Tristitia cordis - Herzeleid

Datum: 

28.10.2014

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Seit einer Woche hat Martin sein Zimmer nicht mehr verlassen.
Er arbeitet nicht, spricht nicht, starrt zur Decke, stundenlang.

Die Geschichte gehört zum Legendenschatz der Reformation. Der Mann ist Martin Luther.
Heute würde man seine Symptome Burnout nennen, Erschöpfung, die besonders die trifft,
die sich hohe Ziele setzen.
Er selbst nennt seine Krankheit tristitia cordis – Herzeleid – und er hofft,
dass Gott seine Krankheit sieht und ihm ein Zeichen schickt.

Als Käthe, seine Frau ihn so leiden sieht, zieht sie ihr schwarzes Trauerkleid an
und geht in seine Kammer.
„Ist jemand gestorben?“, fragt er erschrocken.
„Gott,“ antwortet sie, „ist für dich gestorben, wenn du nicht mehr betest,
sprichst und singst, dann ist er für dich tot und hat keine Macht.“

Käthe wird so ihrem Martin zum Zeichen, dass Gott ihn nicht vergessen hat.
Manch ein Wink Gottes kommt eben anders, als man denkt.
Vielleicht können Sie heute auf Ihre Weise jemand Käthe sein.

Pfarrerin Christel Mebert Bad Kissingen