Motivation an grauen Tagen

Sie sind ziemlich unterschiedlich, die Tage, im Moment, erlebe ich.

Mal gut, meine Stimmung – und dann auch wieder total abgedämpft. Man hängt irgendwie so „in der Luft“. Keine wirklich tragfähigen langfristigen Ansagen. Aber klar, wer sollte sie denn machen können, so eine Situation wie jetzt gab es ja noch nie und es ist ein ständiges Weitertasten.

Wenn er doch nur endlich vorbei wäre, der Corona-Spuk! Könnte es nicht so sein, dass ich morgen aufwache und er ist einfach nicht mehr da? Aber nein, das geht nicht, und das Virus ist noch immer da, auch wenn man es nicht riechen und sehen kann und deshalb lieber vergessen möchte; aber das wäre verheerend, obwohl es so schön wäre.

Ich kann sie verstehen, die Sorgen, die dahinterstehen, wenn immer mehr „Öffnungen“ gefordert werden: Wie der wirtschaftliche Stillstand finanziell denn wieder aufgefangen werden soll, und wie die momentanen großen persönlichen Belastungen von Menschen denn wieder aufgehoben werden können; und ich sehne mich auch nach normalen Begegnungen und wieder mehr Nähe zu anderen, anstatt immer eher einen Schritt zurückzuweichen und sich mehr oder weniger aus dem Weg zu gehen. Es fällt mir schwer, alle möglichen Dinge abzusagen; gerade zum Leben in unseren Gemeinden gehört es doch, dass man sich treffen kann und Nähe hat! Die Gottesdienste, die ab Montag wieder stattfinden können, werden aber auch ganz anders sein als das, was uns bisher vertraut und lieb war.

Herausforderung, jeden Tag wieder neu: Den Lichtblick finden, sodass ich die Ungeduld bezwingen kann und das Warten aushalte, weil die Welt halt nach wie vor nicht „in Ordnung“ ist. Was kann es heute sein?

Moment – da war was. Die Gedanken gehen zurück zu heute vor einem Jahr: Besuch bei einer Freundin nach ganz langer Zeit. Der Kontakt war lahm geworden und schließlich eingeschlafen über der räumlichen Entfernung und dem alltäglichen Stress. Und dann hatte ich doch endlich getan, was ich schon längst tun wollte, hatte den Hörer in die Hand genommen und die Nummer gewählt. Den Gedanken „Sie könnte ja auch mal …“ weggedrückt. Ein schönes Gespräch, dann der Besuch. Wieder-Anknüpfen, das uns gelungen ist.

 

Das wäre doch auch etwas für heute. Mich bei jemandem melden, wo es lange schon dran wäre. Einfach mal hören, wie’s geht, selber erzählen, vielleicht etwas bereinigen, vielleicht Pläne machen für später. Es muss nicht lang sein, einfach mal ein Lebens- und Interessezeichen …

„Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut ihr ihnen auch!“ Die „goldene Regel“ aus dem Matthäusevangelium fällt mir ein. Ein Satz mit „Mehrwert“, sozusagen, denn es geht um Gutes für uns selber und für andere.

Das wäre doch was für heute: Jemandem zeigen, dass er oder sie mir etwas bedeutet und nicht vergessen ist, - so, wie ich es mir ja auch für mich wünsche. Und, nur Geduld, irgendwann dann, wenn es wieder möglich wird, kann es dann auch ein schönes Treffen geben. Aber jetzt nütze ich erstmal das, was jetzt möglich ist! Und da gibt es was!

 

Am besten, ich fange gleich damit an. Wo ist mein Adressbuch?

 

Einen erfüllten, guten und schönen Tag heute wünsche ich Ihnen!

 

Ihre Pfarrerin Gisela Bruckmann von Schweinfurt – St. Johannis und St. Salvator

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