Ein Diakon der Sonderklasse

Diakon Norbert Holzheid wurde nach 28 Jahren in Schweinfurt in den Ruhestand verabschiedet

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Diakon Norbert Holzheid

Die St. Johanniskirche war gefüllt bis auf den letzten Platz. Viele waren in Uniform gekommen, die ganze „Blaulichtfamilie“ von den Johannitern bis zur Feuerwehr war da, als „der Norbert“ an seinem letzten Arbeitstag in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet wurde.

Zum (vorerst?) letzten Mal bestieg er die barocke Kanzel und predigte dort über den Predigttext des Sonntags: Den bekannten „aaronitischen Segen“, der am Ende fast jeden Gottesdienstes gesprochen wird: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

Einer der bekanntesten Texte der Bibel, so Holzheid. Auch in der Justizvollzugsanstalt, deren Seelsorger er jahrelang gewesen war, sei er bestens bekannt. Gott sei für alle Menschen da, egal, welche Sprache oder Herkunft sie haben. Gott sage zu allen: „Ich begleite dich, ich gehe mit dir durch Höhen und Tiefen.“ Gerade die anwesenden Einsatzkräfte, die er jahrzehntelang begleitet habe, wüssten ja auch um die dunklen Momente im Leben, aber: „Gott verwandelt die Dunkelheit in Licht“. Sehr persönlich auf seinen letzten aktiven Arbeitstag bezogen schloss er: „Am Ende meines Arbeitslebens bin ich dankbar und froh, dass dieser Segen gesprochen wird.“

Dekan Oliver Bruckmann würdigte die umfangreiche Arbeit des Diakons. Nach seiner ersten Stelle in Michelau (Oberfranken), wo er als Gemeindediakon tätig war und umfangreiche Jugendarbeit betrieb und sich schon damals als ehrenamtlicher Kreisbrandmeister engagierte, kam er am 1. September 1997 nach Schweinfurt St. Johannis.

Die Liste seiner Tätigkeiten von der Jugend- bis zur Seniorenarbeit, von Ausflügen über Gottesdienste bis hin zu Veranstaltungen, wollte schier nicht enden.

Sein großes Organisationstalent fasste Bruckmann in einem Satz zusammen: „Was Holzheid macht, das klappt – so sicher wie das Amen in der Kirche.“

Neben seiner Gemeindearbeit engagierte sich Holzheid als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt, in der Notfallseelsorge sowie bei Feuerwehr, Johannitern und psychosozialer Notfallversorgung. Später kamen Aufgaben im Seniorenbeirat der Stadt hinzu. Sein Engagement reichte weit über Schweinfurt hinaus bis auf die Landesebene.

Weil seine Aufgaben immer weitere Kreise zogen, wurde die Stelle schließlich 2012 dem Dekanatsbezirk zugeordnet.

Sein größtes Projekt war sicherlich die Organisation der ersten Vesperkirche in Bayern im Jahr 2015. Sie sollte deutlich machen: Kirche und Diakonie gehören zusammen! Gemeinsam für Leib und Seele.

Als 2020 im Zuge der Landesstellenplanung die Stelle von Norbert Holzheid gestrichen werden musste, wurde ihm dafür berufsgruppenübergreifend die Pfarrstelle für Geschäftsführung und Verwaltung der neu gegründeten Pfarrei Schweinfurt-Stadt übertragen. „Du warst der Mann dafür“, so Bruckmann. Seelsorger sei er trotzdem geblieben.

Holzheid habe in Schweinfurt sowohl sein 25-jähriges als auch sein 40-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Ein langes Arbeitsleben. Dekan Bruckmann dankte ihm für die vielfältige und großartige Arbeit und bedankte sich auch bei seiner Frau Christa und den drei Kindern für deren Unterstützung.

„Das war jetzt lang“, meinte Dekan Bruckmann abschließend. „Aber den Holzheid bringst du unter fünf Seiten aus der Kirche nicht raus!“

Zum Schluss richtete er noch einen Appell an die Gemeinde: „Ein fantastischer Diakon mit Leib und Seele war und ist er. Ein Ruheständler – das muss er jetzt erst noch werden. Helft ihm dabei!“

Nach der Entpflichtung und Segnung durch Dekan Bruckmann und den Rummelsberger Brüdersenior Peter Barbian folgten zahlreiche Grußworte aus Politik, Rettungsdiensten und Kirche. Sie machten deutlich, welche Wertschätzung sich Holzheid in den vergangenen Jahrzehnten erworben hatte. Vom THW erhielt er das Helferzeichen in Gold, von der Notfallseelsorge die Notfallseelsorge-Medaille, ebenfalls in Gold. Pfarrer Christoph Rupprecht, der durch die Grußworte führte, fasste es treffend zusammen: „Du warst ein Kollege der Sonderklasse.“ Die sechs Pfarrerinnen und Pfarrer der Stadtpfarrei verabschiedeten ihren Diakon und Geschäftsführer mit einem Lied.

Sichtlich gerührt verabschiedete sich Norbert Holzheid. „Ich hab’s gern gemacht. Mein Beruf ist Berufung und wird es auch bleiben.“

Vor der Kirche stand schon die Hundestaffel Spalier und begrüßte den Neu-Ruheständler mit lautem Gebell. Trotz des wechselhaften Wetters blieben sehr viele noch sehr lange bei Bratwurst, Häppchen und einem Glas Sekt zusammen. Ein würdiger Abschied der Extraklasse.