PRESSESCHAU: Asylbewerber / Erstaufnahmeeinrichtung

Helfer kann es nicht genug geben

Blick in die zukünftige Erstaufnahmeeinrichtung in den Ledward Barracks

Schweinfurt, 18./19. Juni 2015.

Hier zwei Status-quo-Presseberichte über die Arbeit des Diakonischen Werkes Schweinfurt mit Asylsuchenden

Zu den ehemaligen Conn Barracks: Die Gemeinschaftsunterkunft ist seit Mitte April geöffnet, seitdem finden immer mehr Asylbewerber dort ein Zuhause. Platz ist für 196 Bewohner. Derzeit sind etwa 120 Menschen hier untergebracht, darunter zehn Kinder. Die Asylsuchenden kommen aus Syrien, Albanien, Nigeria, Serbien, Ukraine, Somalia, Afghanistan, Eritrea, Irak und Iran, zählt Unterkunftsleiter Hermann Fella auf. Die Syrer stellen mit 67 Bewohnern die größte Gruppe. [...]

Über 100 Fahrräder hat die Gemeinde Geldersheim für die Asylsuchenden gesammelt und von einem Freiwilligen herrichten lassen. Bürgermeister Brust will bald eine bessere Busverbindung organisieren. „Die Integration ist wegen der räumlichen Trennung schwierig.“ Im Dorf hätten sich jedoch einige Ehrenamtliche gefunden, die Fahrdienste und Sprachkurse anbieten. Freilich sei die Asylunterkunft eine Zusatzbelastung für die Gemeinde, sagt Brust. „Aber Zusatzbelastung ausdrücklich in Anführungszeichen. Es ist unsere Bürgerpflicht, diese Leute, die aus Kriegsgebieten kommen, hier aufzunehmen.“

Neben der Gemeinde kümmert sich auch die Diakonie um die Asylbewerber. [...] Uwe Kraus von der Diakonie erklärt, dass seine Einrichtung helfe, solche Dinge zu beantragen. Auch um die Eröffnung von Girokonten für die Flüchtlinge kümmert sich die Diakonie. Dolmetscher helfen zudem bei Amtsbesuchen und sind generell für alle Anliegen der Bewohner da. Das Angebot richte sich aber nicht nur an Asylbewerber, sondern an alle Hilfebedürftigen, betont Kraus.

Auf dem Platz vor der Kaserne fährt ein grauer VW-Bus vor. „Das sind die Neuen“, sagt Unterkunftsleiter Fella. Innerhalb der nächsten zwei Wochen werden dann wohl alle Plätze belegt sein, vermutet er.

Zu den ehemaligen Ledward Barracks:  „Es gilt dauerhaft professionell zu improvisieren.“ So hat Landrat Florian Töpper die Arbeit der Asyl-Sozial-Beratung der Diakonie zusammengefasst, die der Leiter der Sozialen Dienste der Diakonie, Uwe Kraus, dem Kreisausschuss am Dienstag vorgestellt hat. Dabei ist klar geworden: Die Arbeit wird den beruflichen und ehrenamtlichen Helfern nicht ausgehen. Die Diakonie betreut in der Region Main-Rhön mit sechs Mitarbeitern 1400 Asylbewerber in 80 Einrichtungen.

In erster Linie sehen es die Berater nach Kraus' Bericht als ihre Aufgabe, neu angekommenen Asylbewerbern Orientierung zu geben - sei es im komplizierten Verwaltungsverfahren sowie im Alltag der neuen Umgebung. Das Diakonie-Personal dient vor allem als Ansprechpartner; sie versuchten, möglichst einmal pro Woche vor Ort zu sein. Da geht es um ganz banale Dinge wie die Einrichtung eines Girokontos oder Kontakte zu den örtlichen Helferkreisen, um die Integration ins Dorfleben zu erleichtern. Denn die meisten Flüchtlinge sind dezentral im Landkreis untergebracht.

Dabei ist der Personalschlüssel eng bemessen. 1:150 sollte er eigentlich sein: „Da kommen wir nicht hin“, sagte Kraus. Im Landkreis Schweinfurt habe er 105 Wochenstunden für die Sozialberatung zur Verfügung – aufgeteilt auf eine Vollzeit und drei Teilzeitkräfte. Derzeit leben im Landkreis 750 Asylbewerber, bei steigender Tendenz. [...]

Sichtlich beeindruckt haben Kraus' Schilderungen zur Situation der Neuankömmlinge. Sie sollten eigentlich sechs Wochen in der Erstaufnahme bleiben, in der Praxis seien sie dort nur eine Woche. Das reiche gerade, um die Identität klären und medizinische Untersuchungen zu veranlassen. Insofern verspricht sich Kraus von der Eröffnung der Erstaufnahmeeinrichtung in den ehemaligen Ledward-Barracks in Schweinfurt eine Verbesserung, „damit einigermaßen normale Zustände einkehren“.

Insgesamt, so konstatierte Kraus, sei die Situation für die Asylbewerber deutlich besser als vor 2013 - angefangen von der Qualität der Unterkünfte bis zu Sprachkursen, die früher für nicht nötig erachtet worden seien. Letzteres sei auch nötig, um Asylbewerber in den Arbeitsmarkt zu bekommen. Dies sei nach drei Monaten möglich, wenn sich für den Job kein Deutscher meldet. Neue Gesetzte machten vieles möglich, „es muss nur auf den Weg gebracht werden“.

Ein großes Lob zollte der Diakonie-Vertreter den freiwilligen Helfern: „Der Einsatz der Bürger ist großartig.“ In elf Ortschaften existierten Helferkreise, die Flüchtlinge unterstützen; zum Teil haben sie 60 bis 70 Mitglieder. Die Angebote reichen von individueller Beratung über Fahrdienste bis zur Fortbildung der Ehrenamtlichen. In Niederwerrn zum Beispiel plane man einen offenen Treff mit Veranstaltungen. Gleichzeitig erinnerte Uwe Kraus an Sinn und Zweck der Hilfe: Es gehe nicht um Überbehütung, in dem man die Asylbewerber mit Geschenken überhäuft, sondern darum, sie in ihrer neuen Umgebung zur Selbstständigkeit zu erziehen. [...]

(aus: Schweinfurter Tagblatt vom 19. u. 18. Juni, TexteLukas Will u. Josef Schäfer; Foto: Bergler)