20 Jahre Friedensgebet in der Dreieinigkeitskirche

Einmal die Woche nehmen Christen die Welt ins Gebet

Pfrin. Eva Loos ließ zum Jubiläum gleich alle sechs Glocken der Dreieinigkeitskirche läuten.

Schweinfurt, 19. Sept. 2012. „Israel plant einen Angriff auf den Iran, in Mexiko sind 300 Schwerverbrecher aus einem Gefängnis ausgebrochen, der Bürgerkrieg in Syrien hat schon 20 000 Menschenleben gekostet, 70 Prozent der Hühnereier kommen aus Massentierhaltung, in der St. Kilian-Straße in Schweinfurt ist der Tod eines Bewohners vier Wochen lang unbemerkt geblieben.“ Sie nehmen buchstäblich die ganze Welt ins Gebet, die Friedensbeter der Dreieinigkeitskirche.

Seit 20 Jahren wird hier jeden Mittwoch um 19 Uhr eine Stunde lang für den Frieden in der Welt, in den Familien und nicht zuletzt für die Zufriedenheit in jedem einzelnen Menschen gebetet. Das Auseinanderbrechen des ehemaligen Jugoslawien und der damit einhergehende Krieg waren Anlass 1992 erstmals zu einem ökumenischen Friedensgebet einzuladen. Dass dieser Gottesdienst nun sein 20-jähriges Bestehen feiert, wundert auch die Initiatoren. [...]

Unfrieden, Konflikte und unhaltbare Situationen hat die Welt genügend zu bieten, und so gab es auch immer genügend Grund zu beten. Was es nicht immer gab, waren genügend Beter. „Manchmal waren wir nur zu zweit, das war schon ernüchternd“, erinnert sich Li Langen. Aber irgendwie ging es dann doch immer weiter. Elmar Rachle beispielsweise ist nach der atomaren Katastrophe von Fukushima zum Team des Friedensgebets gestoßen. 2011 gab es eine besondere Andacht für die Menschen, die von der japanischen Nuklearkatastrophe betroffen waren. Diese besuchte er und fand eine neue Heimat für sein friedenspolitisches Engagement.

Man diskutiere oft sehr lange, welche Beispiele von Unfrieden in der Welt, mit der Natur oder unter den Menschen man im Gottesdienst benennen wolle, erklärt Pfarrerin Eva Loos. Die Mitglieder des Vorbereitungsteams müssen politisch auf dem Laufenden sein. Und, das ist Loos wichtig, „wir wollen auch einige positive Beispiele benennen.“ Im Jubiläumsgottesdienst war dies unter anderem die Papstreise in den Nahen Osten, die als Friedensmission empfunden wurde. [...]

„So eine unscheinbare kleine Gruppe kann in der Welt vielleicht mehr bewegen, als wir uns vorstellen können“, meint Annemarie Ritter. Sie war im Gründungsjahr des Friedensgebets Vikarin in der Dreieinigkeitskirche und hat dieses zusammen mit dem damaligen Pfarrer Rainer Oechslen aus der Taufe gehoben. Aber „diese Gottesdienstform ist nicht von Pfarrern abhängig, sie lebt von der Basis“, erklärt sie.

Zum Jubiläum ließ Pfarrerin Eva Loos alle sechs Glocken der Dreieinigkeitskirche läuten und begrüßte die Gäste mit einem Strauß von 20 verschiedenen Blumen. Den ökumenischen Part übernahm Pfarrer Franz Feineis, der die Feier mit selbst getexteten Liedern bereicherte.

(aus: Schweinfurter Tagblatt vom 22.9.2012, S. 28; Text: Ursula Lux; Foto: Bergler)