Wo der Himmel blüht

Christi Himmelfahrt feiern wir heute. Worum geht es da? Gibt es da überhaupt etwas zu feiern? Jesus hat sich den Blicken seiner Jünger entzogen, nur noch eine Wolke war zu sehen, erzählt die biblische Geschichte, die zu diesem Fest gehört. Ist das nicht eher ein Grund traurig zu sein? Ein endgültiger Abschied und Jesus nun weit weg in irgendwelchen fernen Sphären, wo wir ihn doch so dringend bräuchten in dieser Welt und in diesen Zeiten?

Manchmal scheint es uns so. Doch das Gegenteil ist der Fall. An Christi Himmelfahrt feiern wir, dass Jesus Christus der Herr unseres Lebens und der Herrn der ganzen Welt ist. Dem gehört nun die Herrschaft, der sich den Schwachen zugewandt hat, der Unterdrückte aufgerichtet und kleine Kinder allen zum Vorbild in die Mitte gestellt hat. Er ist nun gerade immer und überall gegenwärtig unter uns. Dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. „Nun bist du immer für uns da, entgrenzt von Raum und Stunden“, wie es in einem modernen Himmelfahrtslied heißt.

Darum brauchen wir unseren Blick auch nicht nach oben in die Wolken zu richten, wenn wir ein Stück von Gottes Himmel erspähen wollen. Hier, mitten unter uns und mitten im Alltag der Welt können wir etwas davon spüren, wie sich der Himmel auftut und Gottes neue Welt unter uns aufblüht. Hier erfahren wir etwas von der Herrschaft und Gegenwart Gottes. Dort, wo Menschen Gottes Liebe weitergeben, wo Menschen nicht in den Himmel schauen, sondern sich herab beugen zu denen im Staub. Davon erzählt auch das Märchen von den Himmelsschlüsseln:

Es war einmal ein großer und gewaltiger König. Aber eines fehlte ihm bei all seinem Reichtum: das waren die Schlüssel zu den Toren des Himmels. Er hatte tausend Sendboten ausgesandt, die Schlüssel des Himmels zu suchen, aber keiner konnte sie ihm bringen. Da beschloss der König, die Himmelsschlüssel selber zu suchen. Er ging bis zum Ende der Welt und kam zu dem Berg auf dem die Tore des Himmels gebaut sind. Der König stieg den steilen Berg hinauf. Vor den Toren stand ein Engel. Der König sagte zu ihm: „Ich habe alle Schätze der Erde, aber ich habe keine Ruhe, ehe ich nicht auch die Schlüssel zum Himmel habe.“ Der Engel sagte zu ihm: „Die Himmelsschlüssel sind leicht zu finden. Sie blühen in lauter kleinen Blumen, wenn es Frühling ist, auf der Erde.“ „Wie?“, fragte der König erstaunt, „Brauche ich weiter nichts zu tun, als jene kleine Blume zu pflücken? Die Wiesen und Wälder stehen ja voll davon und man tritt darauf auf all seinen Wegen.“ – „Ganz so leicht ist es nicht“,

antwortete der Engel. „Es sind nur dann richtige Himmelsschlüssel, wenn sie zu deinen Füßen und für dich aufgeblüht sind.“

Da ging der König nachdenklich den Berg hinunter auf die Erde zurück. Überall standen Wiesen und Wälder voll der schönsten Himmelsschlüssel. Der König hütete sich wohl sie zu treten, aber keine der Blumen blühte zu seinen Füßen auf.

Viele Jahre vergingen. Da ritt er eines Tages mit seinem Hofgesinde aus und ein schmutziges verwahrlostes Mädchen, das weder Vater noch Mutter hatte, bettelte ihn an, als er mit seinem glänzenden Gefolge an ihm vorüber kam. „Mag es weiter betteln!“, sagten die Höflinge und drängten das Kind bei Seite. Der König aber nahm das schmutzige Bettelkind, setzte es zu sich aufs Pferd und brachte es nach Hause. Dort ließ er es speisen und kleiden und pflegte es selbst. Da blühte zu seinen Füßen ein kleiner goldener Himmelsschlüssel auf. Der König aber ließ die Armen und die Kinder in seinem Reich zu seinen Brüder und Schwestern erklären.

Wieder vergingen Jahre und der König ritt in den Wald mit seinem Hofgesinde. Da erblickte er einen kranken Wolf, der sich nicht regen konnte. „Lass ihn verenden!“ sagten die Höflinge. Der König aber nahm den kranken Wolf und trug ihn auf seinen Armen in seinen Palast. Er pflegte ihn selbst gesund und der Wolf wich nie mehr von ihm. Da blühte ein zweiter goldener Himmelsschlüssel zu den Füßen des Königs auf. Der König aber ließ von nun an alle Tiere in seinem Reich zu seinen Geschwistern erklären.

Wieder vergingen Jahre, da ging der König in seinem Garten umher und freute sich an alle den herrlichen Blumen. Plötzlich erblickte er eine kleine Pflanze am Wegrand, die am Verdursten war. „Ich will ihr Wasser bringen“ sagte der König. Doch der Gärtner sagte „Es ist Unkraut, ich will es ausreißen und verbrennen. Es passt nicht in den königlichen Garten.“ Der König aber brachte der Pflanze Wasser – und die Pflanze trank und begann wieder zu atmen und zu leben. Da blühte der dritte Himmelsschlüssel zu des Königs Füßen auf und der König sah die Tore des Himmels weit geöffnet.

Einen himmlischen Tag wünsche ich Ihnen

Pfarrerin Barbara Renger, Schweinfurt – St. Johannis

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