"Unser Kreuz mit der Arbeit"

Kreuzweg der Arbeit auf Schweinfurter Straßen 2010

Schweinfurt, 29. März 2010. Die Schweinfurter Via Dolorosa kennt "nur" fünf Stationen. Fast 100 Personen beteiligten sich, in ökumenischer Eintracht, an dem vom kda, der afa, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und der Betriebsseelsorge alle zwei Jahre während der Karwoche veranstalteten Kreuzweg durch Schweinfurts Innenstadt. Ihre Zielsetzung: "Wir wollen dorthin gehen, wo Menschen in der Arbeitswelt ein Kreuz zu tragen haben, das sie belastet. Denn wir glauben, dass auch heute noch Menschen gekreuzigt werden. Darum dürfen wir nicht aufhören, an einer menschlicheren und gerechteren Welt zu bauen."

Treffpunkt, zugleich erste Leidensstation, war vor der SCHLECKER-Filiale am Marktplatz. Per Lautsprecher thematisiert wurden die dort herrschenden prekären Beschäftigungsverhältnisse: Niedriglöhne von 6,78 Euro/Std., Bespitzelung, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld: "Wo bleibt da noch die Würde?" Dazu intonierte eine Posaunengruppe das Lied: "Wir wollen aufstehn, aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander umzugehn."

Dann zog die Prozession, voran mit einem Holzkreuz, gefolgt von Pfarrern sowie Diakonen beider Konfessionen in Amtstracht, durch die Fußgängerzone zur Geschäftsstelle der IG-Metall. Dort betonte Kda-Sozialsekretärin Evi Pohl, dass starke Betriebsräte in der Krise notwendig und Ausdruck einer demokratisch verfassten Gesellschaft seien: "Gewerkschaften sind das Stärkste, was die Schwachen haben." Herbe Kritik übte sie am Unwort des Jahres 2009: "betriebsratverseucht".

An der Montessori-Hauptschule verlas Berufsschullehrer und Diakon Albert Ridder (KAB) die biblische Erzählung von der sog. "Opferung Isaaks": Abraham sollte seinen einzigen Sohn darbringen. Doch ohne die nächste Generation könne es keine Zukunft geben. Angesichts der grassierenden Jugendarbeitslosigkeit und fehlender Ausbildungsplätze fragte Ridder: "Wird auch diesmal - wie damals - Gottes rettende Hand eingreifen?" An Station Nummer 4, neben dem Hochaus der SKF-Verwaltung, kam es zu einer unangenehmen Unterbrechung durch das Sicherheitspersonal des angrenzenden Einkaufscenters "Stadtgalerie", das die Kundgebung auf seinem Grund und Boden untersagte. Der SKF, die gleichfalls das Betreten ihres Geländes untersagt hatte, wurde vorgeworfen, dass sie Zeitarbeitsverträge gekündigt, Leiharbeiter abgegeben und Kurzarbeit eingeführt habe. "Und was kommt danach?"

Trotzdem schloss der Kreuzweg am Katholischen Dekanatszentrum mit einem hoffnungsvollen Ausblick. Pfarrer Manfred Herbert, Dekanatsbeauftragter für kda/afa, machte anhand der Begebenheit mit den Emmaus-Jüngern deutlich, dass Jesus auch unseren Weg mitgehe. So begegne er uns heute etwa in den Arbeitskollegen und Betriebsräten. Dass niemand Angst vor der Zukunft haben müsse, signalisierten bei Einbruch der Nacht die vielen angezündeten Kerzen und das Lied "Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau' ich und fürcht' mich nicht." 

 

   
 

Oben links: Mitmarschierer - u.a. Sozialsekretärin Evi Pohl, Pfr. Manfred Herbert, die Diakone Albert Ridder u. Peter Hartlaub (Betriebsseelsorger) sowie Ulrich Werner (Diözesansekretär der KAB) u. Rudi Reinhart (Betriebsseelsorger)

Oben rechts: Unübersehbar mit dem Kreuz voran durch Schweinfurt-City

Unten links: Ungeplanter Stopp der Kundgebung durch dreiköpfiges Sicherheitspersonal der Stadtgalerie (l.)