Mobilität jetzt!

Auftakt der Vortragsreihe des Evangelischen Bildungswerks: Pfarrer Heiko Kuschel mit Gedanken zum Reden über Mobilität

Bild des Benutzers Heiko Kuschel
Foto: Christian Loos

Was macht das Reh auf der Straße? Diese Frage haben sich wohl schon so manche gestellt, während sie nachts im Wald voll in die Bremsen traten. Doch vielleicht müsse man die Frage ganz anders stellen, so Pfarrer Heiko Kuschel bei seinem Vortrag „Mobilität anders denken – wie Sprache unseren Verkehr gestaltet“: Was macht eigentlich die Straße im Wald? Ist der Wald nicht der Lebensraum des Rehs? Ähnlich könne man auch darüber nachdenken, wie beispielsweise Autos den Lebensraum der Menschen in der Stadt dominieren.

Auftakt der Reihe „Mobilität jetzt!“

Der Vortrag in den Räumen der Christuskirche Schweinfurt war der Auftakt einer losen Folge von Veranstaltungen des Evangelischen Bildungswerks Schweinfurt unter der Überschrift „Mobilität jetzt!“. Gemeinsam mit katholischer Erwachsenenbildung und dem ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) will EBW-Leiterin Maike Schaub-Vaupel wichtige Fragen moderner Mobilität aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.

Verkehrsfragen sind soziale Fragen

Kuschel betonte, dass Verkehrsfragen eben auch soziale Fragestellungen seien: Etwa 13 Millionen Erwachsene in Deutschland hätten gar keinen Führerschein, weitere 13 Millionen seien unter18. Dazu kämen viele, die sich kein Auto leisten könnten oder wollten. Auch für sie müsse soziale Teilhabe möglich sein – ganz unabhängig von den Fragen nach Klimaschutz, Ressourcenverbrauch oder Verkehrssituation in den Städten und Dörfern.

Das Auto eroberte die Städte in nur zehn Jahren

In seinem Vortrag ging er auf die Situation ein, als vor etwa 100 Jahren das Automobil die Straße „eroberte“ und wie der alte US-amerikanische Traum von „Freiheit“ bewusst mit dem Auto verknüpft wurde. Es dauerte damals lediglich ein Jahrzehnt, bis die Dominanz des Autos auf den Straßen verfestigt war – andere Entwicklungen, in denen zumindest in der Stadt weiterhin die Fußgänger Vorrang gehabt hätten, wären zumindest denkbar gewesen. Heute sei in etlichen Städten wie etwa Paris oder Amsterdam der Trend zu beobachten, die „Straßen für Autos zu sperren und für Menschen zu öffnen“.

An etlichen Beispielen zeigte er, wie heute sowohl sichere als auch für Menschen attraktive Verkehrsplanung möglich ist.

Wie von Mobilität heute reden?

Mobilität könne man sehr unterschiedlich betrachten, so Kuschel. Vorherrschend sei heute der Verkehr als ein „Fluss“, bei dem Störungen beseitigt werden müssten. Zentrales Ziel der meisten sei, so schnell wie möglich von einem Ort zum anderen zu gelangen. Jede halbe Stunde werde diese Wahrnehmung durch die Staumeldungen im Radio verstärkt. Jedenfalls sei es keine Lösung, bei Staus immer mehr Straßen zu bauen und Straßen zu verbreitern, da diese erwiesenermaßen wieder mehr Verkehr erzeugen: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“ (Daniel Goeudevert)

Oft könne man aber auch Verkehr eifnach unnötig machen, etwa durch kleine Geschäfte und weitere Angeboe in den Dörfern, die auch die Dorfzentren lebendiger machen würden. Attraktive Mobilität könne auch spielerisch und mit sozialer Interaktion erreicht werden. Nicht immer sei dabei das Auto nötig, vieles könne besser mit anderen Verkehrsmitteln erreicht werden. Es gehe darum, die Verkehrsbedürfnisse der Menschen zu erkennen und kreative Lösungen anzubieten.

Vorbild: Fahrradland Niederlande

Was mit zielgerichteter Verkehrsplanung möglich ist, zeigte Kuschel am Beispiel der Niederlande. Am Hauptbahnhof Utrecht steht das größte Fahrradparkhaus der Welt mit 12.500 Stellplätzen. Auch sonst setzen die Niederlande bereits seit ca. 50 Jahren auf das Fahrrad als effektives und abgasfreies Verkehrsmittel, das noch dazu gesundheitliche Vorteile bietet.
Interessierte können sich Unterlagen zum Vortrag unter www.heikokuschel.de/mobilitaet herunterladen.

Katja Diehl kommt nach Schweinfurt

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe ist eine Lesung mit der bekannten Mobilitätsexpertin und Bestsellerautorin Katja Diehl, deren Buch „Autokorrektur – Mobilität für eine lebenswerte Welt“ im Februar innerhalb weniger Tage ganz oben in den Bestseller-Listen landete. Sie kommt am Montag, 27. Juni um 19 Uhr ins Evangelische Gemeindehaus, Friedenstraße 23 in Schweinfurt.