Zukunft - auf Fels gebaut

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

so langsam kehrt ein kleines bisschen Normalität zurück: Die Geschäfte dürfen seit heute wieder alle öffnen unabhängig von ihrer Größe. Tierparks, Museen und Bibliotheken sind für Besucher unter Auflagen wieder zugänglich. Und auch Tennis, Golf und andere Individualsportarten im Freien dürfen wieder ausgeübt werden. Nach den Abschlussschülerinnen und –schülern sind seit heute auch die 4. Klassen und die Klassen, die nächstes Jahr Abschluss machen, wieder in der Schule. In Mecklenburg-Vorpommern haben seit dem Wochenende die Cafés und Gaststätten wieder geöffnet, in Bayern kommt der erste Schritt dahin in der nächsten Woche.

Ein kleines bisschen Normalität – und doch ist vieles anders als vorher. Die Abstands- und Hygieneregeln und die Maskenpflicht machen deutlich, dass sich etwas verändert hat. Unser Alltag war in den vergangenen Wochen anders als gewohnt und er ist es für viele immer noch. Und wie ist es mit uns selbst? Haben auch wir uns verändert? Manchen ist vielleicht die Endlichkeit und Verletzlichkeit unseres Lebens deutlicher bewusstgeworden. Manche sind ängstlicher geworden, trauen sich gar nicht mehr, anderen Menschen zu begegnen, weil sie sich anstecken könnten. Manche waren an Corona erkrankt und spüren noch gesundheitliche Folgen, sind dünnhäutiger, wenn andere sich nicht an Abstandsregeln halten.

Und viele wünschen sich zwar wieder mehr Normalität, wünschen sich aber auch, dass manches so bleibt wie in den vergangenen Wochen. Die A-cappella-Gruppe Maybebop hat ein Lied dazu geschrieben: „Das, was besser bleibt.“ Sie singen darin von Dingen, die auch viele andere Menschen nennen, wenn man sie fragt, was die vergangenen Wochen nicht nur an Schwierigem, sondern auch an Positivem gebracht haben. Ganz häufig wird dabei die Entschleunigung genannt. Nicht von Termin zu Termin hetzen, sondern Zeit haben für Dinge, die sonst häufig zu kurz gekommen sind: 3 Romane am Stück lesen. Lange Telefonate mit Freunden, zu denen der Kontakt ein wenig eingeschlafen war. Sich auf das Wesentliche besinnen. Spaziergänge in der aufblühenden Natur. Mit der Familie in aller Ruhe an einem Abend spielen, an einem anderen Bilder anschauen und am nächsten dann ausführlich erzählen und nicht alles in einen Abend drängen zu müssen. Ein Junge antwortet auf die Frage, was besser bleiben soll: „Jeden Tag mit Papa draußen sein.“

Das, was bleiben soll, ist nach Meinung vieler auch die Wertschätzung systemrelevanter Berufe und zwar nicht nur durch abendliches Klatschen, sondern auch in finanzieller Weise. Häufig wird auch der verringerte CO2-Ausstoß durch die geringere Mobilität als etwas Positives genannt, das bleiben soll. Und der Zusammenhalt, die Nächstenliebe, dass wir für die Sorgen anderer nicht mehr ganz so taub und blind sind.

Maybebop singen in ihrem Lied: „Was wir als Normalität geduldet hatten, war auf Sand gebaut. (…) Die Köpfe sortieren neu zwischen echtem Wert und bloßer Nichtigkeit. Wenn wir uns das bewahr’n, dann wird daraus das, was besser bleibt.“ Mich erinnert diese Zeile an das Gleichnis Jesu aus dem Matthäusevangelium vom Hausbau: Wer auf Jesus vertraut und sich nach seinen Worten richtet, der hat auf Fels und nicht auf Sand gebaut, dessen Haus hält auch Stürmen und Platzregen stand.

Ich wünsche uns, dass wir einiges von dem, was wir an Positivem in den vergangenen Wochen erlebt haben, behalten, dass wir auch weiterhin einen Blick für die Sorgen der anderen haben, dass wir sehen, wo unsere Hilfe gebraucht wird, dass wir unseren Terminkalender nicht mehr ganz so voll machen, dass die Zeit mit der Familie nicht wieder Luxus wird, dass wir uns den Blick für die echten Werte behalten und nicht von Nichtigkeiten überdecken lassen, und dass wir in all dem auf Gott vertrauen. Dann haben wir auf Fels gebaut und dann wird daraus das, was besser bleibt.

Ihre Pfarrerin Grit Plößel

alle Online-Andachten

alle Online-Andachten: Klick hier

Die aktuelle Andacht auch telefonisch anhören unter 09721-3701193