Ostern ist noch nicht vorbei! Gott sei Dank!

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

wenn wir am kommenden Sonntag in der Kirche zum Gottesdienst zusammenkommen könnten, dann würde als Wochenlied ein Osterlied gesungen werden. Denn auch, wenn die meisten den Osterschmuck schon wieder verräumt haben, in der Kirche geht die österliche Freudenzeit bis Himmelfahrt. Deshalb verzeihen Sie mir, wenn ich gedanklich noch an einer Ostergeschichte hänge. Der Geschichte von den Emmaus-Jüngern. Zwei Bruchstücke aus dieser Geschichte spuken mir im Kopf herum: „Ihre Augen wurden gehalten“ und „Musste nicht…?“

Zum ersten frage ich mich, inwieweit meine Augen auch gehalten sind, ich Dinge nicht wahrnehme in diesen Wochen. Wie oft lasse ich mich vom Negativen gefangen nehmen. Da sind die Bilder im Kopf von den letzten Wochen, da ist die ungeheure Macht, die die Medien z.Zt. haben und doch schaffe ich es nicht auszuschalten, einen Tag mal nicht zu tun, was alle tun und einmal keine Nachrichten zu schauen und dafür in der Zeit etwas zu tun, was mir gut tut. Vielleicht auch was Verrücktes!?!

Ostern heißt: Glauben wider den Augenschein. Die Botschaft, dass Jesus lebt, stellt alles auf den Kopf. Lasse ich das zu? Darf mein Herz meine Vernunft auf den Kopf stellen? Das ist wirklich zum Lachen und lässt mich an eine Strophe aus einem Osterlied denken:

„Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn, sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht, das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.“ (EG 112.5)

Ich wünsche mir diesen draufgängerischen Glauben des Lieddichters Paul Gerhard, der zulässt, dass die aberwitzige Osterbotschaft sein Leben komplett revolutioniert. Seine Augen sind nicht gehalten, er sieht sein ganzes Leben, auch sein Unglück durch und wegen Ostern in einem völlig anderen Licht. Die enge Beziehung zu Christus, dem Auferstandenen, macht ihn mutig, ja draufgängerisch. Ich möchte mich davon anstecken lassen.

Der zweite Gedankensplitter ist das „Musste denn nicht…?“ aus der Ostergeschichte. Jesus macht hier unterwegs, im Laufen, ein religionspädagogisches Blitzseminar. Er dröselt die verwirrten Gedankenfäden und Glaubensknoten der traurigen und enttäuschten Jünger auf, und plötzlich können sie in dem Ganzen, was geschehen ist, einen Sinn und roten Faden erkennen. Seelsorge im Vorwärtsgehen, die aber das Zurückliegende in den Blick nimmt. Ich denke, genau das haben wir alle bitter nötig und werden es in den kommenden Wochen und Monaten brauchen: dass wir uns beim Zurückblicken, Einordnen und Beurteilen all dessen, was war, helfen lassen. Damit wir verstehen können und dankbar sagen „musste denn nicht…?“ Davon sind wir noch ein ganzes Stück weit entfernt. Aber mit Jesus, als Weggefährten, wird sowohl das Vorwärtsgehen, als auch der Rückblick gelingen.

Eine gute Wegstrecke heute mit Gottes Begleitung wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Elfriede Schneider

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