Was ihr gehört

Leere Straßen, auf denen sich normalerweise Autos dicht an dicht drängen. Unheimliche Stille auf Plätzen, die sonst von Menschen überflutet sind. Ruhe, wo sonst lautstarkes Leben stattfindet. Die Welt steht seit Wochen still. Viele Politiker sprechen von einer schlimmen Krise und wenn man sich anschaut, dass viele Bereiche wie Kultur und Wirtschaft unter der derzeitigen Situation leiden, dann scheint das auch nachvollziehbar und richtig. 
 
Dennoch finde ich den Kontrast bemerkenswert. Worte wie „Ruhe“ oder „Stille“ klingen doch eigentlich nicht bedrohlich sondern rufen eher ein inneres Bild von Harmonie hervor. 
Viele Menschen, die noch vor ein paar Wochen über die Hektik des Alltags gestöhnt haben, befinden sich nun in einer von außen auferlegten Zwangspause und können endlich mal durchatmen. Auch die sonst so geknechtete Natur - Gottes geniale Schöpfung - erholt sich, wenn wir Menschen gezwungen sind, zu Hause zu bleiben. Es scheint, als holt sich die Erde ein Stück von dem zurück, was ihr gehört. 
 
Je nach Sichtweise kann eine Krise gleichzeitig eine Chance sein. Das lesen wir in vielen Geschichten der Bibel. Als Daniel in die Löwengrube geworfen wurde, weil er trotz ausdrücklichem Verbot weiterhin treu zu seinem Gott gebetet hatte, fühlte er sicher auch eine  große Angst. Er stand mit beiden Beinen in einer echten Krise. Doch im Vertrauen auf Gott blieb er unversehrt und nicht nur das. Als er die Nacht bei den Löwen unbeschadet überstanden hatte, geschah etwas Unvorstellbares. Der zuvor so brutale König erlebte einen Sinneswandel und erkannte den Gott Daniels an: „Das ist mein Befehl, daß man in der ganzen Herrschaft meines Königreiches den Gott Daniels fürchten und scheuen soll. Denn er ist der lebendige Gott, der ewiglich bleibt, und sein Königreich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende.“ (Dan. 6, 26). Es hatte sich gelohnt, dass Daniel in tiefem Vertrauen standhaft geblieben war. 
 
Lasst uns gerade in schwierigen Zeiten diese Herzenshaltung von Daniel annehmen. Wir können vielleicht manche Krisen nicht beherrschen oder kontrollieren, aber wir können auf einen Gott vertrauen, der uns liebt und uns nicht im Stich lässt. 
 
Krisen sind auch Chancen, weil sie uns die eigene Schwäche vor Augen halten und unser Wertesystem in Frage stellen. Sie sind damit auch Startpunkte für neue Wege in unserem Leben. Vielleicht ist es dran, gerade jetzt beim Nachbarn zu klingeln und ihm Hilfe anzubieten. Vielleicht ist es gerade jetzt dran, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und den alten Konflikt zu klären. Vielleicht ist es gerade jetzt die Zeit zu vergeben oder um Vergebung zu bitten, wo es nötig ist. Auf diese Weise können wir Positives bewirken und ein Stück von dem zurück holen, was uns gehört. 
Gleichzeitig kann somit echter Frieden in unsere Herzen kommen. Die Welt mag gerade still stehen, aber genau jetzt in dieser Zeit kann in uns Menschen durch Gottes Gnade etwas Gutes in Bewegung kommen.
 
Ich wünsche uns in diesen Zeiten den Mut und das Gottvertrauen von Daniel. Beschreiten wir mit Gott an unserer Seite neue Wege und strahlen wir so seine Liebe in diese Welt.

Jörg Neukirchner

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