Pfarrerin Dorothea Zwölfer übernimmt Altenheim- und Tourismusseelsorge in Bad Kissingen

Bad Kissingen. Das evangelische Seelsorge-Team in Bad Kissingen ist wieder komplett: In einem festlichen Gottesdienst in der Bad Kissinger Erlöserkirche wurde Pfarrerin Dorothea Zwölfer in ihr neues Amt eingeführt. Sie übernimmt die 2. Pfarrstelle Bad Kissingen mit Schwerpunkt Altenheimseelsorge (50%) und die Stelle für Tourismusarbeit (50%). Darüber hinaus wird sie in die gemeinsamen Aufgaben des Teams eingebunden sein.
Dekan Oliver Bruckmann begrüßte die neue Pfarrerin gemeinsam mit ihrer Frau Claudia. Er betonte die besondere Bedeutung ihrer Arbeit: „Seniorenarbeit ist mehr als Kaffee und Kuchen zu organisieren!“ Die Stelle beinhalte einen besonderen Verkündigungs- und Seelsorgeauftrag. Auch die Tourismusarbeit habe in Bad Kissingen einen besonderen Stellenwert. Sie richte sich nicht nur an die Gäste des Kurorts, die meist zur Kur und Heilung hierher kommen, sondern ebenso an die Menschen, die hier arbeiten..
Dekan Bruckmann wies auf die Vorreiterrolle der Kirchengemeinde hin: Bereits vor Jahren hatte die Gemeinde ihre Stellen als Team organisiert. Jede Stelle setze dabei eigene Schwerpunkte, während alle gemeinsam den Auftrag zur Seelsorge und Verkündigung wahrnähmen.
In Zukunft, so Bruckmann, wird es überall in Bayern so sein, denn angesichts der notwendigen Stellenkürzungen in der Landeskirche wird es auch anderswo gar nicht mehr anders gehen als im Team. Das Dekanat Schweinfurt beispielsweise wird 9,5 Stellen oder 27 Prozent aller Stellen einsparen müssen. Die Arbeit wird daher in größeren Regionalgemeinden im Team organisiert werden. „Es geht gar nicht mehr anders als im Team.“
Nach der Einführung und Segnung bestieg Pfarrerin Zwölfer zum ersten Mal die Kanzel der Erlöserkirche. Sie predigte über die Geschichte des Ährenraufens am Sabbat (Mk 2, 23-28): Die Jünger Jesu stillen ihren Hunger, indem sie einige Körner von einem Feld pflücken. Jesu Gegner interpretieren das als Bruch der Sabbatruhe. Doch Jesus reagiert anders als gedacht: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat!“
Hunger und Durst sind grundlegende Bedürfnisse, so Zwölfer. Auch in ihrer zukünftigen Arbeit gehe es um Grundbedürfnisse der Menschen: Darum, miteinander zu reden, sich zu erholen – und auch im Stille, so wie Jesus sich auch immer wieder in die Stille zurückzog. „Jesus will auch uns Ruhe und Stille gönnen!“
Dass diese Stille auch verändernde Kraft haben kann, illustrierte Zwölfer an einem historischen Beispiel: Die Kaiserin Auguste Victoria hatte sicherlich ein hektisches Leben. Im Jahr 1889 reiste sie nach Bad Kissingen, um hier Ruhe zu finden – und übernahm daher die Schirmherrschaft für den Neubau der Erlöserkirche. Jeden Tag habe sie eine Zeit der Stille und des Gebets genossen. Das, so Zwölfer, sei auch der heutigen Gemeinde zu wünschen.
Im Anschluss an den Gottesdienst begrüßte Landrat Mario Götz die neue Pfarrerin auch im Namen der Stadt und des Oberbürgermeisters und hieß sie herzlich willkommen. „Manchmal führt der Lebensweg über einen kleinen Umweg“, meinte er mit Blick auf Zwölfers Werdegang: Sie hatte ihr Theologiestudium zunächst aufgegeben und sich mit Phonetik und Psychologie beschäftigt, bevor sie schließlich wieder zur Theologie zurückkehrte. Gerade Sprache und Zuhören seien für ihre neue Aufgabe außerordentlich wichtig.
Für die katholische Kirche überbrachte Diakon Christoph Geyer die Grüße von Stadtpfarrer Gert Greier. „Wir können Ökumene hier!“ meinte er, insbesondere im Hinblick auf die gemeinsame Aufgabe der Seniorenarbeit.
Nach weiteren Grußworten von Seniorin Hermine Wieker und Landessynodalin Renate Käser lud die Gemeinde zu einem Empfang ins neu fertiggestellte Lichtforum ein. Dort klang der Vormittag bei Gesprächen, Sekt. Kaffee und Kuchen aus. Ganz ohne Kaffee und Kuchen geht es also auch nicht – aber Seniorenseelsorge ist eben weit mehr als das.
































