Licht gegen Corona

Bild des Benutzers Stefan Stauch

Liebe Leser,

das Corona-Virus hält uns alle gefangen. Auch unsere Kirchengemeinden. Gottesdienste und Veranstaltungen fallen bis auf Weiteres im ganzen Land aus. Dennoch steht unsere Kirche in Sennfeld - wie wohl viele Andere auch - von früh bis zum Einbruch der Dunkelheit offen zum Innehalten, zum Nachdenken und zum Gebet. Vor den Stufen des Altars – neben  dem Gebetsleuchter - steht seit einigen Tagen eine Kerze. Sie brennt den ganzen Tag über. Ihr Licht darf man nutzen, um ein Teelicht anzuzünden und es auf den Gebetsleuchter zu stellen. Das Licht dieser Kerze berührt mich jedes Mal, wenn ich die Kirche betrete. Vor allem am Abend, wenn es schon dunkel ist.

Ein Märchen von den Philippinen fällt mir dazu ein, das Märchen von der Halle des Lichts: Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, da wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger bestellen. Er versammelte die Weisen seines Landes und rief seine beiden Söhne herbei. Er gab jedem der beiden fünf Silberstücke und sagte: „Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloß bis zum Abend füllen. Womit, das ist eure Sache.“ Und die Weisen nickten und sprachen: „Ja, ihr jungen Leute das ist eure Aufgabe.“ Der älteste Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in der Mühle auszupressen. Das ausgepreßte Zuckerrohr lag nutzlos umher. Er dachte sich: „Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen.“ Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgepreßte Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater: „Ich habe deine Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger.“ Der Vater antwortete: „Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten.“

Bald darauf kam auch der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgepreßte Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein. Der Vater sagte: „Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem erfüllt, was Menschen brauchen.“

Das kleine Licht in unserer Kirche, abends erhellt es den ganzen Altarraum. Ich spüre, wie es mir Mut und Zuversicht schenkt und denke mir: Auch wenn die Sorgen um unsere Zukunft momentan noch so groß sind, der Glaube ist mir ein Licht in dieser Zeit. Er schenkt mir Hoffnung und Zuversicht, dass wir alle miteinander diese schwere Zeit überstehen. Gemeinsam und im Vertrauen auf Gott sind wir stark. Wie heißt es in den Psalmen: „Der Herr ist mein Licht und Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“

Amen.

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