Wach auf und lebe!

Vor kurzem besuchte ich eine junge Frau. Sie sagte: „Ich muss täglich nur vier Stunden schlafen. Das ist erblich bedingt. Aber jetzt habe ich eine Tochter bekommen. Der habe ich das weitergegeben. Hat also auch Nachteile!“

Ganz anders bei älteren Menschen. Da sagen manche beim Geburtstagsbesuch: „Im Alter geht vieles nicht mehr so leicht. An manchen Tagen bin ich froh, wenn ich überhaupt aus dem Bett komme. Das ist dann schon meine größte Leistung an diesem Tag.“

Aufstehen ist wichtig. Nicht einfach sich gehen lassen und liegenbleiben, bis man tot ist. Sondern jeden Tag als Gabe, aber auch als Aufgabe sehen.

Paulus ruft es uns im Epheser-Brief zu:

Wacht auf, ihr Schlafmützen, steht auf von den Toten, so wird euch Christus erleuchten!“ Ein Ruf, der keinen träge liegen lässt. Wo nichts mehr sich regt, keine Hoffnung und Zukunft ist.

Wacht auf, ihr Schlafmützen, wenn es bequemer wäre, sich zurückzuziehen und alle Schwierigkeiten anderen zu überlassen!

Wacht auf, ihr Schlafmützen, wenn jemand in deinem Ort deine Unterstützung braucht, auch wenn er nicht der Sympathischste ist.

Wacht auf, ihr Schlafmützen, wenn manche „Deutschland, erwache!“ rufen, und nur den Ungeist des Nationalsozialismus wieder aufleben lassen wollen.

Der christliche Glaube macht wach und wachsam. Für andere Menschen, in Nah und Fern. Und das ist nichts Anstrengendes oder etwas, das uns nervt und überfordert. Sondern ein erfülltes, fröhliches Leben. Wo man nicht lasch vor sich hinlebt, sondern mit wachen Augen das sieht, was Gott uns vor Augen stellt: unsere schöne Welt, unsere ganz unterschiedlichen Mitmenschen, den, der mir hilft und den, der mich nötig hat.

Klar: Trotzdem kann schon ein kleines Kind uns so müde machen, dass du die Augen kaum mehr offenhalten kannst. Und erst recht kann die Müdigkeit des Alters alles andere im Leben überlagern.

Aber Paulus denkt bei seinem Weckruf an einen Weckruf, der so nachhaltig und intensiv ist, dass er aus aller Trägheit reißt. Und sogar den tiefsten Schlaf beenden kann. Den Tod.

In der Bibel wird für die Auferstehung von Jesus oft ein anderes Wort verwendet: Auferweckung. So war das also: Ein Weckruf von Gott selber war nötig, damit sich zeigt: Gott ist stärker selbst als der Tod. Sein Weckruf geht bis in das Grab. Seine Stimme rollt den Stein von den Gräbern. Das ist eine Hoffnung, eine Vision, die ans Ende nicht ein schwarzes, unendlich trauriges Nichts stellt. Sondern Gottes Stimme, die jeden, der sie kennt, zu sich ruft.

Aber Gottes Stimme ertönt nicht nur am Ende, sondern schon heute. Hören wir auf sie! Leben wir von ihr! Sie ruft uns: Wach auf und lebe!

 

Eine frohe Osterzeit wünscht Ihnen

 

Bernhard Vocke, Pfr.

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