Wer betet, der hat die Hand am Steuerrad der Welt

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Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus, mitten in der Karwoche,

“Meine Zeit steht in deinen Händen“, so lautet die Aufschrift und Windung unserer Zeitglocke in Dreieinigkeit, die wie viele andere Glocken um 7.00, 12.00 und 19.00 zum Innehalten und (vielleicht) zum Gebet einlädt.

Jeden Mittwoch um 19.00 treffen wir uns seit 29 Jahren zum ökumenischen Friedensgebet. Es ist offen für alle und bisher nie ausgefallen. So nehmen wir dabei die ganze Welt ins Gebet, soweit wir es wissen, die ganze Aktualität… Heute ist ein Mittwoch.

Es ist zwar in der Gemeinschaft abgesagt, aber wir FriedensgebetlerInnen beten nach der gemeinsamen Liturgie zuhause. Doch hat das Beten denn Sinn? Was hat es all die Jahre gebracht? Erst recht jetzt in dieser Kirchenzeit? Manchmal fragen wir uns das auch! Wenn sich nichts bewegt oder alles schlimmer wird. Dennoch, wir bleiben dabei: Beten hat Sinn. Natürlich wissen wir nicht, was es bei Gott bewirkt, was er verändert, auslöst, verbessert bei allem, was wir ins Gebet nehmen.

Aber immerhin, in Gemeinschaft Gleichgesinnter, die Sorgen und Nöte der Welt benennen, aussprechen, sammeln diskutieren… Unserer Verzweiflung, Wut, Angst und Ohnmacht eine Stimme geben, denen, die stumm geworden sind – das bewahrt eher vor Resignation und Angst, hilft auszuhalten, solidarisch zu sein… Wie es Jesus in der Nacht vor seiner Hinrichtung den Jüngern und sich selbst gesagt: “Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet.“ Raum hat aber auch die Freude, wenn etwas zum Guten führt, mancher Lichtblick sichtbar wird – Leider muss man sehr suchen…

Das ist das erste; vielleicht wichtiger noch ist: alles was geschieht, muss zuerst an Gott vorbei! Wenn wir das vor ihn bringen, dann sind wir in unseren Gedanken bei allen betroffen, dann sind wir in unseren Gedanken bei allen Betroffenen, das ist positive Energie, Hoffnung und vielleicht sogar Geist Gottes für sie.

Vielleicht spüren sie das, wissen sich unterstützt und ermutigt in ihrem Einsatz für das Gute, besonders jetzt.

Alle, die in der Versorgung, Pflege, Ringen um Corona-Erkrankte engagiert sind, dass sie gesund bleiben, langen Atem haben; dass alle Beteiligten und jede(r) einzelne mithilft, zusammensteht, teilt und auch danach so unterstützt, dass das Leben weitergeht. Anfangen bei den Regierungen aller Länder, der EU und bis zu Ihnen und mir. Positive, kritische Energie für machthungrige Politiker, die die Pandemie dafür missbrauchen, um die Demokratie auszuhebeln; Gottes Geist für die Stimme der Vernunft und der Menschenrechte – auch in den Flüchtlingslagern Griechenlands, der Türkei, Syriens, Libyens, der Seenotrettung…

Positive Energie für alle Helfenden, für Ältere, Mittellose, für alle in systemrelevanten Bereichen, auch für PfarrerInnen, die auch an Corona Verstorbene bestatten müssen und für ihre Familien.

Beflügelnde Energie und Heiliger Geist in alle Kirchen dass sie in diesen Tagen Ostern weitersagen und leben. Ja, ich bin sicher, Beten hat immer Sinn, beeinflusst und bewegt Menschen zum Guten, ist heilige Energie.

Weiter bin ich überzeugt, so beten können oder könnten wir alle – auf unsere Weise und in jeder Situation. Es bewahrt vor “Anfechtung“, es verbindet uns mit jahrtausendalten Erfahrungen der Psalmen, es schafft weltweite Gemeinschaft, es macht sicherer, aktiver, wacher, verantwortungsbewusster – und sendet positive, stärkende Energie, Gottes Geist dahin, wo sie oder er gebraucht wird.

Auf den Punkt: “Wer betet, der hat die Hand am Steuerrad der Welt“

Eva Loos, Pfarrei Schweinfurt-West

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