Osternachts-Andacht aus Obereisenheim

Andacht in der Osternacht 12.04.2020

 

Dies ist die Nacht.

Dies ist die Nacht der Grabesstille.

Dies ist die Nacht der Grabesstille nach dem Tod Jesu.

In dieser Nacht sitzen Menschen vor den Trümmern ihrer Gebäude.

In dieser Nacht dringt Menschen das Meer in die Stube – kein Deich rettet sie.

In dieser Nacht versuchen Ärzte und Ärztinnen und Pflegende Leben zu retten an den Krankenbetten.

In dieser Nacht warten Angehörige und Freunde zuhause auf gute Nachrichten. Oder schlechte.

In dieser Nacht trauert Gott um alles, was er geschaffen hat und das sich selbst immer wieder zerstört.

In dieser Nacht liegt Gott in Christus bei den Unbehausten, den Kranken, den Toten und den Hoffnungslosen.

 

In dieser Nacht wachen überall auf der Welt Christen-Menschen auf das Licht hin.

Wir erinnern, wie alles begann:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;

die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis,

und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.

Und wir erinnern, wie es mit uns Menschen begann:

Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.

Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Und siehe, es war sehr gut.

 

Nichts blieb wie es war. Der Mensch verlor sich und Gott gleichzeitig. Er wurde zum Himmel wie zur Hölle fähig, er liebt und tötet bis heute.

In Christus haben wir gesehen, wie das Leben in Gott aussehen kann. Aber auch, wie es scheitert. Und nun sitzen wir und warten, was daraus wird, eine Nacht, ein Jahr, ein Leben lang.

 

Gott, Du Grund und Abgrund unseres Lebens –

Wir warten auf Dein Erscheinen.

Wir sind deine Kinder, die im Dunkeln stehen und nach Dir rufen.

Vergiss uns nicht.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit – in Ewigkeit.

Amen

Das Volk, das in Finsternis geht, wird schauen ein großes Licht.

Die wohnen im Schatten des Todes, auf strahlt über ihnen das Licht.

Wach auf aus dem Schlaf, steh auf aus dem Tod, und Christus wird über dir leuchten.

Wohne nicht im Vergangenen. Blick nicht zurück.

Ich werde Neues beginnen, und es hat schon begonnen, sagt Gott.

 

Wach auf aus dem Schlaf, steh auf aus dem Tod, und Christus wird über dir leuchten.

 

Kyrie-Ruf

 

Wir entzünden eine Kerze in dieser Nacht. Feuer ist ein zwiespältiges Element. Es kann Leben zerstören und zu Asche verbrennen, aber es kündet auch vom Leben mit seinem Licht und seiner Wärme, mit seiner Kraft der Verwandlung. Im Bild des Feuers sah Jesus seinen Auftrag angedeutet, wenn er sagt: „Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte! Aber ich muss mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange bis sie vollbracht ist.“ (Lk 12, 49.50) 

 

Gott, du hüllst dich als Schöpfer in Licht wie in ein Kleid und selbst Finsternis ist nicht finster bei dir. Du hast unserer Welt durch Christus das Licht des Lebens neu geschenkt. Du entzündest uns zur Liebe mit deinem Geist und nimmst Feuerflammen in deinen Dienst. Im Schein dieses Feuers, das die Nacht erhellt, bitten wir: Lass brennen in uns die Sehnsucht nach deinem unvergänglichen Glanz, verwandle Trauer in Freude, führe aus der Finsternis ins Licht, lass kommen den neuen Morgen, der uns die Auferstehung kündet, und vollende uns alle im Anbruch des ewigen Tages durch Christus, unsern Bruder und Herrn.

Amen

 

Wach auf aus dem Schlaf, steh auf aus dem Tod, und Christus wird über dir leuchten.

 

Ich lese aus dem Kapitel 28 aus dem Matthäus-Evangelium (Mt. 28, 1-10):

Jesu Auferstehung

 

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

 

Der Herr ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

 

Das erste Osterfest, von dem wir eben gehört haben, war alles andere als freudig und ausgelassen. Voller Sorgen und Zweifel kommen die Frauen zum Grab. Am Ende scheint sich daran wenig geändert zu haben. Voller Furcht und schweigend fliehen sie vom Grab.

Auch unser Osterfest ist in diesem Jahr vermutlich ganz anders als gedacht.

Vielleicht sind wir voller Sorgen, Zweifel und Furcht. Halten die Stille und die Isolation nicht mehr aus.

Was der Engel im Grab den Frauen sagt, gilt auch uns: Jesus ist auferstanden, das Grab ist leer. Er geht euch voraus nach Galiläa, in eure Heimat. Er ist da, wo ihr wohnt, wo ihr festsitzt, wo euch die Decke auf den Kopf fällt.

Ihr seid nicht allein. Jesus ist bei euch und begleitet euch in diesen schweren Zeiten.

Jesus war tot und lebt wieder. Er bringt das Licht der Hoffnung in eure Dunkelheit. Es gibt Hoffnung, gerade gegen den äußeren Schein. Mit dem Tod ist nicht alles aus. Gott erhält unser Leben. Deshalb sagen wir auch

heute zuversichtlich:

 

Der Herr ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Dafür, dass Jesus bei uns ist und wir nicht allein sind, gibt es ein Zeichen: die Taufe. An sie erinnern wir uns heute.

Die Taufe erinnert uns auch daran, dass wir Teil einer großen Gemeinschaft sind. Durch Jesus sind wir miteinander verbunden, auch wenn wir einander

nicht treffen können.

 

Wir denken aneinander und beten:

Gott, du bringst Licht in unsere Dunkelheit,

wir danken Dir, dass du bei uns bist.

Sei bei allen, die mit den Folgen des Corona-Virus zu kämpfen haben. Gib Hoffnung, besonders den Kranken, den Sterbenden und ihren Angehörigen.

Gib Kraft, besonders den Ärzten, den Pflegekräften und allen, die sie unterstützen. Gib Ausdauer, besonders den Politikern und allen von uns, die täglich an ihre Grenzen kommen.

 

Gott, du bringst Licht in unsere Dunkelheit.

 

Sei bei allen, die in diesen Zeiten leicht vergessen werden. Gib Hoffnung, besonders denen, die unter Krieg und Gewalt leiden. Gib Kraft, besonders denen, die auf der Flucht sind und deren Zukunft ungewiss ist. Gib

Ausdauer, besonders denen, die sich für andere Menschen und ihre Nöte einsetzen.

 

Gott, du bringst Licht in unsere Dunkelheit.

 

In der Stille bringen wir Menschen vor dich, denen wir uns besonders verbunden fühlen.

Wir halten einen Augenblick Stille.

Gott, du hörst unsere Bitten,

du bringst Licht in unsere Dunkelheit.

 

Gemeinsam mit allen Christinnen und Christen beten wir das Gebet Jesu

Christi:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Gehen wir mit dieser Zuversicht in den Ostersonntag!

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und gebe euch Frieden.

 

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