…und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

das Singen im Gottesdienst fehlt mir. Geht es Ihnen auch so?
Gemeinsam Singen ist schwierig im Moment, und es wird wohl noch länger so bleiben.
Was können wir tun, um trotzdem etwas von der Kraft und der Freude der Lieder 
miteinander zu erleben?
Das haben wir, von St. Johannis in Schweinfurt uns gefragt. Unsere Idee ist, Gedanken dazu
miteinander zu teilen. Welches Gesangbuchlied liebe ich ganz besonders, und warum?
Dazu haben wir etwas aufgeschrieben und zum Nachlesen in der Kirche ausgelegt. 

Und einige andere haben sich dem schon angeschlossen. Christian Maurischats Text darf ich hier vorlesen: 

„Was bedeutet Lieblingslied? Ein Lied, das sich immer wieder meldet, das mir im Kopf herumgeht?
Doch davon gibt es im Laufe des Kirchenjahres viele: Das strahlende Tochter Zion im Advent, welches mir das Herz öffnet in der Erwartung des Weihnachtsfestes. Das stille Ich steh an deiner Krippen hier zu Weihnachten. Das herzzerreißende O Haupt voll Blut und Wunden zur Passionszeit.
Das strahlende Christ ist erstanden, wenn endlich Ostern ist. Oder im Sommer, wenn alles grünt und blüht, Paul Gerhardts Jubel- und Danklied Geh aus, mein Herz und suche Freud.

Aber die Festlegung auf ein Lieblingslied? 
Das muss mehr sein als ein Lied, das sich immer wieder meldet und mir im Kopf herumgeht. Das muss der Begleiter durch das ganze Leben sein. Und da gibt es für mich nur ein Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, zu finden in unserem Gesangbuch unter der Nummer 369.

Von Kindheit an bis heute begleitet mich dieses Lied, war mir sowohl Trost und Hilfe an den Bruchstellen meines Lebens, als auch Motivation und Zukunftshoffnung beim Innehalten auf dem Lebensweg. Noch in tiefster Verlassenheit, in größter Trauer entfalten die Worte Georg Neumarks 
eine seltsame Wirkung, rühren an, richten auf, geben Mut: Einfach sagen können „Wer nur den lieben Gott lässt walten …“. Einfach glauben können „Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ Einfach vertrauen können „so kommt Gott, eh wir’s uns versehn, und lässet und viel Guts geschehn.“ Wie naiv. Und wie schön. 
Gute Worte, beruhigende Worte; aber erst die Melodie des Liedes, ebenfalls von Georg Neumark, 
transportiert die Worte in mein Herz. Das ist das Wunder der Musik, das mich immer wieder staunen lässt: Zwei Hälften, Worte und Melodie, finden sich, wachsen zusammen und werden viel mehr als die Summe der Einzelteile – ob Gott wohl den Rest dazu tut?

J. S. Bach hat dieses Lied zu einer Kantate verarbeitet. Wie der geniale Musiker die Melodie den Worten des Textes entsprechend variiert und weiterentwickelt, berührt mich zutiefst, trifft mich ins Herz. Immer dann, wenn alles düster ist, wenn ich nicht weiter weiß, lasse ich diese Musik auf mich wirken. Und wenn dabei auch Tränen fließen, so enden Kantate und mein Lieblingslied doch voller Zuversicht und Gottvertrauen mit dem Versprechen: 
„Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Haben Sie nicht auch Lust, aufzuschreiben, was Ihr Lieblingslied ist, und warum? Freude und Kraft miteinander zu teilen? Es tut einem selber gut – und andere macht es froh! Nur wenige Zeilen, oder auch ein längerer Text, alles ist gut. Dass wir es zum Nachlesen veröffentlichen an einer Stelle in der St. Johanniskirche. Bitte schicken Sie es an mich: Martin-Luther-Platz 18, 97421 Schweinfurt. 
Einen schönen Tag heute und Gottes Behütung!
Pfarrerin Gisela Bruckmann von Schweinfurt – St. Johannis und St. Salvator

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