„Wenn man den Altar aufmacht, wird’s hell!“

Neue Prinzipalia für den Kirchsaal Gut Deutschhof

Bild des Benutzers Heiko Kuschel
ein Blick über den Altar aufs neue Kreuz an der Wand

Schweinfurt-Gut Deutschhof. In einem festlichen Gottesdienst wurden im evangelischen Kirchsaal Gut Deutschhof neue, eigens für den Raum gestaltete Prinzipalia eingeweiht. Dazu gehören Altar, Kreuz, Taufstein, Osterkerzenständer und Lesepult.

Seit 18 Jahren wird die ehemalige Scheune als Gottesdienstraum genutzt. Bisher waren die genutzen Gegenstände eher aus unterschiedlichen Zusammenhängen zusammengekommen. Seit dem Erntedanksonntag prägt nun ein von der Münchner Bildhauerin Sabine Straub entworfenes Ensemble den Raum, das die Künstlerin kurz erläuterte: Alles ist beweglich und kann je nach Anlass unterschiedlich im Raum angeordnet werden. Die Fläche für die Taufschale kann wie eine Schublade unter den Altar geschoben werden, so dass dieser schmaler wird. Die Oberflächen der Elemente bestehen aus überschmiedetem Aluminium – einem eher kalten Material. Aus ihrem Inneren strahlt dagegen eine ginstergelbe Farbe, die auch von den neuen Sitzkissen aufgenommen wird. „Wenn man den Altar aufmacht, wird’s hell!“

Pfarrer Mulugeta Aga Giragn begrüßte die versammelte Gemeinde und die zahlreichen Gäste, darunter den landeskirchlichen Kunstreferenten Kirchenrat Helmut Braun, der die Entstehung der neuen Elemente jahrelang intensiv begleitet hatte. „Wir haben heute, am Erntedankfest, viel zu danken!“

Dekan Oliver Bruckmann setzte in seiner Predigt den Dank fort. Er predigte über das bekannte Lied von Joachim Neander: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!“

Der Lieddichter hatte damals die Folgen des 30jährigen Kriegs selbst erlebt und die Not, Furcht und Sorge seiner Zeit gekannt. Aus dieser Erfahrung heraus dichtete er: „In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!“

So sei die Gemeinde auch heute eingeladen zu feiern, trotz aller Not auf der Welt. Und zu einem Fest gehöre, ausgelassen zu feiern, den Raum zu schmücken. Das neue, schwungvolle Kreuz erinnert, so Bruckmann, an den Gastgeber dieser Feier: Gott selbst. Der Taufstein ist ein Teil des Altars, so dass hier, am zentralen Ort, beide Sakramente gefeiert werden können.

Die Taufschale war zwar schon an Ort und Stelle – doch die vom Silberschmied neu aufbereiteten Abendmahlskelche sowie die Kanne für das Taufwasser seien noch nicht angekommen. „Aber Sie kommen ja wieder!“, hoffte Bruckmann. Die Gemeinde könne die Gegenstände dann zu einem späteren Zeitpunkt bewundern.

Gemeinsam segneten und weihten Pfarrer Giragn und Dekan Bruckmann die neuen Prinzipalia.

Dekan Bruckmann dankte nicht nur der Bildhauerin „für ihr großes Engagement und ihre Einfühlung“, sondern auch denen, die das Projekt finanziell ermöglicht hatten: Dem Kunstfonds der Landeskirche, dem Dekanatsbezirk sowie der Geschwister-Volk-Stiftung.

Kirchenrat Braun, der die Entstehung der Prinzipalia über viele Jahre begleitet hatte, zollte dem Gesamtkunstwerk und der Künstlerin seinen Respekt. Als „Anwalt der Kunst“ sei er in Zeiten zunehmender Sparzwänge immer wieder in Sorge, dass solche Projekte „hinten runter fallen“. Gerade solche schönen Elemente aber seien das, „was die Seele beflügelt“.

Dekan Bruckmann erinnerte daran, dass im Dekanat erst vor kurzem eine Kirche entwidmet wurde – die Friedenskirche Oerlenbach wird nach einem Brand nicht wieder aufgebaut. „Aber es geht eben nicht alles den Bach runter!“ Im Gegenteil: Die Konzentration auf weniger Standorte ermögliche es auch, andere Orte gezielt zu ertüchtigen und auf absehbare Zeit zu erhalten. Was in Gut Deutschhof entstanden sei, sei so eindeutig für diesen Kirchsaal konzipiert, dass man die Prinzipalia nicht einfach mitnehmen und anderswo aufstellen könne. Ein klares Bekenntnis zum Standort Gut Deutschhof.