Kreuzweg der Arbeit: Meine Hoffnung und meine Freude

Liebe Gemeinde, liebe Hörerin, lieber Hörer,

Hoffnung und Freude in Zeiten der Corona-Krise – Ja.

Heute am Montag der Karwoche wollten wir, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda), die Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (afa), die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und die Kath. Betriebsseelsorge wieder einen Kreuzweg auf Schweinfurter Straßen zu Themen und Problemen der Arbeitswelt unter dem Titel “Unser Kreuz mit der Arbeit“, gemeinsam mit vielen, auch mit Ihnen, gehen.

Nach zwanzig Jahren entfällt nun zum ersten Mal unsere ökumenische Aktion. Freude können wir darüber nicht empfinden, aber diese Situation ist jetzt anzunehmen. Punkt.

Bei der Vorbereitung zu diesem Kreuzweg der Arbeit auf Schweinfurter Straßen haben wir uns die Schwerpunkte „Transformation der Industrie: Wer zahlt den Preis für den Wandel?“, die „Arbeitsbedingungen in der Pflege“, das „Zusammenleben und zusammen arbeiten der Menschen aus den verschiedenen Nationen, Religionen und Kulturen in Schweinfurt konzentriert. An den Unterwegsstationen hätten wir darüber nachgedacht, wo Menschen heute in der Arbeitswelt in Situationen geraten, die mit dem Leidensweg Jesu Christi vor 2.000 Jahren vergleichbar sind. Wir glauben, dass auch heute noch Menschen gekreuzigt werden, ja ein sehr schweres Kreuz mit und in ihrer Arbeit zu tragen haben.

Unterwegs von Station zu Station wollten wir das Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“ singen. Begleitet hätte uns der Evangelische Posaunenchor Schweinfurt.

Sie wissen es: Es kam anders durch diese CORONA-Pandemie! Kreuzweg der Arbeit ist abgesagt.

Und dennoch, die Themen sind aktuell. Wenn wir als Christinnen und Christen sie auch heute nicht öffentlich beklagen, wir müssen darüber nachdenken! Wie soll „Gute Arbeit“ im stationären wie ambulanten Pflegebereich und bei den Hauswirtschaftlichen Dienstleistungen, die damit verbunden sind, aussehen?

Wir hören unsere vor Jahren schon aufgestellten Forderungen nach Guter Arbeit in der Pflege, angemessener Bezahlung, für die wir einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag forderten, jetzt noch deutlicher bestätigt. Eine Krankenschwester schickte mir einen nachdenklichen Satz: „Jetzt betteln alle, dass die Pflege durchhalten soll. Als die Pflege bettelte, hat keiner hingehört!“

Ist das nicht beschämend für eine Gesellschaft, wie unsere? Dienstleistungen sind uns nicht viel wert, sie sollen möglichst billig sein. Ja, ein Höchstmaß von zuverlässiger Arbeit anderer erwarten, aber eine ordentliche und angemessene Bezahlung ist nicht gemeinsam durchsetzbar. Hoffentlich rächt sich das jetzt nicht!

Der Wandel in der Arbeitswelt wird in Zukunft noch mehr Beschäftigte treffen. Was mich aber jetzt freut, sind tarifliche und betriebliche Regelungen, wie Beschäftigte in den Unternehmen gehalten werden. Eine weitere Haltelinie dazu sind die staatlichen Regelungen für das Kurzarbeitergeld und Unterstützungsangebote für unter anderem kleinere Unternehmen und Soloselbständige.

Insgesamt, so denke ich, müssen wir mehr denn je unsere Zeit jetzt nutzen, darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft zusammenleben, zusammenarbeiten und miteinander umgehen wollen. Dafür können wir und Sie besonders die Kar- und Ostertage nutzen. Denn an Ostern feiern wir traditionell die Auferstehung Jesu.

In diesem Jahr hätten wir zu unserem Holzkreuz ein eigens für unseren Kreuzweg vom Lichtinstallationskünstler, Ludger Hinse, gefertigtes Lichtkreuz mitgeführt. Ein Kreuz in rot und schwarz auf dem Weg zur Auferstehungs-Station.

Auferstehung im österlichen Licht soll uns Hoffnung und Freude geben, ganz besonders auf unseren Wegen durch diese Zeit. Auch wenn ich akzeptieren muss, in den Ostersonntag ohne die gemeinschaftliche Osternacht in meiner Gemeinde zu gehen.

Jeden Tag begleitet mich der Liedtext aus Jesaja 12, den ich mal laut und auch mal leise singe. Sie finden ihn im Gesangbuch EG 697, Seite 1190:

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht:
Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht,
auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Kar- und Ostertage.

Auf diese besonderen Kreuze müssen Sie in Schweinfurt dennoch nicht verzichten. In der St. Johanniskirche, in der Heilig-Geist-Kirche und im Eingangsbereich des +plus.punktes (ehem. Katholisches Dekanatszentrum) können Sie diese sehen. Die Kirchen sind offen und laden Sie zum Gebet ein.

Evi Pohl,
Sozialsekretärin, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der ELKB,
Leiterin kda-Regionalstelle Schweinfurt

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