palme bei den Wutbürgern und Weltuntergangspropheten oder unten: neben Jesus. Der uns darauf aufmerksam macht, dass alles Fehlerhafte und Falsche in der Vergangenheit nicht entscheidend ist. Bei ihm ist keiner verloren, solange er/sie sich dafür entscheidet, jetzt das richtige zu tun.  

Bleiben Sie behütet.

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin. Sigrid Ullmann

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