Täter des Worts, nicht Hörer allein!

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

um ein Geburtstagskind geht es heute. 301 Jahre alt wird es: die Salvatorkirche im Schweinfurter Zürch, die heute vor 301 Jahren, am 11. Juni 1719 eingeweiht wurde und ihren Namen erhielt.

Eigentlich gibt es sie schon viel länger. Ihre Anfänge liegen in der Zeit der Henneberger, als Burgkapelle. Nach Erweiterung wurde sie 1412 als „Liebfrauenkirche“ geweiht. In der Reformationszeit trat sie zweimal besonders in Erscheinung: Als Kirche, in der beim „Fürstentag“ 1532 in Schweinfurt die ersten „evangelischen“ Gottesdienste gefeiert wurden mit dem Luthermitstreiter und -freund Georg Spalatin, und als Ort, an dem der Schweinfurter Reformator Johannes Sutellius 1542 seine Antrittspredigt hielt. Im Stadtverderben 1554 wurde sie bis auf ihren Altarraum und die Sakristei fast völlig zerstört, wurde aber notdürftig wiederaufgebaut, wurde dann als Lager für Geschütze, dann für Mehl (was ihr den Namen „Mehlkirche“ einbrachte), und dann als Lager für Kriegsgefangene zweckentfremdet. Keine guten Zeiten.

Als der Stadtrat im Jahr 1717 zum 200jährigen Reformationsjubiläum beschloss, da nochmal neues Leben reinzubringen, war sie völlig heruntergekommen. Der alte Altarraum und die Sakristei blieben erhalten und wurden instandgesetzt, das Kirchenschiff wurde abgetragen und durch ein neues barockes ersetzt. Sie bekam ihren Turm mit der Kuppel mit Doppellaterne, und obenauf kam ein goldener Posaunenengel, der als sehr zuverlässige Wetteranzeige sogar von Friedrich Rückert bedichtet worden ist.

Eine bewegte Geschichte durch Höhen und Tiefen. Im 2. Weltkrieg wurde sie wieder schwer zerstört. Aber wieder blieb der alte Altarraum noch soweit erhalten, dass er Teil der Kirche bleiben konnte beim Wiederaufbau nach dem Krieg.

„In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet“ – die Liedzeile aus dem Lied „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ passt dazu. Die Salvatorkirche könnte es gut und gerne als ihr Lied singen!

Und ich nicht auch?

In diesen Wochen, in denen wir überall so „anders“ Gottesdienst feiern als gewohnt, mit Schutzmasken und auf Abstand, mit Sicherheitsdienst und Durchlüften und wenig Liedersingen,

fällt es mir schon immer wieder schwer, dabei fröhlich zu sein! Es zieht sich ganz schön hin, dass das Leben wieder „normal“ wird!

Mich an die Geschichte der Salvatorkirche zu erinnern, hilft mir, den Kopf oben zu haben. Immer wieder gab es neues Leben, als man dachte: Jetzt geht nichts mehr. Immer wieder waren da auf einmal ausgebreitete Flügel. Da ist genug Grund zum Vertrauen und zur Geduld!

Und noch eins nehme mich mir mit aus der Erinnerung an den Salvatorgeburtstag heute: Auf einer der Glocken und auf dem Kanzel-Schalldeckel damals stand: „Seid Täter des Worts, nicht Hörer allein“. Ein gutes Leitwort! Das könnte im Juni 2020 heißen, nicht Trübsal zu blasen über das, was gerade nicht sein kann, sondern es als vorübergehend anzunehmen. Und das Beste daraus zu machen.

Mit Fröhlichkeit sind wir, glaube ich, auf jeden Fall gute „Täter des Worts“!

Einen schönen Tag Ihnen heute, Ihre Pfarrerin Gisela Bruckmann. SW- St. Johannis und St. Salvator

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