Schmetterling sein, nicht Raupe

"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."

2 Kor 5,17

Liebe Gemeinde,

Bilder, die bewegen: In Spanien durften Anfang der Woche alle Kinder zum ersten Mal nach 42 Tagen für eine Stunde mit einem Erwachsenen das Haus verlassen. Man konnte lachende, spielende, ausgelassen tobende Kinder auf den Straßen sehen. Auch bei uns in Deutschland wurden nun die Ausgangsbeschränkungen gelockert. Es mag bei uns nicht so spektakulär wie in Spanien gewesen sein, dennoch war es ein schönes Gefühl, als unter strengen Sicherheitsvorschriften die Geschäfte, die Museen endlich wieder öffneten. Die Normalität hält Einzug: wenn endlich wieder in Geschäften eingekauft werden kann, wenn man einen lieben Bekannten treffen kann, wenn wir sehen, wie das „Leben“ in den Straßen zunimmt. Man spürt nach diesem „Coronawinter“, wie es langsam Frühling wird und etwas Neues beginnt.

Ein Neuanfang mit gemischten Gefühlen. Schließlich besteht immer die Gefahr, dass wir aus jeder Veränderung schlechter davon kommen als vorher. Viele haben in diesen Tagen Angst davor, dass sie sich von den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise nicht erholen können. Man sieht das alte Leben, wie es vor Corona war und kann sich nicht vorstellen, dass es ein neues Leben gibt. Zumindest keines, das genau so gut oder besser werden kann. Wenn wir uns so geistig, spirituell aufgeben, geben wir auch das Neue auf.

 

Das Schriftwort für die Woche verspricht uns, wenn wir uns in der persönlichen Neuausrichtung an Christus halten, dann wird der Neuanfang auch gelingen. Glauben wir an Christus, vertrauen wir seinen Worten, reden wir mit ihm über alles, was uns bewegt, dann wird uns das voranbringen. Wenn es uns seelisch gut geht, wird es uns auch bald materiell besser gehen.

Doch das Schriftwort geht noch weiter: Der Glaube an Christus hat die Kraft, uns sogar zu einem neuen Menschen zu machen. Wie geht das? Das altgriechische Wort „Psyche“ bedeutet Schmetterling. Er ist ein altes christliches Symbol für den Veränderungsprozess, den unsere Seele durch den Glauben durchläuft. Schmetterlinge werden in jedem ihrer Lebensabschnitte zu einer neuen Kreatur. Zuerst schlüpfen sie als Raupe aus dem Ei. Als Raupe fressen und schlafen sie, bis sie sich in einen Kokon einspinnen. Die kleine, fette Raupe scheint wie tot. Bis aus dem Kokon ein neues Lebewesen, ein Schmetterling entschlüpft. Die Seele, die durch den Tod gegangen ist und nun befreit vom Ballast „fliegen“ kann.

 

Die letzten Wochen waren einschneidende Erlebnisse für uns alle. So richtig vorbei ist die Epidemie noch nicht, doch es zeichnet sich ab, dass und wie wir mit der Krankheit leben werden.

Corona wird noch lange in unserem Bewusstsein nachwirken und Spuren in unserem Alltag hinterlassen. Wirtschaftsexperten sagen, es kann alles wieder so gut werden, wie es vor Corona war. Doch wir werden uns fragen müssen, ob wir uns damit zufrieden geben, dass wir den alten Stand erreichen. Ob es uns reicht, als Raupe durchs Leben zu kriechen, wenn man ein Schmetterling sein kann. Die Ausgangsbeschränkungen haben uns saubere Luft und reines Wasser gebracht. Die Debatte um Lockerung hat uns für unsere Grundrechte und unser Recht auf Freiheit sensibilisiert. Viele gesellschaftliche Themen wie häusliche Gewalt, Pflegebedingungen, Föderalismus werden von den „kleinen Leuten“ auf der Straße diskutiert. Durch die Not des Versammlungsverbot hat die Kirche mit Ihren digitalen Angebote zehnmal so viel Menschen erreicht, als durch Sonntagsgottesdienste.

Wir können nach Corona das Rad der Zeit für uns persönlich, für unsere Gesellschaft, unsere Arbeit, unseren Verein, unsere Kirche wieder zurückstellen. Uns den alten Ballast aufladen. Wir können aber auch als neue Kreatur in einen neuen Lebensabschnitt herausbrechen.

Bleiben sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin. Sigrid Ullmann

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