Woher kommt mir Hilfe?

Stellen Sie sich den höchsten Berg vor, den Sie kennen, auf dem Sie schon einmal waren. Oder auch einen anderen hohen Ort.

Denken Sie an die Aussicht von dort oben! Den Überblick gewinnt man am besten weit oben – über allem. Dort oben ist alles zu sehen. Strukturen sind zu erkennen.

So ist es. Normalerweise.

Aber heute – in diesen Tagen und Wochen der Krise bin ich ganz unten. Ich bin im Tal. Und ein großer Berg nach dem anderen steht um mich herum.

Hier unten sehe ich mich und ich sehe die Berge.

Isoliert von den anderen. Und doch priviligiert. Denn:

Ich bin jung und gesund. Ich habe einen Job. Ich habe viele Menschen, zu denen ich Kontakt halte. Aber die Berge bedrängen auch mich.

Meine Gewohnheiten sind auf den Kopf gestellt. Ich fühle mich alleine und nutzlos.

Mutlos schaue ich die Berge um mich herum an und rufe „woher kommt mir Hilfe?“

Unten am Fuß der Berge. Ganz unten im Tal. Hier spüre ich im Ansatz wie es vielen Menschen geht.

Ich spüre in meinem eigenen Leben, wie es ist

  • keine sinnvolle Aufgabe zu haben.

  • keinen Kontakt zu lieben, wohlwollenden Menschen zu haben.

  • fern von der Heimat zu sein....

  • um die Gesundheit von Mitmenschen zu bangen.

Hier unten am Fuß des Berges ist mein Blick klarer als auf dem Gipfel. Ich sehe und spüre: Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Krankheit, Ungewissheit. Stunden- oder Tageweise spüre ich diese Gefühle – weil ein Virus die ganze Welt und auch mein Leben auf den Kopf stellt.

Ich lebe in der Erwartung, dass es „Gefühle auf Zeit“ sind. Bald, irgendwann wird es vorbei sein und ich werde den Berg hinauf steigen und in meinen gewohnten Alltag zurück kehren. Gesund, mit Arbeit und Aufgaben, mit Freunden und Familie an meiner Seite.

Aber was ist mit den Menschen, die schon vor Corona mit diesen Gefühlen gekämpft haben? Und die auch nach Corona noch damit kämpfen werden?

Ich sehe die Menschen, die freiwillig ihre Heimat und Familien verlassen – getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Nur wenige kommen auf sicherem Boden an und dann heißt es WARTEN. Sie müssen warten darauf, dass andere Menschen sie annehmen. Sie müssen warten, dass sie überhaupt arbeiten dürfen.

→ Keine Familie, Keine Freunde, Keine Aufgabe.

Ich sehe auch die Menschen, die keine Arbeit haben und seit Jahren auf der Suche sind nach einem Job, der sie erfüllt.

Ich sehe diese Menschen. Und ich fühle ihre Antriebslosigkeit. Die Frage nach dem Sinn. Das Gefühl, nicht gebraucht zu werden.

→ Keinen Alltag und keine Aufgaben zu haben kann ich jetzt besser nachempfinden.

Weiter sehe ich die Menschen, die sich um ihre Gesundheit sorgen, die in ihrem Alltag mit Schmerzen kämpfen und immer wieder an ihre Grenzen kommen, weil ihr Körper schwach ist. Krankheiten, die Menschen aus ihrem Leben herausreißen. Diagnosen, die mal mehr und mal weniger Hoffnung zulassen.

Ich sehe diese Menschen jetzt klarer als zuvor. Ich spüre die Schwere dieser Ungewissheit.

Schließlich geht mein Blick zu den Menschen, die in ihrem Leben auf sich alleine gestellt sind, die keine Familie oder Freunde haben, die ihren Alltag immer mit sich selbst verbringen. Die sich verlassen fühlen und kein Vertrauen aufbauen können, weil sie zu oft enttäuscht wurden.

Ich sehe diese Menschen und frage mit ihnen:

WOHER KOMMT HILFE?

Wo stehen Sie gerade? Auch ganz unten am Fuß des Berges oder irgendwo in der Mitte? Welchen Blick haben Sie? Sehen Sie auch etwas anders, vielleicht klarer als sonst?

Vielleicht habe ich vom Berggipfel aus den bessern Überblick. Aber das Detail sehe ich besser aus der Nähe, von unten.

Ich bin dankbar für diesen Perspektivwechsel. Ich will die Menschen auch in Zukunft sehen und spüren – echt und nah.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen – woher kommt mir Hilfe?

Wie tröstlich, dass der Psalm 121 mit dieser drängenden Frage nicht aufhört. Sondern, er gibt auch eine Antwort. Die Worte aus Psalm 121 geben mir Mut und Hoffnung.

Egal, ob ich ganz oben auf dem Berg stehe oder unten im Tal bin. Ich spüre, ich bin nicht allein. Denn Gott geht den Weg mit mir. Er will mir helfen. Und er sorgt sich um mich.

Amen.

Ich lade Sie ein, mit mir den ganzen Psalm 121 zu beten:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN,

der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels

schläft noch schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich;

der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!

AMEN

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