Diakonie und Kirche: Wo ist da der Unterschied?

Schweinfurt, 6.11.2011. Der zentrale Gottesdienst am Diakoniesonntag fand in St. Johannis statt und stand diesmal unter dem Thema „Nächstenliebe – Gottesliebe“. Diakonie und Kirche gestalteten ihn gemeinsam. Pfr. Jochen Keßler-Rosa, Vorstand des Diakonischen Werkes Schweinfurt, wies bereits in der Begrüßung der Gemeinde auf die vielfältigen Aufgaben seiner diakonischen Institution hin. Trotz Sonntag seien im Augenblick rund 100 HelferInnen im Einsatz. 500 ältere, kranke Mitmenschen würden täglich besucht – „Nächstenliebe im Auftrag Gottes“!

Anschließend schilderte Keßler-Rosa anschaulich mehrere Fallbeispiele, wie Lebensgeschichten mittels diakonischer Hilfe fortgeschrieben werden konnten:
- Da kommt ein geistig zurückgebliebener Junge nicht mehr in der Schule mit. Das Jugendamt kümmert sich um ihn. Er akzeptiert das Haus Marienthal als sein Zuhause und wird nun bald seinen Schulabschluss machen.
- Des Weiteren: Herr F. ist arbeitslos geworden, hat zudem durch einen Unfall seine Arbeitsfähigkeit verloren; er verarmt, verwahrlost und erkrankt psychisch. Der sozialpsychiatrische Dienst nimmt Kontakt zu ihm auf, Herr F. kann in eine Wohngemeinschaft ziehen und neue Lebenspläne schmieden.

Dekan Oliver Bruckmann predigte über die Geschichte vom sog. Kämmerer aus Äthiopien (Apostelgeschichte 8,26-40): Dieser sei ein Gottsucher und damit ein die Quelle des Lebens Suchender gewesen, doch als Verschnittener von der frommen Gesellschaft ausgegrenzt worden. Heutzutage sei aber Inklusion gefragt, um Zugehörigkeit zu Gemeinschaft und Gemeinde zu ermöglichen. Die Diakonie schaue und höre sorgfältig darauf, wie es dem anderen gehe und was für ihn not-wendig (!) sei. Sie wolle zum Weggefährten auf Augenhöhe werden.
Bruckmann: „Gott interessiert sich für uns. Er schickt uns als seine Boten, als seine Diakoninnen und Diakone. Menschendienst – Gottesdienst: Wo ist da der Unterschied?“ Gottesliebe sei allemal verpackt in unserer zwischenmenschlichen Liebe.

Der Gottesdienst mündete aus in dem passenden Liedappell: „Brich mit dem Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.“

 

 

 

Kirche und Diakonie auf einer Bank (v.l.): Dekan Oliver Bruckmann, Lektorin Elisabeth Dämmrich u. Pfr. Jochen Keßler-Rosa

Dekan Bruckmann: Kanzelzeugnis über einen Zeugungsunfähigen der Bibel