Fahnenaktion gegen Genitalverstümmelung

Anklage gegen eine unmenschliche Praxis

Bericht aus dem Schweinfurter Tagblatt vom 27.11.08

Schweinfurt, 25.11.2008. Mehr als 150 Millionen Frauen sind weltweit von Genitalverstümmelung betroffen. Darauf machte die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes am Dienstag mit ihrer Fahnenaktion aufmerksam. Bundesweit wurden an 3000 öffentlichen Gebäuden Fahnen hochgezogen, die die Gewalt an Frauen anprangern. In Schweinfurt trafen sich etwa 30 Frauen vor dem Friedrich-Rückert-Bau.

Heidi Wunder, Gleichstellungsbeauftrage der Stadt, präsentierte erschreckende Zahlen: In 28 afrikanischen Ländern sowie im Süden der arabischen Halbinsel ist es bis heute Brauch, weibliche Genitalien ganz oder teilweise zu entfernen. Manche Mädchen werden schon in den ersten Lebenswochen, andere vor der Pubertät, vereinzelt auch erwachsene Frauen vor der Eheschließung ohne Betäubung beschnitten. Dabei geht es meist unhygienisch zu, Messer, Rasierklingen, Scheren oder Glasscherben dienen als Werkzeug. Nicht jedes Mädchen überlebe diese Prozedur. […] Tradition und Religion würden als Gründe für die Beschneidung benannt. Klar sei aber, dass dieser Brauch von keiner Religion verlangt wird, so Heidi Wunder. […]
Terre des Femmes schätzt, dass 2005 in Deutschland 18 000 Frauen betroffen waren und weitere 6000 Mädchen jährlich gefährdet sind. Nach deutschem Recht handelt es sich bei der Verstümmelung weiblicher Genitalien zwar um „gefährliche Körperverletzung“, als Asylgrund wird sie jedoch nicht anerkannt.
Erstmals brachten die an der Fahnenaktion beteiligten Organisationen – Sozialdienst katholischer Frauen, Dekanatsfrauenbeauftragte, Frauenhaus, Frauenplenum, ver.di Bezirksrat und amnesty international – heuer ihre Klage auch vor Gott. In der Johanniskirche gab es eine Konfessionen und Religionen übergreifende Andacht. Christliche Frauen, Anhänger der Bahai und Moslems vereinten ihr Engagement im Gebet, zu dem auch Imam Akay Atik eine Sure aus dem Koran sang.

 

 

Andacht in der St. Johannis-Kirche.

Im Mittelpunkt: Imam Akay Atik

(Foto + Text: Ursula Lux)