„Damit alle eine gute Zeit haben“

Schweinfurt. Zehn Jahre ist es her, dass sich einige evangelische Kirchengemeinden im Dekanat Schweinfurt zusammentaten, um die Verwaltung ihrer Kindertagesstätten gemeinsam zu organisieren. Was mit sechs Einrichtungen begann, umfasst heute fast alle evangelischen Kitas im Dekanatsbezirk. Beim Festakt wurde deutlich: Der Verbund „Ev.Kids“ hat nicht nur Verwaltungsabläufe verändert, sondern auch den Kita-Leitungen und den Kirchengemeinden neue Freiräume geschaffen.
Das Ziel war von Anfang an, Gemeinden, Kirchenvorstände, Pfarrerinnen und Pfarrer von Verwaltungsaufgaben zu entlasten und gleichzeitig die Verwaltung zu professionalisieren. So bleibt mehr Zeit für die pädagogische und seelsorgliche Arbeit mit Kindern, Eltern und Mitarbeitenden.
Durch den Festakt im Theater Schweinfurt – derzeit passenderweise zu Gast im Evangelischen Gemeindehaus – führte gut gelaunt Norbert Steiche vom Bayerischen Rundfunk. Eine Band aus Schülerinnen und Schülern der Johann Hinrich Wichern Fachakademie für Sozialpädagogik, dem evangelischen „Oxford der Pädagogik in Schweinfurt“, wie Steiche sie augenzwinkernd nannte, begleitete die Feier. Dabei zeigte der „Nachwuchs“ eindrücklich, was er musikalisch zu bieten hat.
„Unser Ziel war, dass Kinder und Eltern später gerne zurückblicken und sagen können: Wir hatten eine gute Zeit“, erinnerte sich Dekan Oliver Bruckmann an die Anfänge. Dafür sollten Pfarrerinnen, Pfarrer und Kita-Leitungen Zeit haben und sich nicht mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen müssen. Gleichzeitig gebe es ja auch in der Verwaltung Fachleute, die genau diese Aufgaben kompetent übernehmen können.
Anfangs waren lediglich sechs Kitas im Verbund. Inzwischen sind es 21 und damit fast alle evangelischen Kindertagesstätten im Dekanatsbezirk, darunter auch mehrere neu gebaute Einrichtungen. Lediglich eine, die von einem eingetragenen Verein getragen wird, kann aus rechtlichen Gründen nicht dazu gehören.
Mittlerweile hat der Verbund auch einen sprechenden Namen bekommen: „Ev.Kids“ steht für „Evangelische Kindertagesstätten im Dekanat Schweinfurt“.
Die Leiterin des Kirchengemeindeamts, Vera Schleyer, zeigte sich dankbar für die kompetenten Mitarbeitenden im Kita-Bereich, auch wenn aktuell zu wenige Personen in der Verwaltung zur Verfügung stehen. Sie verwies auf einen weiteren Vorteil des Verbunds: Fallen in einer Kita gleich mehrere pädagogische Kräfte aus, kann auch jemand aus einer anderen Einrichtung einspringen. „Wir versuchen, bei Krankheit alles möglich zu machen.“
Den Dank der Stadt Schweinfurt überbrachte Sozialreferent Jürgen Montag. „Eine hervorragende Idee!“, lautete sein Fazit. Für die Stadt sei es natürlich auch sehr angenehm, nicht mehr zwölf, sondern lediglich einen Ansprechpartner für die evangelischen Kitas im Stadtgebiet zu haben.
Wie sich der Verbund im Alltag auswirkt, schilderten stellvertretend vier Kita-Leitungen.
Maurice Breitkopf von der Kita Spitalseeplatz kennt noch die Zeit vor dem Verbund, als ehrenamtliche Kirchenvorstände mit den zahlreichen Aufgaben mitunter an ihre Grenzen kamen. Heute habe man einen hohen Grad der Professionalisierung und ein gutes Miteinander. Als Leitung müsse er sich nicht mehr um alles selbst kümmern, egal ob klemmende Tür oder E-Check der Geräte.
Marcel Münzberg (Kita Gartenstraße) hatte schon als Praktikant im Verbund begonnen. Er betonte die gute Vernetzung der Einrichtungen und die Entwicklungschancen für die Mitarbeitenden, für die er selbst ein gutes Beispiel ist.
Kerstin Beck von der Kita St. Johannis zeigte sich dankbar für die großen Freiheiten, die die einzelnen Einrichtungen trotz der gemeinsamen Verwaltung weiterhin haben, und die durch die Entlastung eher gewachsen sind. „Gott sei Dank nimmt mir jemand diese Sachen ab!“ So bleibe mehr Zeit für das Wesentliche. Dabei entwickle sich die Organisation der Kitas ebenso wie die Pädagogik immer weiter. „Kita bleibt nie stehen!“
Für die Einrichtungen außerhalb der Stadt beschrieb Sabrina Grebner (Kita Zell) den großen Zugewinn durch die Fachlichkeit in der Verwaltung. Früher hätten sich die Kirchenvorstände alle paar Wochen getroffen, heute könnten Entscheidungen in der Verwaltung viel schneller gefällt werden. Die Fachlichkeit sei gestiegen. Und auch die Pfarrerinnen und Pfarrer hätten jetzt mehr Zeit und Luft für Seelsorge und die Arbeit mit den Kindern.
Zum Schluss kamen die Leitungen aller Kindertagesstätten vor der Bühne zusammen. Diesmal galt ihr Dank denen, die sonst eher im Hintergrund arbeiten. Für „ihre“ Verwaltung sangen sie aus vollem Herzen ein selbst gedichtetes Danke-Lied nach der Melodie „Danke für diesen guten Morgen“ und überreichten ein Geschenk.
Bei Sekt und Häppchen klang der Festakt aus. Am Abend öffnete das Theater erneut seine Türen, diesmal für eine große Feier mit den mehreren hundert Mitarbeitenden der evangelischen Kindertagesstätten im gesamten Dekanat.














































