Vertrauen im Fluss

Liebe Geschwister in Christus,
erlauben Sie mir meine Andacht mit einer Geschichte aus Äthiopien zu beginnen.
Einmal wollte eine ältere Dame ihren Sohn besuchen, der im nächsten Dorf wohnt. Zwischen ihrem Dorf und dem Dorf ihres Sohnes gibt es ein Fluss ohne Brücke. Als sie schon unterwegs ist, fängt es zu regnen an. Der Regen war sehr heftig. In ländlichen Gebieten läuft man oft zu Fuß, um seine Verwandten zu besuchen oder andere Sachen zu erledigen. Deshalb muss diese Dame durch den Fluss zu Fuß laufen. Als sie mitten in den Fluss ist, steigt der Fluss hoch bis zu ihrem Hals. Die ältere Dame steht mitten in dem Fluss und fängt zu tanzen an. Auf der anderen Seite des Flusses stehen einige Leute, die Angst haben, auf dem anderen Ufer zu kommen. Sie beobachten, was dieser Dame passieren kann. Sie fragen, „Warum tanzest du, was macht dir Freude? Bist du dumm? Weißt du nicht, dass du ertrinken wirst? Der Fluss steigt noch hoch und fließt sehr schnell“. Die ältere Dame lacht und sagt ihnen, „Ich habe überhaupt keine Angst. Die beide Wege passen mir ganz gut. Wenn ich sterbe, werde ich meinen Mann sehen. Wenn ich überlebe und auf dem anderen Ufer ankomme, werde ich meinen Sohn sehen. Deswegen habe ich Freude“.

Liebe Geschwister in Christus,
mitten in einer Gefahr zu stehen und noch Freude zu haben ist nicht einfach. Es soll etwas geben, das einem Mensch in solcher Situation Freude macht. Unsere Zeit ist momentan eine Zeit, die mit einer schrecklichen Gefahr verbunden ist. Die ganze Welt ist erschrocken. Viele Geschäfte, Bildungsorte sind zu, keine Versammlungen für Gottesdienste oder andere Sachen, Schwimmbäder, Turn- oder Sporthalle, Spielplätze, Kino, Diskothek und vieles mehr bleiben zu. Wie lange? Man weiß es noch nicht genau. Sorge, Angst, Zweifel, … Was für ein Chaos, eine Katastrophe!
Nicht alle Menschen sterben an dieser Krankheit. Aber alle sind vom Ergebnis dieser Krise betroffen.

Also, wer steht uns in dieser Zeit nah? Durch den Glauben an Jesus Christus haben wir Hoffnung auf Gott, auf etwas Gutes. Ob wir direkt oder indirekt betroffen sind, sollen wir nicht ängstlich sein. Trotz Angst, Gefahr, Sorge in dieser Zeit, sollen wir froh sein, wie die ältere Dame mitten im Fluss. Gott spricht zu seinem Volk Israel, auch heute zu uns: „So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir“ (Jes 43,5a). In allen Zeiten, beim Guten und Bösen, ist Gott bei seinen Kindern. Das heißt aber nicht naiv zu sein, sondern sich zu informieren und aufzupassen. Vorbereitungen für die sicheren Wege sind wichtig. Dafür haben wir viele Informationen und Empfehlungen aus verschiedenen Perspektiven. Obwohl es für einige Wochen keine Versammlungen für Gottesdienste, Taufe, Konfirmation und vieles mehr gibt, können wir diese Passions- und Krisenzeit als eine Gelegenheit ansehen, unsere Verbindung mit Gott zu stärken, zu ihm zu reden, sein Wort zu lesen, zu ihm zu beten, die Last des Anderen zu tragen, uns mit unseren christlichen Gaben und der Kraft des Heiligen Geistes gegenseitig zu ermutigen, die Liebe Gottes Menschen nah zu bringen und vieles mehr. Dann sehen wir die Hände Gottes und ihr Wirken in dieser erschreckenden Zeit. Amen.

Pfarrer Mulugeta
 

Bild von Free-Photos auf Pixabay

alle Online-Andachten

alle Online-Andachten: Klick hier

Die aktuelle Andacht auch telefonisch anhören unter 09721-3701193