Gründung der Ehrenamtsakademie der Diakonie Schweinfurt

Ehrenamtliche leben glücklicher

   
Vorstand Jochen Keßler-Rosa im Gespräch mit OB-Kandidatin Kathi Petersen (SPD) Dekan Oliver Bruckmann beglückwünschte den Initiator der Ehrenamtsakademie Uwe Kraus

Schweinfurt, 01. März 2010. Ein farbenprächtiger „Markt der (ehrenamtlichen) Möglichkeiten“ präsentierte sich im Evangelischen Gemeindehaus. Schweinfurter Institutionen und Organisationen warben mit Informationsständen um ehrenamtliches und soziales Engagement: unter ihnen die Bahnhofsmission, die Offene Behindertenarbeit (OBA), das BRK, Caritas, Johanniter, die Schweinfurter Tafel und Kindertafel sowie die Arbeiterwohlfahrt – kurzum: „eine reichhaltige Palette für ehrenamtliches Engagement“, wie es Dekan Oliver Bruckmann, der den Abend moderierte, auf den Punkt brachte.

Grund dafür war die Einladung des Diakonischen Werkes in Kooperation mit anderen Wohlfahrtsverbänden zur Auftaktveranstaltung samt Vorstellung der neu gegründeten Ehrenamtsakademie - übrigens der ersten in Bayern. Dazu schreiben die beiden Protagonisten der Steuerungsgruppe „Ehrenamt“ Uwe Kraus (DW-Projekt „Tatendrang“) und Herbert Rupp (bisher Leiter der OBA) im ersten Programmheft: „Ehrenamt, freiwilliges Engagement – das ist eine Chance für jeden Einzelnen, sich einzumischen und mit zu gestalten. Die Ehrenamtsakademie bietet neben attraktiven Qualifizierungsmöglichkeiten auch organisationsübergreifenden Erfahrungsaustausch für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende.“ Der ehrenamtliche Akademieleiter Rupp betonte vor vollem Haus, dass sich 23 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich engagieren: „Ehrenamtliche leben glücklicher.“
Den Hauptvortrag des Abend hielt DW-Vorstand Jochen Keßler-Rosa über das Thema „Soziales Kapital nutzen – aktiv sein für andere“: Mit steigender Lebenserwartung würden beispielsweise betreuungsintensive Erkrankungen wie Demenz zunehmen. Wer aber kümmere sich um die Betreuung der immer größer werdende Zahl von Pflegebedürftigen zu Hause, zu denen wir selbst bald gehörten? Zum anderen: Wie sei Menschen in Armut zu helfen – insgesamt 11.500 in Stadt und Landkreis? Wie ließen sich Menschen mit Migrationshintergrund besser integrieren – 6.500 Ausländer und 7.500 Spätaussiedler in der 53.500-Einwohnerstadt Schweinfurt? Angesichts des drohenden Kollapses der Sozialsysteme stellten Menschen, die für andere da seien, „ein soziales Kapital“ dar. Keßler-Rosa plädierte für „eine Kultur der hilfsbereiten Nachbarschaft“. Es bedürfe neben der Ehrenamtsakademie auch einer Ehrenamtsbörse, konsequenter Qualifizierung, Begleitung und Ermutigung der Ehrenamtlichen sowie mit Hauptamtlichen zu besetzenden Anlaufstellen in Stadtteilen und Wohnvierteln zwecks Organisation und Moderation. Seine Vision heißt „Quartier hoch vier“  mit den vier Aspekten „Wohnen“, „Gesundheit“, „Teilhabe“ und „Bildung“. Nur so ließen sich soziale Unruhen abbauen, ein positiver Standortfaktor erzielen und ein intaktes Sozialsystem im Quartier aufbauen.
Erwartungsgemäß ging Keßler-Rosa mit der Stadtverwaltung hart ins Gericht und kritisierte den Abbau von Sozialausschüssen. Aber auch von den Kirchengemeinden forderte er mehr Offenheit gegenüber dem gestarteten Ehrenamt-Projekt. Natürlich ergriffen in der anschließenden lebhaften Aussprache auch die (fast vollzählig) erschienenen OB-Kandidaten das Wort und zollten der Keßler-Rosa-„Predigt“ einhelliges Lob.

 

 
Die Veranstaltung stieß auf breites Interesse Brigitte Buhlheller präsentierte den Evangelischen Frauenbund
   
Der Infostand des katholischen Gesprächsladens mit Mitarbeiterin Wrobel und Leiter Robert Bundschuh Die Ökumenische Krankenhaushilfe mit Mitarbeiterin und Leiterin Christa Weinzierl durfte genauso wenig fehlen